Aachen: Alemannia hält die Spannung unnötig hoch

Aachen : Alemannia hält die Spannung unnötig hoch

Im Krimi soll die Spannung zum Ende hin steigen, im Fußball eher weniger: Die Alemannia machte es am Mittwochabend unnötig spannend, hätte den Sack schon in den ersten 45 Minuten zumachen müssen.

So zitterten die 5400 Zuschauer auf dem Tivoli zum Schluss nicht nur vor Kälte, als der TuS Erndtebrück dank der Gastgeber noch mal ins Spiel fand und erst Peter Hackenberg (86.) mit dem 2:0 die Fans die Spannung verpuffen ließ.

„Das war ja fast klassisch, dass man noch Probleme bekommt, wenn man die vielen Gelegenheiten nicht nutzt“, so Hackenberg. „Vor allem in der ersten Hälfte muss man das seriös zu Ende spielen, dann hat man keine Sorgen mehr.“ Aachens Coach Fuat Kilic hatte David Pütz, Manuel Konate-Lüken und Tobias Lippold gegenüber dem 2:2 in Wuppertal in die Startelf berufen, Meik Kühnel und Ilias Azaouaghi saßen auf der Bank, Maurice Pluntke fehlte nach der zehnten Gelben Karte.

„Leblos, langsam, lethargisch“ — so hatte Kilic den Auftritt seiner Jungs gegen den Tabellenvorletzten im Hinspiel kritisiert, das 0:2 verloren wurde. Die Kritik schien noch in den Ohren seiner Mannschaft zu klingen, denn die präsentierte sich munter. Motor im linken Mittelfeld war Kapitän Nils Winter, über den die meisten kreativen Angriffe in Hälfte eins liefen.

Minute neun — und TuS-Keeper Niklas Jakusch musste per Faust bei einem Schuss des aufgerückten Peter Hackenberg dazwischengehen und erneut gegen Kai Bösing fausten. Winter agierte schnell über links mit dem Auge für seinen Mitspieler, doch Joy-Slayd Mickels (12.) rutschte in den Ball und schob ihn knapp am linken Pfosten vorbei. Nachdem Bösing erneut an Jakusch gescheitert war, vollendete Winter (13.) zur Führung persönlich.

Aachen machte das Spiel, hatte eins deutliches Plus an Ballbesitz, Erndtebrück versuchte durch einige weite Bälle für Entlastung zu sorgen. Nur einmal musste Aachens Keeper Mark Depta zufassen gegen Jan-Patrick Kadiata (32.). Auf der Gegenseite hatte Jakusch deutlich mehr Arbeit gegen Mergim Fejzullahu (15.) oder Mickels (29.). Und immer wieder stellte sich Winter in den Fokus: Nach einer Ecke eroberte er den Ball, schob er ihn parallel zum Tor, doch Mickels (29.) kam einen halben Schritt zu spät, dann steckte er für Bösing (32.) durch — und versuchte es einfach mal selbst (43.), doch der Ball strich übers Gehäuse.

Nach der Pause schnürten die Gastgeber den Gast, der nun stabiler stand, in der eigenen Hälfte ein — Depta fror auf der anderen Seite einsam und arbeitslos vor sich hin. Dass Jakusch nicht zu warm wurde, lag an der mangelnden Konsequenz der Aachener: Freistehend verzog Fejzullahu aus elf Metern den Ball übers Tor — spätestens das hätte das 2:0 sein müssen.

Aachen verpasste es, das Spiel zu entscheiden, ließ Erndtebrück wieder ins Spiel kommen. Zwingendes sprang nicht heraus: Einen Schuss von Daniel Svab wehrte Depta (75.) noch mit der Faust ab, zu Aachens Glück konnte niemand abstauben. Und auf einmal geriet Aachen unter Druck, verlor den Zugriff und ein wenig die Ordnung im Zentrum.

Die schlechte Chancenverwertung hätte sich fast gerächt: Depta faustete einen Ball von Yuki Nishiya gegen den Innenpfosten. Auch Standards waren an diesem Abend nicht die Freunde der Gastgeber: 10:1 Ecken — und nichts sprang heraus. Bis der erst eine Minute zuvor eingewechselte Kühnel Ecke Nummer elf auf Hackenberg zwirbelte, der den Ball über die Linie drückte — 2:0 (86.). „Bei mir ist jetzt richtig der Knoten geplatzt“, freute sich Winter breit grinsend und vergaß auch seinen Keeper nicht: „Mark hält uns im Spiel, wird immer besser.“

Übrigens: Das Halbfinale des FVM-Pokals beschert Aachen eine weitere Englische Woche: Am Mittwoch, 25. April, 19.30 Uhr, gastiert man beim Mittelrheinligisten TSC Euskichen.