Alemannia Aachen verliert gegen Schalke 04 II

Frusttage am Tivoli : Enttäuschung nach erster Heim-Niederlage der Alemannia

Alemannia Aachen verliert Heimspiel gegen die U23 des FC Schalke 04

Nach dem Abpfiff lagen Alemannias Spieler am Boden, machten den Eindruck, sie wären mit 30 Kilo Marschgepäck durchs Gebirge geklettert. Erschöpfung und Enttäuschung breitete sich bis in den letzten Winkel des Tivolis aus. Das überflüssige 0:1 gegen Schalke II war die nächste Ernüchterung.

Die erste Heimniederlage in dieser Spielzeit folgte der bekannten Blaupause, kein anderes Team wie Alemannia verballert so viele Chancen. Aber ausschlaggebend war nicht nur das fehlende Schlachtenglück. Fuat Kilic registrierte, dass etliche Leistungsträger in dieser Phase nicht annähernd ihre Leistungen abrufen. „Das schmerzt mich sehr, weil es Spieler sind, die wir immer gefördert haben“, sagt er mit einem in Essig getränkten Gesichtsausdruck.

Der Frust hatte sich hineingefressen. Für Kilic ist gerade die schwierigste Phase seit seiner Ankunft am Tivoli vor knapp vier Jahren. Die Kritik auch an seiner Arbeit nimmt zu, weil auch die Fallhöhe sich geändert hat. Eine Mannschaft, die „oben“ mitspielen wollte, rangiert jetzt schon weit abgeschlagen auf Platz 10 der Tabelle. „Ehrlich gesagt, hatten sich das Team, Trainer und auch Mannschaft ganz anders vorgestellt“, räumte der unglückliche Torjäger Vincent Boesen ein. Auch an diesem Tag hatte die Mannschaft gerackert, hatte viele Kilometer abgespult, aber erneut verkaufte sie sich unter Wert.

Der Auftakt war durchaus schwungvoll. Nach 42 Sekunden verpasste Andre Wallenborn im Fünfmeterraum eine Freistoßflanke von Bastian Schmitt. Ein paar Minuten folgte Alemannias nächste Großchance in doppelter Ausfertigung. David Pütz schickte Boesen mit einem klugen Steilpass los, der Mittelstürmer traf nur den Pfosten, und den Abpraller semmelte der formschwache Robin Garnier übers Tor. Gespielt waren da erst sechs vielsprechende Minuten, aber die Partie beruhigte sich sehr schnell, und fortan hielt sich der Ball bevorzugt im Mittelfeld auf.

Die Gäste zogen sich weit zurück, das führte zu mehr Ballbesitz der Aachener, aber nicht zu weiteren Chancen. Zu unpräzise waren meistens die Flanken und Abspiele. Von Zeit zu Zeit wagte sich auch der Aufsteiger aus der stabilen Deckung. Fabian Reese aus dem Bundesligakader tauchte völlig frei vor Ricco Cymer auf, Aachens Torwart bestätigte seine prächtige Oktoberform und verhinderte die Gästeführung (16.). Schalkes Nachwuchs hatte noch eine weitere Großchance, Nassim Boujellab köpfte zwei Meter vor dem Tor vorbei, was zum Haareraufen auf seiner Trainerbank führte (38.).

Alemannia wurde gefährlich nach weiten Einwürfen entweder von Marco Müller oder Bastian Schmitt. Und so verzeichnete das Team noch eine Gelegenheit de Luxe. Rakk und Pütz legten per Kopf vor für Vincent Boesen, aber dessen Kopfball schnippte Schalke-Keeper Sören Ahlers übers Tor (45.).

Die Partie bekam kurz nach dem Wechsel einen Soundtrack. Pütz verlor im Mittelfeld den Ball, reklamierte heftig Foulspiel beim Schiedsrichter. Andreas Steffens ließ auch diesmal weiterspielen, er war erkennbar mit der gaaaaaanz langen Leine unterwegs. Der Ball jedenfalls landete bei Nassim Boujellab, der mühelos aus zehn Metern zur Führung einschob (48.).

Es folgten Aachener Frustfouls, entsprechende Frustkarten und auch Frustdebatten mit dem Spielleiter. Mit dem Rücken zur Wand erhöhten die Hausherren die Schlagzahl, profitierten immer wieder von ihrer körperlichen Überlegenheit. Die halbstündige Schlussoffensive leitete Pütz mit einem Kopfball an die Latte ein (64.), Sekunden später fegte ein Schalker Verteidiger den nächsten Kopfball von der Linie (65.). Und mit dieser Schlagzahl ging es weiter. Boesen schnibbelte den Ball ans Aluminium (69.). „Wenn ich meine hundertprozentigen Chancen nutze, sieht es anders aus“, haderte der junge Angreifer nach dem Abpfiff. Boesen war bei weitem nicht der einzige Fehlschütze an diesem Tag. Alleine Interimsstürmer Salata kam noch vier Mal vielversprechend zum Abschluss. Schalke schob die Planwagen zusammen, und zwischendurch hielt Aachens Keeper Cymer mit prächtigen Paraden sein Team noch im Spiel. Es nutzte nichts, die letzten Bälle zischten am Schalker Tor vorbei, dann stand das Ergebnis fest, es gab Pfiffe. „Das schlimmste ist es, sich nicht für den Einsatz zu belohnen“, hielt der starke Kapitän Alexander Heinze fest.

Die Mannschaft muss schon früh in der Saison ihre hohen Ziele aufgeben. Das nagt auch an Fuat Kilic, der aus seinem Herzen keine Mördergrube machte: „Wenn alle hier den gleichen Aufwand wie ich betreiben würden, würden wir um den Aufstieg spielen.“