Aachen: Alemannia: Die ersten zaghaften Blicke auf die Tabelle am Tivoli

Aachen : Alemannia: Die ersten zaghaften Blicke auf die Tabelle am Tivoli

In Alemannias Kabine hängt eine besondere Tabelle, eine Eigenkreation. Aufgeführt werden hier die direkten Vergleiche, Ziel der Spieler ist es, besser als in der Hinrunde abzuschneiden. Das Projekt ist gut angelaufen, bislang steht das Team sechs Punkte im Plus. Folgerichtig ist Alemannia auch in der offiziellen Tabelle inzwischen in einer Region angekommen, in der die Sonne scheint.

Am Tivoli haben sie das Fernglas aus der Hand gelegt, der Abstand zur Tabellenspitze ist überschaubar. Zudem schauen noch alle Spitzenteams beim Tabellenvierten vorbei, am kommenden Mittwoch zum Beispiel Viktoria Köln. Die Tabelle ist monatelang eher ein Tabu-Thema gewesen.

„Ich müsste aber lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht ab und zu einen Blick darauf werfen würde“, sagt inzwischen Mittelfeldspieler Meik Kühnel. Alemannias dienstältester Spieler hat durchaus die Hoffnung, noch weitere Plätze gutzumachen. „Aber es wird sehr schwierig, weil die führenden Teams sehr konstant auftreten“, sagt er vor dem Auswärtsspiel bei RW Oberhausen. Wenn Kühnel auf das Zahlenwerk schaut, sei er selbst überrascht, „was wir für eine starke Saison spielen“, grinst er.

Die restlichen Spieltage bieten durchaus Platz für ausreichend Fantasie, sagt auch Fuat Kilic. Aber Alemannias Trainer gefällt gerade die Verfolgerrolle. „Wir achten darauf, nicht zu verkrampfen.“ Die Ziele werden nicht neu formuliert, es soll ein Platz im oberen Tabellendrittel sein. Bislang hat sein Team nichts zu verlieren, die in finanzieller Not zusammengestellte Mannschaft überzeugt mit viel Leidenschaft und Ehrgeiz. „Hier ist etwas zusammengewachsen, die Jungens sind sehr lernwillig und profitieren davon“, sagt der Chef.

Meik Kühnel ist eines von vielen Beispielen, wie sich junge Spieler in den letzten Monaten positiv entwickelt haben. Aus der Teilzeitkraft der letzten Spielzeit ist ein dauerbeschäftigter Mitarbeiter geworden, der zuletzt sogar entdeckt hat, wie man Tore erzielt. „Als wir uns kennenlernten, hatte sein Spiel mit Männerfußball nichts zu tun“, erinnert Kilic sich an die erste gemeinsame Zeit. Zwei Jahre ist das her, inzwischen hält der Coach seinen Ziehsohn „trotz seines sehr jungen Alters für einen Führungsspieler, auf dem ich mich immer verlassen kann“. Der gebürtige Aachener tauchte zuletzt auf der rechten Außenbahn auf, in Vertretung seines Freundes Nils Winter.

Alemannia droht bei RWO die zweite „Zitterpartie“ innerhalb weniger Tage. Der Anstoß ist zwar auf 16 Uhr verschoben, damit der tiefgefrorene Platz noch ein bisschen länger auftauen kann. Auf der Baustelle wird die Atmosphäre auch am späten Nachmittag frostig sein. Kilic muss kurzfristig auch auf Marcel Damaschek verzichten, der sich gegen Wiedenbrück einen kleinen Muskelfaserriss zugezogen hat. Tobias Mohr fehlt bis auf weiteres, bei Junior Torunarigha und Kai Bösing zeichnet sich eine Rückkehr ins Teamtraining wieder ab. Kapitän Nils Winter taucht eventuell am Samstag wieder im Kader auf. Der Trainer wäre mit einem Remis zufrieden, sagt er vor der Partie. Und dass er nach der Partie nicht auf die Tabelle gucken werde . . .

Mögliche Aufstellung: Depta - Heinze, Hackenberg, Fiedler - Kühnel, Pütz, Pluntke, Buchta - Azaouaghi, J.-S. Mickels, Fejzullahu

Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen)

Bilanz: 83 Spiele/35 Siege/26 Remis/22 Niederlagen/117:110 Tore

Mehr von Aachener Nachrichten