Alemannia Aachen verliert gegen Gladbach in spektakulärem Spiel

Alemannia unterliegt Gladbach II : Ein Nachmittag wie auf der Schiffschaukel

Das Spiel schlug aus wie eine Schiffsschaukel, mal hierhin, mal dorthin, mal führten die einen, dann die anderen, die wilde Fahrt endete erst nach 92 Minuten, erst dann wussten die 4400 Zuschauer, es kommt heute nichts mehr, kein weiterer Überschlag. Alemannia unterlag Borussia Mönchengladbach II mit 3:4.

Nach dem spektakulärsten Spiel der Saison saß Fuat Kilic ermattet auf seinem Stuhl in der Pressekonferenz. Der Spielverlauf von 0:2 über 3:2 zum 3:4 hatte erkennbar Spuren bei Aachens Trainer hinterlassen. "Das tut unheimlich weh, weil wir uns saustark zurückgekämpft haben und diese unfassbare Niederlage erleiden müssen", fasste sein Verteidiger Marco Müller den Nachmittag stellvertretend zusammen.

Ein paar Sekunden vor dem Anpfiff hatte Kapitän Peter Hackenberg die Mannschaft noch eingeschworen. "Kein schnelles Gegentor heute, dann hauen wir sie weg." Nach drei Minuten war das Vorhaben hinfällig. Ziemlich unbehelligt von drei Innenverteidigern durfte Gladbachs Kapitän Giuseppe Pisano eine erste Flanke zum 1:0 verwerten. Das verunsicherte die Gastgeber keineswegs, sie attackierte den Gegner sehr forsch, eroberten viele Bälle.

Die ersten Gelegenheiten bekam der Mittelstürmer: Imbongo Drehschuss wurde abgeblockt (4.), sein Kopfball war zu hoch angesetzt (13.). "Was uns in den letzten Wochen auszeichnet, ist eine herausragende Effektivität", sagte Gladbachs Trainer Arie van Lent später, als der fünf Sieg in Serie feststand. Auch der zweite Gäste-Angriff war erfolgreich, und wieder ging es durchs Zentrum. Gegen Pisano konnte Daniel Zeaiter noch klären, den Abpraller schob Torben Müsel ein - 0:2 nach 17 Minuten.

Alemannia Aachen unterliegt Mönchengladbach II mit 3:4

Kilic war mit einer Dreier-Kette gestartet, schon nach 25 Minuten stellte er wieder um auf das vertraute 4-1-4-1-System um, "um der Mannschaft mehr Sicherheit zu geben". Müller sortierte sich als linker Verteidiger ein.Aachens Abwehr hatte unverändert einige Probleme mit den pfeilschnellen Angreifern Keanan Bennetts und Mirza Mustafic.

In den letzten Wochen sahen sich die Aachener den Vorwurf der Lethargie ausgesetzt, zu harmlos war manche Darbietung. An diesem winterlichen Tag wehrten sie sich energisch. Schon vor dem Wechsel hätte Robin Garnier verkürzen können, er traf nur den Innenpfosten (34.). Zur Pause lag das Team, das mehr Torschüsse verbuchte, deutlich zurück. "Wir haben uns vorgenommen, alles rauszuhauen", teilte Garnier später mit, der die fünfte Gelbe Karte erhielt. Kilic stellte Querpässe am Strafraum unter Strafe - "den nächsten wechsele ich aus" - und los ging die wilde Fahrt.

21 Sekunden nach dem Wechsel verkürzte Kai Bösing, als er am Elfmeterpunkt eine passgenaue Vorlage von Garnier verwertete. Das 1:2 war gerade vermeldet, da fiel schon der Ausgleich. Imbongo köpfte die Flanke von Batarilo ein (47.). In 100 Sekunden hatten die Aachener den Rückstand aufgeholt, sie nahmen die Nachwuchsmannschaft in den Schwitzkasten. Das 3:2 lag schon minutenlang in der Luft, als es dann endlich fiel. Imbongo bugsierte einen Eckball von Manuel Glowacz ins Netz zum 3:2. Gespielt waren 79 Minuten, "und wir wollten auf das vierte Tor gehen, weil wir die Räume dafür auch hatten", erzählte der Torjäger später. Die Leidenschaft hatte die Aachener gepackt, sie wollten noch mehr.

"Wir hätten das Tempo rausnehmen sollen, vielleicht auch mal verzögern, aber dafür sind wir zu brav", beobachtete Kilic am Spielfeldrand. Dieses Spiel ließ sich nicht mehr beruhigen, davon profitierten die Gäste zur eigenen Überraschung nach zwei schlecht verteidigten Standards. Einmal staubte Steinkötter zum 3:3 ab (82.), und nach dem letzten Eckball durfte Markus Pazurek auch noch das 3:4 (90.) erzielen. "Das Ergebnis ist nicht gerecht, es tut mir leid, dass das eine Niederlage für Aachen nach einem phantastischem Spiel geworden ist", versuchte Arie van Lent seinen Kollegen zu trösten. Das war schwer an diesem Nachmittag, weil der Elan der Aachener nicht belohnt wurde.

Zudem musste Kilic auch noch Kai Bösing auswechseln, nachdem Gegenspieler Marcel Benger auf das vorgeschädigte Knie gefallen war. Eine Kernspinuntersuchung soll am Wochenanfang Aufschluss geben. Der Mittelfeldspieler verließ das Stadion auf Krücken, die gesamte Mannschaft geknickt.

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