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Martin Fröhlich hört auf: Alemannia braucht einen neuen Chef

Martin Fröhlich hört auf : Alemannia braucht einen neuen Chef

Martin Fröhlich wird im Frühjahr nicht wieder als Präsident antreten. Bis dahin will er verstärkt an einer Investorenlösung basteln. Es sei ihm „wichtig, frühzeitig für Klarheit zu sorgen.“

Alemannias nächste Hauptversammlung ist noch nicht terminiert, sie soll im späteren Frühjahr stattfinden. Die Tagesordnung sieht Neuwahlen auch für das Präsidium vor, dessen Amtszeit turnusmäßig dann nach knapp vier Jahren endet. In dem Fall steht auch eine neue Wahl an, denn Präsident Martin Fröhlich wird nicht mehr antreten, bestätigt er auf Nachfrage.

Der Entschluss habe nichts mit den letzten turbulenten Wochen zu tun, er stehe schon länger fest. Der Volljurist sagt, dass sich das zeitintensive Ehrenamt nicht mehr mit den wachsenden beruflichen Herausforderungen kombinieren ließe. Silvester 2019 ist noch ein weiterer, durchaus entscheidender Grund dazugekommen, Jakob erblickt das Licht der Welt und bald darauf Alemannias Mitgliedsausweis. „Es ist sicher kein Verlust an Lebensqualität, abends den Sohn ins Bett zu bringen, statt in langen Sitzungen zu hocken“, sagt der 38-Jährige.

Fröhlich hatte die Führungsaufgabe schon im März 2017 einstweilen vorübergehend übernommen, nachdem das amtierende Präsidium nach der nächsten Insolvenz aufgegeben hatte. Ein halbes Jahr später wurde aus dem kommissarischen ein mit 86 Prozent gewählter Präsident. Das Thema für die Präsidentschaft war schon vorgegeben. Bevor Fröhlich als Präsident sprach, hatte der Insolvenzverwalter Christoph Niering das Wort. Alemannia war wieder einmal ein Sanierungsfall. „Unser Anspruch war es, den Verein aus der Insolvenz zu führen, ihn zu stabilisieren und weiter zu entwickeln“, erinnert Fröhlich an das Regierungsprogamm. Schritt 1 und Schritt 2 haben funktioniert, Schritt 3 ist der Pandemie zum Opfer gefallen. Fehlende Zuschauereinnahmen erschüttern jeden Fußball-Regionalligisten.

Fröhlich gehörte in den vergangenen Monaten zu den entscheidenden Strippenziehern im Hintergrund, die an einer politischen Lösung mitgearbeitet haben. Vor zwei Monaten hat die Landesregierung dann tatsächlich einen Fonds mit einem Volumen von 15 Millionen Euro für darbende Regionalligisten im Corona-Jahr 2020 aufgelegt.

Alemannia Aachen hat den Förderantrag vor ein paar Tagen eingereicht. Bezugsgröße aller Berechnungen sind die Umsätze des Vorjahres. Die Ausschüttung ist bei 800.000 Euro gedeckelt. Klubs mit vielen Fans wie Essen, Oberhausen und Aachen greifen eher höher ins Regal.

Fröhlich und seine Präsidentenkollegen setzen sich gerade dafür ein, dass der Fonds auch Silvester 2020 übersteht. Denn an Zuschauereinnahmen in den nächsten Monaten glaubt kaum ein Verantwortlicher.

Eine solche Lösung gibt es bereits für höherklassige Klubs. Für die Drittligisten, aber auch für die Vereine aus den Profiligen im Frauen-Fußball, Handball, Basketball und Eishockey hat die zuständige Bundesregierung zustimmende Signale gesendet. Die „Corona-Hilfe Profisport“ hat ein Volumen von 200 Millionen Euro. Weil nicht alle Gelder abgerufen sind, können Gelder auch für die Rückrunde im nächsten Halbjahr, wenn unverändert nur die Geister zu den Spielen zugelassen sein sollten.

Auch Fröhlich ist zuversichtlich für seinen Verein. „Wenn wir den Zuschuss bekommen, und danach sieht es aus, bekommen wir die Saison mithilfe der Fans und Sponsoren finanziert“, sagt er. „Wir schaffen das.“

Das ist nur ein Zwischenfazit für einen Verein, der unverändert von besseren Zeiten träumt. „Alemannia muss sich weiter professionalisieren“, sagt der scheidende Präsident. Dafür benötige der Viertligist neue Partner. „Wir brauchen externe Geldgeber“, sagt er.

Es gibt ein paar Überlegungen, erste Sondierungen mit potenziellen Investoren. Sollten sich die Ideen weiter konkretisieren, würde Fröhlich nach Beratung in den Gremien den Mitgliedern, die ohnehin einer Veräußerung von Gesellschafteranteilen zustimmen müssen, mögliche Konzepte bei der Mitgliederversammlung vorstellen. Es wäre sein letzter Vortrag im Amt.

Der Präsident wird nach der Wahl Vereinsmitglied, aber nicht mehr Vereinsgremienmitglied bleiben. 2017 trat er im Team an. Wie Johannes Delheid, Björn Jansen, Thomas Gronen und Carsten Laschet sich entscheiden werden, möchte er nicht kommentieren. „In so schwierigen Zeiten ist es wichtig, frühzeitig für Klarheit zu sorgen. Jetzt kann sich in aller Ruhe ein neues Team formieren“, sagt Fröhlich. „Das ist ein guter Zeitpunkt, seinen Abschied anzukündigen.“