Niederlage gegen Wuppertal: Alemannia-Helden sehen „wahnsinnig dreckigen” Gästesieg

Niederlage gegen Wuppertal : Alemannia-Helden sehen „wahnsinnig dreckigen” Gästesieg

Alemannia Aachen hatte ein paar Helden der 70er und 80er Jahren eingeladen, und Montanes, Buschlinger, Kau & Co. bekamen bei ihrem Klassentreffen einiges geboten. Die Altstars erlebten eines der turbulentesten Spiele der letzten Jahre, das die aktuelle Alemannia zu allem Überfluss gegen den Wuppertaler SV mit 0:1 verlor.

Die Partie dauerte mehr als 105 Minuten, geboten wurden zwei Torwartwechsel, ein Platzverweis, ein drohender Spielabbruch. Nur ein Fußballspiel kam nicht dabei heraus. Die Gäste reizten die hässlichen Dinge der Sportart aus. An der Seitenlinie wurde ständig provoziert, permanent wälzten sich Wuppertals Spieler verzweifelt auf dem morastigen Boden, um dann fast immer in den Genuss einer Blitzheilung zu kommen.

Die früh dezimierten Gäste versuchten mit allen legalen und manchmal auch illegalen Mitteln den Spielfluss zu verhindern. Selbst WSV-Coach Adrian Alipour sprach später von einem „wahnsinnig dreckigen Sieg”. Sein Kollege Fuat Kilic hatte die Nase gestrichen voll. „Trainer müssen auch für Werte stehen. Das heute hatte nichts mit Fair Play zu tun. Das Auftreten der Wuppertaler war einfach beschämend.”

Alemannia scheitert gegen Wuppertal trotz Überzahl

So emotional endete der 50. Westschlager, der zunächst nur langsam auf Touren kam. Eine Viertelstunde lang bekamen die Ex-Alemannen und 5200 Zuschauer wenig zu sehen. Dann startete Stipe Batarilo durch und wurde ziemlich unsanft von Peter Schmetz vor der Strafraumgrenze gestoppt. Schiedsrichter Jörn Schäfer verhängte zunächst die Gelbe Karte, doch nach kurzer Rücksprache mit seinem Assistenten änderte er die Farbe: Platzverweis wegen Notbremse (16.). Den folgenden Freistoß schob Batarilo neben das Tor.

Wuppertal reagierte gereizt, etliche Nickligkeiten folgten. Die Gäste vertrauten ihrer Qualität bei ruhenden Bällen, die der Ex-Aachener Meik Kühnel präzise in die rote Zone zirkelte. Einmal köpfte Gino Windmüller einen Eckball übers Tor (24.), die nächste Vorlage verwertete dann Torben Uphoff zum 0:1 (27.), der zugeteilte Vincent Boesen hatte ihn aus den Augen verloren.

Für Aachens Torwart Daniel Zeaiter war das der erste Ligagegentreffer in diesem Jahr - und gleichzeitig seine letzte Aktion. Mit Verdacht auf Muskelfaserriss musste er aufgeben, Niklas Jakusch kehrte gefeiert zurück ins Tor, das er aufgrund seiner Erkrankung ein paar Monate nicht hüten konnte. Das wäre an einem normalen Tag die Geschichte des Tages gewesen, aber es war kein normaler Spieltag, der 29-Jährige musste nicht einen Ball abwehren...

Aachens schlug wenig Kapital aus seiner personellen Überlegenheit, die Bälle wurden zu lange gehalten, das Spiel in die Spitze klemmte. Erst in den letzten Minuten vor dem Wechsel wurde das Team zielstrebiger. Vincent Boesen köpfte eine Müller-Flanke an die Latte (38.). Die folgende, erste Ecke zimmerte Batarilo knapp übers Tor.

Der zweite Durchgang begann, und die Gäste schoben endgültig alle Planwagen vor dem Strafraum. „Manchmal muss man etwas eklig sein”, urteilte Ex-Alemanne Meik Kühnel. Es entwickelte sich die einseitigste Halbzeit seit der Tivoli-Eröffnung. Chancen gab es überreichlich, mal traf Robin Garnier den Ball am Fünfmeterraum nicht richtig (65.), dann wurden Imbongo und wieder Garnier abgeblockt, Batarilo verpasste aus sechs Metern den Ausgleich (73.).

Die nervigen Gäste versuchten permanent Zeit von der Uhr zu nehmen. Jörn Schäfer war kein schlechter Spielleiter, aber er war ein Schiedsrichter ohne große Autorität auf dem Spielfeld, wo sich im Minutentakt die Spieler krümmten. Nach 82 Minuten drohte der Spielabbruch, als Gegenstände auf das Spielfeld flogen. Die Partie stand unter Verbandsaufsicht, wird ein Nachspiel vor dem Sportgericht haben.

Als die Zwangspause vorbei war, hatte Garnier die nächste Gelegenheit, sein Kopfball aus drei Metern flog am Ziel vorbei. Auch Wuppertal hatte da schon seinen verletzten Torwart ausgetauscht. In der achtminütigen Nachspielzeit reduzierte sich die Zahl der Wuppertaler Verteidiger weiter, Viktor Maier schied mit Verdacht auf Kreuzbandriss aus, Wechsel waren nicht mehr möglich. Aachen bekam weitere Chancen, Mahmut Temür scheiterte mehrfach.

„Ein 4:1, 5:1 oder 6:1 wäre möglich gewesen. Aber wie so oft, waren wir nicht effektiv, deswegen sind wir noch kein Spitzenteam”, fasste sich Fuat Kilic an die eigene Nase. Seine Mannschaft kassierte die erste Niederlage in diesem Jahr, eine ziemlich schmerzhafte dazu. Es füllte sich ungerecht an, fand nicht nur Vincent Boesen: „Es gehört sich einfach nicht, so aufzutreten.” Die Punkte gingen trotzdem nach Wuppertal.

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