Nürnberg: Alemannia historisch: Ticker zum ersten Spieltag gegen Nürnberg 1968

Nürnberg : Alemannia historisch: Ticker zum ersten Spieltag gegen Nürnberg 1968

Der Kalender zeigt den 17. August 1968. Es ist Samstag, der erste Bundesligaspieltag der Saison 1968/1969. Die Alemannia muss zum Start der zweiten Spielzeit in Deutschlands höchster Spielklasse nach Nürnberg reisen. Die Schwarz-Gelben treffen dort auf den amtierenden Meister. Unser Rückblick im „Liveticker“.

14:00 Uhr Hallo aus Nürnberg! Endlich hat die Wartezeit ein Ende, der Ball in der Bundesliga rollt in weniger als anderthalb Stunden wieder. Die Alemannia muss zum Start in die Saison direkt beim Meister ran. Anstoß gegen den 1. FC Nürnberg hier im „Städtischen Stadion“ ist um 15:30 Uhr und wir sind für Sie vor Ort.

14:02 Uhr Für die Mannschaft von Trainer Michel Pfeiffer steht gleich zum Start der erste Härtetest an. Der 1. FC Nürnberg hat sich in der vergangenen Saison die Deutsche Meisterschaft gesichert — und das quasi im Vorbeigehen. Für die Clubberer war es der insgesamt neunte Titel. Trainer Max Merkel und seine Mannschaft feierten an dieser Stelle vor wenigen Wochen am 25. Mai den Erhalt der Schale.

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Foto: dpa

14:03 Uhr Die Kaiserstädter landeten in ihrer Premierensaison in der Bundesliga am Ende auf einem beachtlichen elften Platz. Das Minimalziel in dieser Spielzeit ist natürlich zunächst der Klassenerhalt. Ein Sieg zum Auftakt wäre optimal, wobei Punkte gegen den Meister sicherlich in die Kategorie „Bonus“ fallen würden. Mit einem Erfolg heute hier in Nürnberg rechnen nur die größten Optimisten, auch wenn der bisher letzte Vergleich aus der Rückrunde der Vorsaison an die Alemannia ging. Vielleicht ist an diesem Tag also doch etwas möglich. Warnung an alle Leser: Hier sitzen schwarz-gelbe Optimisten an den Tastaturen.

14:08 Uhr Der Saisonstart für die Alemannia ist in dieser Spielzeit gleich mit einer langen Reise verbunden. Zwischen dem Aachener Tivoli und dem Städtischen Stadion Nürnberg liegen 491 Kilometer. Da wäre es doch schade, wenn die Kartoffelkäfer den Rückweg mit leeren Händen antreten müssen.

14:13 Uhr Kurzer Blick aufs Wetter: Das Thermometer zeigt angenehme 18 Grad an, es regnet nicht und trocken bleiben soll es auch. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für ein gutes Spiel.

14:14 Uhr „Spiel“ ist ein gutes Stichwort: Zwar geht es Trainer Michel Pfeiffer und seinen Jungs primär darum, an den anstehenden 34 Spieltagen genügend Punkte gegen den Abstieg zu sammeln, die Tivoli-Truppe will sich im Vergleich zur Vorsaison aber auch spielerisch weiterentwickeln und immer wieder für Ausrufezeichen sorgen. Vielleicht ja schon heute?!

14:19 Uhr Noch etwas mehr als eine Stunde bis zum Anstoß. Nutzen wir die Zeit für eine kleine „Geschichtsstunde“ und Basiswissen für alle Groundhopper unter Ihnen: Gespielt wird heute im „Städtischen Stadion“, das seit fünf Jahren die Heimat des 1. FC Nürnberg ist. Vorher haben die Clubberer im „Zabo“, dem Stadion in Zerzabelshof gespielt. Hier in der Nähe vom Dutzendteich wurde schon das Endspiel der Deutschen Meisterschaft der Saison 1928/1929 zwischen der SpVgg Fürth und Hertha BSC ausgetragen, das die Kleeblätter mit 3:2 für sich entschieden. Der heutige Gastgeber scheiterte damals im Halbfinale gegen die Berliner. Das Finale fand damals vor 50.000 Zuschauern statt.

14:21 Uhr So viele Fans werden heute nicht erwartet. Die Verantwortlichen beider Vereine rechnen mit etwa 20.000 Zuschauern im Stadion.

14:25 Uhr Schiedsrichter der heutigen Partie ist übrigens Jan Redelfs. Der Mann aus Hannover feiert in drei Tagen seinen 33. Geburtstag.

14:26 Uhr Hier nicht im Bild: Schiedsrichter Jan Redelfs.

