Aachen: Alemannia: Fejzullahu und die wichtigste Saison seiner Karriere

Aachen : Alemannia: Fejzullahu und die wichtigste Saison seiner Karriere

In dieser Woche hat sich Ingo Froböse ein bisschen Luft verschafft: „Ich würde Tätowierungen verbieten. Bei den Klubs wird jede Kleinigkeiten ernst genommen, da geht dieses Verhalten gar nicht.“ Der Professor von der Sporthochschule Köln hat keine ästhetischen Probleme mit dem Körperschmuck, ihn stören eher die Folgen solcher „Stichproben“.

Etwa 70 Prozent der Tinte würden in die Blutbahn gelangen und damit der körperlichen Regeneration schaden. „Die Haut ist das größte Organ, das wir haben. Und wir vergiften es“, wundert sich der Wissenschaftler. Die Folgen laut Froböse: drei bis fünf Leistungseinbußen.

Tattoos in allen Formen und Farben sind längst in jeder Fußballerkabine so häufig anzutreffen wie im städtischen Freibad. Mergim Fejzullahu tickt da anders. Alemannias Angreifer kennt die Studie des Professors aus Köln nicht, seinen Körper mag er ohnehin nicht verzieren: „Das ist nicht so mein Ding, ich sehe Tätowierungen lieber bei anderen.“

Der Albaner macht gerade anders auf sich aufmerksam: mit Treffern. An jedem der ersten vier Spieltage ist er auf der Anzeigentafel aufgetaucht, ein paar Assists sind noch dazugekommen. Der trickreiche Stürmer führt die Torjägerliste der Regionalliga West aktuell mit Kölns Mike Wunderlich an. Fejzullahu ist ein amtlich geprüfter Frühstarter. In der vergangenen Saison erzielte er die ersten drei Treffer seiner damals noch neuen Mannschaft, in dieser Spielzeit hat er die Hälfte aller Tore erzielt.

Der gelungene Stapellauf in die Saison kommt fast ein bisschen überraschend, denn der 23-Jährige fehlte wochenlang in der Vorbereitung mit einer Knieverletzung. „Ich musste einen ziemlichen Rückstand aufholen“, sagt Fejzullahu. „Zufall“ sei seine gute Frühform deswegen nicht. „Es ist das Resultat von Arbeit.“ Am Samstag spielt Fejzullahu mit den Kollegen beim SC Wiedenbrück vor. „Eine Mannschaft, die genau so energisch zu Werke geht wie der SC Verl“, gibt Trainer Kilic eine Warnung mit auf die lange Anreise.

Vielleicht ist gerade die wichtigste Saison in der Karriere von Mergim Fejzullahu angelaufen. 34 Spieltage hat er Zeit, die Weichen in Richtung höhere Ligen zu stellen. Immer noch steht er an der Schwelle vom Großtalent zum zuverlässigen Leistungsträger einer Mannschaft. Als Torjäger ist er schnell wieder aktenkundig geworden, aber der aktuelle Fejzullahu fällt auch auf, weil er seinem Gegenspieler hinterherhechelt und ihm weit in der eigenen Hälfte mit einem sehenswerten Tackling den Ball abluchst.

Für Vollblutstürmer sind das ungewohnte Übungen. „Er muss lernen, dass ein Stürmer nicht nur nach Treffern und Vorlagen beurteilt wird“, sagt sein Trainer. Spieler werden auch nach dem Einsatz für die Gruppe bewertet. In der Mannschaft hat der ruhige Stürmer schnell einen hohen Stellenwert erreicht. Sie wählte ihn zum stellvertretenden Kapitän. „Das bedeutet auch mehr Verantwortung“, sagt Kilic.

Kilic sagt, er habe „viel Energie“ für den jungen Mann in der letzten Saison aufgebracht. „Ich sehe ein wahnsinniges Potenzial bei ihm. Mit seinem Talent kann er richtig Geld verdienen.“

„Konstanz hat gefehlt“

Folgt man der Expertise des Fußballlehrers, ist der leichtfüßige Angreifer befähigt, sich auch oberhalb der dritten Liga durchzusetzen. Der Trainer kann richtig schwärmen über das Juwel, er kann sich aber auch mächtig ärgern über das brachliegende Potential. „Mir hat komplett die Konstanz gefehlt in den Spielen und im Training“, sagt er. Das war durchaus der Stoff, aus dem Konflikte entstehen.

Kilic hat seinen Angreifer auch schon mal drei Spiele lang nicht berücksichtigt. Ein Denkzettel. „Er hat recht gehabt“, sagt Fejzullahu inzwischen. An guten Tagen kann er Haken schlagen, dass selbst die Hasen eifersüchtig werden. An weniger guten Tagen hat sein Spiel selbst ein paar Haken zu viel, wenn ihm die Konzentration abgeht.

Fejzullahu hat sich viele Gedanken gemacht, reifer sei er geworden, sagen seine Mitspieler. Sein Spiel hat eine andere Ausstrahlung bekommen. Im Sommer ist er von Düsseldorf nach Würselen gezogen, spart sich so manche Autobahnstunde. Ein paar Prozent, vielleicht drei bis fünf, mehr Leistung herauskitzeln, ist die Idee. Die Dinge entwickeln sich gerade in die richtige Richtung.

Eine Torquote hat er sich nicht gesetzt. Sein Ziel ist ganzheitlicher: „Eine Saison auf einem konstant gutem Niveau spielen.“ In der aktuellen Form ist Fejzullahu schwer zu halten: für den Gegenspieler, aber auch für den Verein. „Wenn er weiterhin so zielstrebig und klar unterwegs ist, werden andere Vereine anklopfen“, vermutet Kilic.

Mögliche Aufstellung: Depta - Winter, Heinze, Fiedler, Mohr - Pluntke - Kühnel, Fejzullahu, Pütz, - Torunarigha, Hammel

Schiedsrichter: Lukas Sauer (Bergkamen)

Bilanz: 8 Spiele / 6 Siege / 1 Remis / 1 Niederlage / 17:5 Tore

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