Alemannia: Erleichterung nach dem ersten Heimsieg.

Alemannias Stürmer auf Torsuche : David Bors und der Knoten, der noch platzen muss

Ostern ist ein paar Monate her, am Tivoli ist das Datum noch gut in Erinnerung geblieben, denn an einem Donnerstag vor Ostern gelang der Alemannia der letzte Heimsieg. Die lange Serie wurde am Dienstagabend endlich und gleich eindrucksvoll beendet. 6300 Zuschauer waren Zeuge einer einseitigen Partie.

Das 3:0 gegen den TuS Haltern am See verleiht erst einmal die Sicherheit, die zuletzt abhanden gekommen war. „Wir haben uns komplett vom Tabellenstand und vom Stotterstart befreien können“, war Trainer Fuat Kilic nach dem überzeugendsten Vortrag seit langem durchaus zufrieden.

Ein bisschen Tribut forderte der Wettkampf. André Wallenborn zwacken die Adduktoren, der aufgeladene Stipe Batarilo zog sich kurz vor Toresschluss eine starke Prellung am Schienenbein zu.

Für die Gäste vom See war es die erste Niederlage in der Fremde nach langen zehn Monaten. „Wir haben uns teilweise von der Atmosphäre beeindrucken lassen“, fasste Trainer Magnus Niemöller den Ausflug ins Rheinland zusammen. Der Aufsteiger nahm die erste Saisonniederlage ziemlich gelassen entgegen, ohnehin hatte Niemöller die Partie als "eines von ganz vielen Champions-League-Spielen für uns“, eingestuft. An solche Herausforderungen muss sich das Team noch gewöhnen.

Das Ergebnis spiegelt die Kräfteverhältnisse nur unzureichend wider. „An unserem Abschluss müssen wir noch arbeiten, aber das bekommen wir hin“, sagt Kilic. Die Zuversicht hat einen konkreten Namen: David Bors. „Wenn bei ihm der Knoten endlich mal platzt, wird er richtig ballern“, orakelt Kilic. Platzende Knoten sind im Alltag eher selten zu beobachten. Ab und an gibt es mal einen gordischen Knoten, den Männer wie Alexander der Große nicht entwirren, sondern mit einem einzigen Schwerthieb lösen.

Auf ein solches Erlebnis hofft nicht nur Kilic bei seinem Torjäger ohne Torerfolg bislang. Bors rackerte unermüdlich, er bekam viele Möglichkeiten, doch häufig traf er die falsche Entscheidung. Wenn ein Pass die bessere Idee gewesen wäre, suchte er den Abschluss - und umgekehrt. „Er setzt sich selbst zu sehr unter Zugzwang“, beobachtet der Trainer vom Spielfeldrand.

Stürmer brauchen gerade in Zeiten anhaltender Baisse das Vertrauen des Trainer wie Bergwanderer festes Schuhwerk. Bors hat sich den Stammplatz vorerst von Gary Noel erkämpft. „Wenn er die Reihenfolge einhält und weiter so arbeitet, wird er belohnt“, sagt Kilic, der zudem noch mehr Trainingseifer einfordert. „Fängt er mal an zu treffen, wird er mehr Tore als in der letzten Saison erzielen“, lehnt sich der Trainer aus dem Fenster. Damals schoss er 14 Treffer für den Bonner SC und wurde in der Regionalliga West der zweitbeste Schütze.

Bors Sturmpartner hat den ersten Saisontreffer bereits verbucht. Florian Rüter lieferte die beste Partie seit Jahren ab - was auch mit seiner unendlichen Verletzungsmisere zusammenhängt. Der flotte Angreifer forderte mit Wonne die Gegenspieler zu Laufduellen heraus, tauchte regelmäßig in der roten Zone auf. „Er hat verstanden, wie er sein Tempo zielstrebig einsetzen kann“, lobte ihn sein Coach. „Er zeigt seine Gier.“

Das soll auch das Motto der Mannschaft für die Partie am Samstag gegen den nächsten Aufsteiger VfB Homberg sein.

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