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14:30 Uhr Noch genau eine Stunde bis zum Anpfiff und pünktlich dazu flattern gerade die Aufstellungen rein. Max Merkel, Trainer der Gastgeber, schickt folgende Spieler zum Start aufs Feld:

Wabra — Leupold, L. Müller, Wenauer, Popp — Küppers, Hansen — Z. Cebinac, Strehl, Beer, Müller

Alemannias Coach Michel Pfeiffer hat sich für diese Startelf entschieden:

Scholz — Pawellek, Walter, Martinelli, Thelen — Hoffmann, Hermandung — Klostermann, Claessen, Ionescu, Gronen

14:31 Uhr Was mit der Schreibmaschine nicht alles möglich ist ... So sieht das Ganze grafisch aus:

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Grafik: Hellmich, Hintergrundbild: pixabay, Foto Merkel: dpa, Foto Pfeiffer: Kistermann

14:33 Uhr Damit startet die Alemannia gleich mit drei Neuzugängen in der Startfelf. Neu im Tor ist Werner Scholz, den Trainer Pfeiffer aus Hamborn geholt hat. Im Sturm werden Ion Ionescu, der von Rapid Bucuresti an den Tivoli kam, und der Königstransfer Roger Claessen erstmals das Trikot der Alemannia in der Bundesliga tragen. Der Belgier kam für die Rekordablösesumme von 300.000 D-Mark nach Aachen. Zuvor lief er in 180 Meisterschaftsspielen für Standard Lüttich auf und erzielte 124 Treffer. Gerne darf er so bei den Kartoffelkäfern weitermachen.

14:37 Uhr 300.000 D-Mark Ablöse? Wird am Tivoli etwa mit Geld sorglos um sich geschmissen? Mitnichten. Alemannias Mäzen Oyen ist sich sicher, dass der extrovertierte Belgier die Ablöse schnell wieder einspielen wird: „Der Roger spielt das alles wieder ein. Zu jedem Spiel kommen Busse aus Lüttich.“

14:38 Uhr Aachens neue Sturmhoffnung und Belgiens Fußballer des Jahres können das nur bestätigen: „Mein Vater hat kaum noch eine ruhige Minute. Jeden Moment rufen Leute an und wollen Karten für Alemannia-Spiele kaufen.“

14:39 Uhr Kurzer Blick ins Wohnzimmer von Vater Claessen:

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14:40 Uhr Zurück zur Aufstellung der Kaiserstädter: Auf der Bank sehen wir noch Werner Tenbruck. Der Stürmer war bis zum Sommer beim VfR Neuss und will nun sein Können am Tivoli unter Beweis stellen.

14:42 Uhr Insgesamt haben den Tivoli sechs Spieler im Sommer verlassen: Troche, Krieger, Glenski und Klöckner hat es zum Bonner SC verschlagen, Borteiro hat sich Eintracht Trier angeschlossen und Ferndinand sucht sein Glück nun beim FC Chiasso in der Schweiz.

14:45 Uhr Und um das Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen zu vervollständigen: Neben den bereits Genannten hat die Alemannia zudem Barnabas Liebhaber von Budapesti Vasas und Werner Pöhler vom 1. FC Mönchengladbach verpflichtet.

14:51 Uhr So langsam füllt sich das Stadion. Die angepeilten 20.000 Zuschauer sollten zusammenkommen. Die meisten von ihnen werden nach den gespielten 90 Minuten hoffentlich weniger erfreut nach Hause gehen.

14:52 Uhr Die Torhüter beider Mannschaften sind bereits seit einigen Minuten auf dem Feld und wärmen sich auf. Alemannias neuer Mann zwischen den Pfosten heißt Werner Scholz. Im Sommer kam er von den Sportfreunden Hamborn an den Tivoli und hat Gerhard Prokop verdrängt. In seinen fünf Jahren in Hamborn absolvierte er 103 Regionalligaspiele für die „Löwen“. Nun will der talentierte 23-Jährige sein Können in der Bundesliga unter Beweis stellen. Wir sitzen zwar etwas entfernt vom Spielfeld, aber seine Vorfreude auf das Spiel ist bis hier oben auf die Pressetribüne zu spüren.

15:07 Uhr Das Feld füllt sich. Die Spieler beider Mannschaften laufen sich warm. Und wer genau hinsieht: Die Aachener Offensive ist schon jetzt sehr treffsicher. Vor allem Heinz-Gerd Klostermann versenkt einen Ball nach dem anderen. Hoffentlich lässt er sich noch ein paar Tore für das Spiel übrig!

