Aachen: Alemannia eiskalt: 3:0 gegen Wiedenbrück

Aachen : Alemannia eiskalt: 3:0 gegen Wiedenbrück

In der Mixedzone bekam Mergim Fejzullahu noch einen letzten Arbeitsauftrag. Alemannias Angreifer sollte sich entscheiden, wer den schönsten Treffer beim 3:0 (1:0)-Sieg gegen den SC Wiedenbrück erzielt hatte. Obwohl Fejzullahu selbst mit einem Fallrückzieher spektakulär für die Führung gesorgt hatte, lachte der Stürmer nur und sagte ganz generös: „Das sollen Joy-Slayd und Meik unter sich ausmachen.“

Es war der Tag der Traumtore am Tivoli, neben Fejzullahu (36.) hatten auch Mickels (64.) und Kühnel (81.) sehenswert getroffen. Am häufigsten gelobt an diesem Samstagnachmittag wurde aber Mark Depta. Alemannias Schlussmann hatte mit mehreren starken Paraden dafür gesorgt, dass am Ende die Null stand. „Mark hat unserer Mannschaft die nötige Sicherheit gegeben. Er hat bewiesen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, ihm wieder das Vertrauen zu schenken“, freute sich Aachens Trainer Fuat Kilic, der den zweiten und letzten Teil seiner Sperre in einer Loge abgesessen hatte.

Beim Start in die Restsaison nahm der wiedergenesene Marcel Damaschek den Platz von Matti Fiedler (Rückenprobleme) in der defensiven Aachener Dreierkette ein, im Angriff erhielt Ilias Azaouaghi den Vorzug gegenüber Emre Yesilova. Ansonsten standen die Spieler in der Startformation, die im letzten Testspiel der Wintervorbereitung gegen Gladbach II (2:1) überzeugt hatten.

Beide Teams kamen mit Schwung aus der Winterpause. Azaouaghi touchierte den Ball nach einer Flanke von Zugang Severin Buchta zu leicht, um Wiedenbrücks Torhüter Marcel Hölscher vor Probleme zu stellen (3.). Keine zwei Minuten später konnten sich Rückkehrer Peter Hackenberg, der nach seinem Nasenbeinbruch mit Spezialmaske spielte, und Alemannias Aushilfskapitän Maurice Pluntke bei Keeper Mark Depta bedanken, der ein Missverständnis seiner Vorderleute im 1:1-Duell mit Aygün Yildirim ausbügelte (5.). Die neue Stammkraft zwischen den Pfosten hinterließ an diesem frostigen Nachmittag einen sehr coolen Eindruck.

Die Anfangseuphorie legte sich schnell. Die Aachener bekamen keinen richtigen Zugriff, Wiedenbrück hatte mehr vom Spiel. Erst blockte Hackenberg einen Schuss von Julian Wolff (13.), dann zwang SC-Angreifer Antonyos Celik Depta nach einem Schuss aus der Drehung zu einem starken Reflex (25.).

Die Führung der Alemannia war nach Lage der Dinge dann eher schmeichelhaft ­— und sie war unter tatkräftiger Mithilfe des Gäste-Keepers entstanden: Hölscher faustete nach einem Kühnel-Freistoß am Ball vorbei, Mergim Fejzullahu versenkte die Kugel technisch anspruchsvoll per Fallrückzieher im verwaisten Wiedenbrücker Tor (37.). Der Führungstreffer sorgte für eine Wiederbelebung des Aachener Angriffsspiels, am Spielstand änderte sich vor der Pause aber nichts mehr.

Das erste Warnsignal, dass sich die Gäste nicht kampflos geschlagen geben würden, sendete Celik, der einen Schuss aus 20 Metern knapp neben den Pfosten setzte (50.). Dass sich Depta die Beförderung in der Winterpause verdient hatte, bewies er in der 51. Minute erneut, als er einen Kopfball von Yildirim aus kürzester Distanz an die Latte lenkte.

Die Konzentration im Aachener Defensivverbund wurde wieder erhöht, schnelle Tempogegenstöße resultierten daraus. Was Gästetrainer Björn Mehnert dann in der 64. Minute sah, war „kein Sonntagsschuss. Das war ein Zeichen von Willenskraft.“ Mickels belohnte sich für seine engagierte Leistung, sein Schuss aus 25 Metern schlug im Winkel ein - 2:0. Es war die zweite Großchance und der zweite Treffer.

Der bisherige Tabellendritte aus Ostwestfalen war geschlagen, der eingewechselte Yesilova verpasste nach einem Konter die Entscheidung (78.). Für die sorgte Kühnel, per Direktabnahme aus rund 22 Metern, ein Treffer, dem die meisten der 4600 Zuschauer vermutlich ebenfalls das Prädikat „Traumtor“ verliehen hätten (81.). Viel besser - und vor allem viel schöner - hätte das erste Pflichtspiel im neuen Jahr nicht enden können.

„Ich bin extrem stolz auf die Jungs, dass sie trotz unserer angespannten Personalsituation so eine Leistung gezeigt haben“, erklärte Interimstrainer Simon Pesch, der seinen Chefposten nach dem Spiel wieder bereitwillig abtrat. „Wir haben den Willen gezeigt, durchs Feuer zu gehen.“

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