Aachen: Alemannia gegen Bochum: Viertligist besiegt Zweitligist

Aachen : Alemannia gegen Bochum: Viertligist besiegt Zweitligist

Zuschauerkritik geht in einem gut gefüllten Stadion meist im allgemeinen Gemurmel unter. Wenn die Tribünen aber so karg besetzt sind, wie an diesen Nachmittag am Tivoli, kann man die Fanschelte schon deutlicher verstehen.

Nach ziemlich genau 40 Minuten platzte dem jungen Bochum-Anhänger jedenfalls laut vernehmbar die Hutschnur. Eine lange Minute lang verschaffte er sich Luft, Tenor der Klage: „Es kann nicht sein, dass ihr euch von einem Viertligisten so vorführen lasst.“

Die Schelte war etwas zugespitzt, aber im Kern schon nachvollziehbar. Einen Zweiklassenunterschied registrierten auch die übrigen 1149 Zuschauer nicht. Am Ende besiegte Alemannia Aachen den VfL Bochum mit 1:0. „So ein Sieg gegen einen Zweitligisten ist wichtig für die Psyche“, war Aachens Trainer Fuat Kilic durchaus zufrieden.

Seine Mannschaft überstand gut organisiert die wenigen Druckphasen der Gäste. Lehrgangsziel in der Vorbereitung ist vor allem, die neuformierte Abwehr einzuspielen. „Man hat schon erkennen können, dass Peter Hackenberg der Mannschaft mit seiner Präsenz Halt verleihen kann“, lobte Kilic den Neuzugang. Der freute sich durchaus über sein Tivoli-Comeback nach zwei Jahren, „auch wenn man den Sieg nicht überbewerten braucht“.

In den ersten Minuten der Partie gab es zwei Kopfaufgaben. Dimitrios Diamantakos köpfte freistehend den ersten Bochumer Eckball knapp neben das Aachener Tor, das diesmal Mark Depta hütete (4.). Im Gegenzug setzte sich Alemannias Kapitän Nils Winter erstmals auf der rechten Seite in Szene, seine präzise Flanke köpfte Ilias Azaouaghi über das Tor (5.). Beide Teams auf schnellen Ballgewinn aus, und weil das Vorhaben häufig glückte, hatten sie häufig Raum für ihre Ideen.

Die Aachener wirkten dabei zielstrebiger, sie initiierten ihre Angriffe regelmäßig über den abenteuerlustigen Winter. Er bereitete auch die beste Gelegenheit vor. Nach seinem Rückpass traf Tobias Lippold aus 16 Metern nur präzise den Pfosten (36.). Die Gäste hatten nur noch eine Chance. Mark Depta lenkte einen Fernschuss von Robert Tesche sehenswert am Tor vorbei (39.).

Die restlichen Minuten im ersten Durchgang gehörten zumindest akustisch dem genervten Bochumer Fan. Im zweiten Durchgang kam der Zweitligist besser ins Spiel auf dem morastigen Untergrund. Bochums Trainer Jens Rasiejewski wechselte im Laufe der zweiten Halbzeit bis auf den Fahrer alle ein, die bei der Anreise im Mannschaftsbus gesessen waren.

Sein Team bekam mehr Ballbesitz, ohne dabei zu überzeugen, wenige Tage vor dem Rückrundenstart. Aachens eingewechselter Torwart Akif Sahin klärte zweimal gekonnt nach einem Freistoß gegen Sidney Sam (52.) und per Fußabwehr gegen Ulrich Bapoh (28.). Mit viel läuferischen Elan wehrten sich die Aachener.

Glück brauchten sie nur noch einmal, als ein Fernschuss von Lukas Hinterseer die Latte touchierte (71.). Für die einzige Pointe sorgte ein Bochumer und bekennender VfL-Fan. Alexander Heinze köpfte alleingelassen das 1:0 nach einem Eckball (81.). „Das sah spielerisch doch stellenweise schon ganz gut aus“, ging Aachens Verteidiger zufrieden in den Feierabend.