Alemannia - Ein Rück- und Ausblick

Bitteres 1:1 : Alemannia - ein Rück- und Ausblick

Robin Garnier trat noch ein paar Löcher in den Rasen, Aachens Verteidigerwusste nicht wohin mit seinem Zorn. Fast in letzter Sekunde war Alemannia der nächste Sieg aus den Händen gerissen worden, "das 1:1 schmeckt bitter", fasste Garnier zusammen.

Bitter war aus der Sicht der Gäste der Zeitpunkt des Ausgleiches, Verls Kapitän Matthias Haeder traf erst, als der Countdown schon lief. Dennoch fasste das Ergebnis durchaus angemessen den Wettkampf zusammen. "Diesmal hatten die anderen in der Schlussphase das Glück, das wir schon ein paar Mal hatten", analysierte Aachens guter Schlussmann Niklas Jakusch, nachdem er den abgefälschten Ball aus dem Netz geholt hatte.

Ein Blitzableiter für die Emotionen war schnell gefunden, Schiedsrichter Marco Goldmann hatte in der hektischen Schlussphase ein bisschen den Überblick verloren. Der Schiedsrichter kam aus dem etwa 40 Kilometer entfernten Warendorf, was nicht auf ein übertriebenes Maß an Fingerspitzengefühl bei der Ansetzung hindeutete.

Seine Spielführung war zuweilen rätselhaft, in einem Fall irrte er dann deutlich. Nach Rücksprache mit seinem Assistenten ahndete er ein Nachtreten von von Verls Jannik Schröder sehr milde mit der Gelben Karte. "Opfer" Kai Bösing bekam für sein heftiges Reklamieren das gleiche Strafmandat. Alemannias Co-Trainer Simon erhielt gar einen Platzverweis auf die Tribüne.

Der Schiedsrichter hatte nicht seinen besten Tag, sein Strafmaß passte nicht", wunderte sich Jakusch später und ärgerte sich, dass Verteidigerkollege Patrick Salata für jedes seiner Fouls eine Gelbe Karte bekommen hatte. "Ich hatte heute nicht den Eindruck, dass es eine faire Spielleitung war", ereiferte sich auch Trainer Fuat Kilic bei der Schlussbesprechung. Bevor er sich in Rage redete, erinnerte er sich noch daran, "dass ich mich besser zurückhalte". Im letzten Jahre hatte ihn der Verband für zwei Spiele von der Linie verbannt.

Die Irrungen und Wirrungen des Schiedsrichters wären vermutlich kein großes Thema geworden, wenn die Aachener das Spiel frühzeitig für sich entschieden hätten. Die ersten halbe Stunde nach dem Wechsel gingen deutlich an den Gast, der nun das Verler Aufbauspiel endlich störte, mit guten Stafetten sich ein paar hochwertige Gelegenheiten erspielte. Es reichte aber nur zum knappen Vorsprung durch Stipe Batarilo gegen die Remiskönige der Liga.

In Unterzahl spitzte sich die Lage dann zu - wie so häufig in den letzten Jahren. Spiele in Verl sind nie ein Schönheitswettbewerb. "Hier fährt keine gerne hin", sagt Peter Hackenberg, und es klang fast schon wie ein Kompliment.

Immerhin hatte die Serie von nunmehr zehn Spielen ohne Niederlage noch Bestand, als die Aachener die lange Rückfahrt antraten. Am Ende des Wochenendes steht nun eine schöne Abwechslung an, am Montag, 18.30 Uhr , gastiert Borussia Dortmund am Tivoli, mehr als 10.000 Zuschauer werden erwartet zum Schwarz-Gelben Gipfeltreffen.

"Wir wollen Spaß haben", sagt Kilic vor dem Spektakel. "Für die Spieler ist es interessant, sich mit solchen Profis zu messen." Wer "solche Profis" sind, ist allerdings noch offen. Ein Dutzend Dortmunder Länderspieler sind unterwegs, andere Leistungsträger wie Reus, Pulisic, Kagawa oder Wolf noch im Aufbautraining. Das lässt noch nicht auf einen gemütlichen Abend hindeuten, in der letzten Länderspielpause nahm der BVB den Drittligisten VfL Osnabrück 6:0 auseinander.

Aachens Trainer will im Laufe der Partie alle gesunden Spieler einsetzen. Wer zuletzt wenig am Ball war, bekommt längere Einsatzzeiten beim Spiel am Montagabend. Für Nostalgiker: Es geben sich der aktuelle und ein ehemaliger Tabellenführer der Bundesliga die Ehre. Am Wochenende war es zwölf Jahre her, dass Alemannia für ein paar Stunden das Ranking in der Eliteliga anführte...

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