15:12 Uhr In der Rückrunde der Vorsaison konnte die Alemannia die Nürnberger übrigens mit 2:0 schlagen. Vor 29.000 Zuschauern auf dem Tivoli erzielten Krott und Hoffmann die Tore für die Schwarz-Gelben. Nach dem Spiel sagte der Trainer der Clubberer Max Merkel: „Die Aachener haben ganz gut gespielt, aber Fußballprofessoren sind sie trotzdem nicht.“ Schauen wir mal, was er nach dem heutigen Spiel sagen wird.

15:20 Uhr Ladies and Gentlemen, schnallen Sie sich an! In zehn Minuten startet die Bundesliga in die Saison 1968/1969. Alemannia Aachen spielt zum Auftakt in Nürnberg beim amtierenden Meister. 20.000 Zuschauer werden die Spieler bei ihrem Einmarsch ins „Städtische Stadion“ empfangen. Wir können nichts versprechen, aber wir hier oben auf der Pressetribüne haben ein gutes Gefühl. Eine Überraschung liegt in der Luft.

15:25 Uhr Kurzer Blick auf die Statistik: Bisher trafen die Aachener und die Nürnberg sechsmal aufeinander. Mit drei Siegen haben die Clubberer die Nase leicht vorne, die Alemannia konnte zwei Begegnungen für sich entscheiden, ein Aufeinandertreffen endete unentschieden. In den Spielen um die Deutsche Meisterschaft 1937/1938 gab es in Gruppe D gleich zwei Siege für Nürnberg. Im DFB-Pokal-Achtelfinale 1952/1953 stand es im ersten Vergleich nach Verlängerung 3:3. Im Wiederholungsspiel setzten sich die Schwarz-Gelben mit 2:0 durch. In der vergangenen Saison gab es jeweils Heimsiege: Das Spiel in Nürnberg endete 4:1 für die Truppe von Max Merkel, das Rückspiel auf dem Tivoli entschieden die Jungs von Michel Pfeiffer mit 2:0 für sich.

15:29 Uhr In wenigen Sekunden geht es los, was bleibt uns jetzt noch zu sagen außer „Geht's raus und spielt's Fußball.“ (Vielleicht wird diesen klugen Satz ja irgendwann einmal jemand in der Geschichte aufgreifen und berühmt machen.)

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Anpfiff der ersten Halbzeit auf dem Tivoli!

15:30 Uhr Schiedsrichter Jan Redelfs pfeift die Auftaktpartie der neuen Saison pünktlich an. Der amtierende und neunfache Meister 1. FC Nürnberg empfängt Alemannia Aachen. Die Kaiserstädter starten in ihr zweites Bundesligajahr.

15:33 Uhr Die Partie hat gerade erst angefangen und die Nürnberger sind schon voll da. Hans Küppers schießt aus fünf Metern auf das Tor. Doch Alemannias neuer Torwart Werner Scholz kann mit einer tollen Fußabwehr zur Ecke klären.

15:35 Uhr Schon wieder Küppers. Der Stürmer der Clubberer köpft den Ball nach einer Flanke von Zvezdan Cebinac knapp über das Tor.

15:37 Uhr Aachens Keeper Scholz steht unter Dauerbeschuss. Mit einer Glanzparade kann er einen Schrägschuss von Erich Beer entschärfen. So hatte sich die Alemannia den Auftakt in die Saison sicher nicht vorgestellt.

15:41 Uhr AUFWACHEN ALEMANNIA! Die Aachener kommen kaum aus der eigenen Häfte raus, die Offensive der Schwarz-Gelben findet bisher gar nicht statt. Ganz im Gegensatz zu der des 1. FC Nürnberg. Ein hoher Bogenschuss von Heinz Müller senkt sich nur wenige Zentimeter hinter Aachens Tor.

15:44 Uhr Jetzt kommt endlich auch mal die Alemannia gefährlich vor das gegnerische Tor. Herbert Gronen flankt von links, Aachens Neuzugang Roger Claessen ist da. Der Kopfball des Belgiers geht aber knapp am Tor vorbei.

21. Spielminute: Toooooooooor für die Alemannia!

15:51 Uhr Erwin Hermandung hat sich gerade einen zweiten Vornamen erschossen: Strahl! WAS. FÜR. EIN. TOR! Der Aachener zieht aus 35 Metern einfach mal ab, der Ball zischt wie mit dem Lineal gezogen am falsch stehenden Nürnberger Torwart Roland Wabra vorbei ins Tor! Die Schwarz-Gelben stellen den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf und führen auswärts beim Deutschen Meister.

