Aachen: Alemannia: Harte Zeiten für eine sensible Seele

Aachen: Alemannia: Harte Zeiten für eine sensible Seele

Am Dienstag hatte Freddy Borg noch mal richtig Spaß. Dieses unglaubliche 4:4 der schwedischen Nationalmannschaft bei den Deutschen taugte gut als Stimmungs-Aufheller, natürlich war auch Borg niemals davon ausgegangen, dass seine Landsleute ein 0:4 wettmachen.

Vielleicht dient der Abend vor dem Fernseher auch dem eigenen Ansporn - niemals aufzugeben und einen Rückstand aufzuholen. Seit dieser Saison steht Borg bei Alemannia Aachen unter Vertrag, es ginge einigermaßen an der Realität vorbei zu behaupten: Diese Liaison ist eine glückliche. „Ich bin mit großen Erwartungen an mich selber gekommen”, sagt der 28-Jährige und weiß: „Ich habe bislang nicht so gut gespielt.”

Borg war fest einbezogen in die Idee einer routinierten Achse mit Michael Melka, Seyi Olajengbesi, Thomas Stehle, Albert Streit, Aimen Demai und Sascha Rösler, der Mittelstürmer sollte das offensive Endstück sein. Die Bilanz nach 13 Spieltagen: neun Einsätze, davon fünf als „Joker”, nur 488 von 1170 möglichen Minuten auf dem Feld.

Bester Moment: das Kopfballtor zum 2:1-Sieg Anfang August in Saarbrücken. Den Stammplatz im Angriffszentrum besetzt der aus der U 23 aufgestiegene Denis Pozder, und daran wird Trainer René van Eck auch nichts ändern, wenn Alemannia am Samstag (14 Uhr) bei Hansa Rostock aufläuft, Borgs ehemaligem Klub.

Eine Geschichte über Freddy Borg lässt sich leicht erzählen. Geboren in Trelleborg, Sohn des ehemaligen Profis Mats Lindgren, als 18-Jähriger schon bei Malmö FF. Sieben Jahre - zwei davon in der 1. Liga - spielte er für Östers Växjö. In seiner besten Saison kam Borg auf acht Treffer, ein ausgewiesener Torjäger war er nie. Im Januar setzte er seinen Wunsch, ins Ausland zu wechseln, um.

Doch das große Los war Rostock nicht. Trainer Wolfgang Wolf zählte den Schweden an („hält sich nicht an taktische Vorgaben”, „Schwächen in Kopfballspiel und Ballannahme”), am Ende stand trotz fünf Toren in 14 Spielen der Abstieg. „Es gab eine Reihe Angebote”, der MSV Duisburg war darunter, doch Borg entschied sich für Alemannia. „Hier hatte ich bei meinem ersten Besuch einen guten Eindruck.”

Eine Geschichte mit Freddy Borg ist etwas schwieriger. Das liegt weniger an Sprachproblemen, der Mann versteht fast alles und bildet sich im Deutsch-Unterricht fort. Er habe immer wieder Sorgen mit dem Knie rechts (schon in der Vorbereitung) und dem Fuß links, spritzen lassen will er sich nicht mehr gegen die Schmerzen, „das hat nicht funktioniert” - so viel teilt Borg noch mit, „aber das soll keine Entschuldigung sein” für unerfüllte Erwartungen.

Doch so beeindruckend der Stürmer mit seiner Statur daherkommt, so sensibel ist er in seinem Inneren, wie auch René van Eck festgestellt hat. „Freddy ist sehr verschlossen. Du musst ihn ansprechen, sonst erzählt er nichts. Es ist schwierig, an ihn ranzukommen.” Schaf im Wolfspelz.

Alleine in Aachen - allein gelassen im Mannschaftskreis fühlt sich Borg indes nicht. Timmy Thiele und Sascha Herröder unternehmen viel mit dem Kollegen. Heute wird er zunächst wieder mal nur zuschauen, vielleicht eingewechselt. „Natürlich möchte ich ein Tor schießen” gegen den alten Klub. Muss ja nicht nach einem Rückstand sein.

Voraussichtliche Aufstellung: Melka - Weber, Olajengbesi, Stehle, Baumgärtel - Schwertfeger, Thiele, Brauer - Heller, Pozder, Kefkir

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Punktspielbilanz gegen Rostock: 8 Spiele - 2 Siege, 3 Remis, 3 Niederlagen (7:9 Tore)

Das Spiel im Internet: NDR-Livestream ab 13.55 Uhr unter http://www.ndr.de/sport/fussball/dritteliga/hansa3679.html

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