15:52 Uhr Unglaublich was ein einziges Tor alles bewirken kann. Die Hausherren wirken völlig verdutzt, bei der Alemannia ist das plötzliche Selbstvertrauen förmlich zu spüren. Die Brust der Schwarz-Gelben wird von Sekunde zu Sekunde breiter.

23. Spielminute: Toooooooooor für die Alemannia!

15:53 Uhr Unglaublich was sich hier abspielt. Die Alemannia ist jetzt eiskalt und schlägt schon wieder zu. Die Schwarz-Gelben nutzen die Verwirrung der Nürnberger nach dem ersten Gegentreffer und legen direkt nach. Heinz-Gerd Klostermann überrennt die Nürnberger Popp, Wenauer und Wabra und erzielt mit einem Linksschuss das 2:0 für die Alemannia. Der Jubel von Torschütze Klostermann, Hoffmann, Walter, Claessen und Gronen (v. l.) fällt entsprechend aus.

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Foto: Herbert Arnolds

15:59 Uhr Der Fußball ist ein verrückter Sport. Die Alemannia führt im ersten Spiel der Saison beim Meister aus Nürnberg aktuell mit 2:0. Bis zum ersten Tor von Hermandung lief das Spiel aber nur in eine Richtung: in das des Aachener Keepers Scholz. Doch dann kamen die 21. und 23. Spielminute. Die Tore taten nicht nur dem Spiel gut, sie tun vor allem den Kaiserstädtern gut, die jetzt mindestens auf Augenhöhe mit dem Deutschen Meister agieren.

16:06 Uhr Die Nürnberger Mannschaft will den Anschlusstreffer, aber Alemannias Scholz hat was dagegen. Wahnsinnsparade von Aachens Schlussmann. Nürnbergs Beer schießt aus vier Metern, aber Scholz kann den Ball noch um den Pfosten lenken. Was für ein Höllenhund, dieser Scholz!

16:09 Uhr Aachens Claessen hat es heute nicht einfach. Sein Gegenspieler Ludwig Müller ist der Inbegriff für Härte bis zum Äußersten. Aber Alemannias belgischer Stürmer macht das bisher clever. Und wenn es vorne nicht klappen will, wird hinten mit ausgeholfen. Das sind bisher ganz starke 39 Minuten vom 300.000-D-Mark-Mann.

16:12 Uhr Jetzt ist die Alemannia wieder mit einer Offensivaktion dran: Eben angesprochener Roger Claessen ist auf dem rechten Flügel völlig blank, sein Bombenschuss aus spitzem Winkel trifft aber nur das Außennetz. Glück für die Clubberer. Ein 0:3 würden sie nicht mehr drehen können.

16:14 Uhr „Schieber! Schieber! Schieber!“ hallt es von den Rängen. Die Nürnberger Fans wollen ein Handspiel von Aachens Hoffmann im Strafraum der Gäste gesehen haben und fordern Elfmeter. Schiedsrichter Jan Redelfs kommt diesem Wunsch aber nicht nach und lässt weiterspielen - wir haben nichts dagegen.

45. Spielminute: Halbzeit im „Städtischen Stadion“ Nürnberg

16:15 Uhr Halbzeit in Nürnberg, die Alemannia führt zur Pause durch Treffer von Hermandung in der 21. Minute und Klostermann in der 23. Minute mit 2:0 beim Deutschen Meister. Den Nürnbergern gehörte klar die Anfangsphase, aber Aachens überragender Schlussmann Scholz hielt seinen Kasten bisher sauber. Und die Offensive der Schwarz-Gelben stellt die Mannen von Max Merkel immer wieder vor Probleme. Hier könnte heute eine Sensation geschehen!

16:18 Uhr Ob das Gebrüll und das Scheppern aus der Kabine der Nürnberger kommt, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Der Trainer der Clubberer Max Merkel sah beim Gang in die Katakomben auf jeden Fall nicht glücklich aus. Kein Wunder beim bisherigen Spielverlauf und Halbzeitstand.

16:26 Uhr In wenigen Minuten geht es hier im „Städischen Stadion“ Nürnberg in der Nähe des Dutzendteichs weiter. Die Aachener werden versuchen, hinten dichter zu stehen und den einen Konter zum 3:0 zu setzen, der den Nürnbergern den Todesstoß versetzen würde. Die Clubberer werden sicherlich schnellstmöglich versuchen, den Anschlusstreffer zu erzielen. Eine Auftaktpleite war in den Planungen für diese Saison beim Deutschen Meister sicherlich nicht vorgesehen.

46. Spielminute: Anpfiff der zweiten Halbzeit im „Städtischen Stadion“ Nürnberg