Alemannia Aachen und Fortuna Düsseldorf II trennen sich remis

Alemannia mit Remis gegen Düsseldorf II : Kaum Fortschritte beim Heimauftakt

Alemannia Aachen spielt am zweiten Spieltag in der Regionalliga West gegen die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf 1:1 und zeigt sich im Vergleich zum Spiel in Wuppertal kaum verbessert.

Wenn ein Trainer vor dem ersten Heimspiel der Saison zu einer Art Rundumschlag ausholt, stellen sich zwei Fragen. Wie reagiert ein Publikum, dass in Teilen vom Coach der eigenen Mannschaft heftig kritisiert wurde? Die 5700 Fans auf dem Tivoli gaben am Samstag eine eindeutige Antwort, als sie die Alemannia samt Trainer Fuat Kilic bei der Mannschaftsvorstellung und von Spielbeginn an lautstark anfeuerten.

Die zweite und wohl wichtigere Frage lautet: Nimmt sich die Mannschaft die Kritik des Fußball-Lehrers zu Herzen und honoriert, dass er sich schützend vor das Team stellt, was unsachliche Kritik angeht? Weniger eindeutig antworteten Aachens Spieler beim 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf II. Die Alemannia vermied nach dem 1:2 zum Auftakt in Wuppertal zwar den kompletten Fehlstart, konnte aber angesichts des Spielverlaufs und vor allem der Spielweise mit dem ersten Punktgewinn der Saison nicht allzu zufrieden sein.

Innenverteidiger Alexander Heinze brachte die allgemeine Stimmungslage bei der Alemannia auf den Punkt, als er die Frage zu seinem Treffer in der 70. Minute gar nicht erst zu Ende stellen ließ und sagte, dass er sich „darüber nicht freuen“ könne. Auch seinem Trainer war nach dem Spiel und dem späten Ausgleichstreffer in der 88. Minute durch Düsseldorfs Tim Oberdorf der Frust deutlich anzumerken. „Wir haben definitiv zwei Punkte verloren. Wenn du 1:0 in Führung gehst, musst du das einfach souveräner nach Hause spielen.“ Ganz anders war die Laune bei Düsseldorfs Trainer Nico Michaty, der von einem „am Ende zwar glücklichen, aber verdienten Punktgewinn“ sprach.

Ein bitteres Remis beim ersten Alemannia-Heimspiel

Zwei Veränderungen

Der Alemannia-Coach hatte auf die Niederlage beim Wuppertaler SV mit zwei Wechseln in der Startformation reagiert und Florian Rüter für Sebastian Schmitt im Mittelfeld und David Bors für Gary Noel im Sturm gebracht. Fast hätte dies früh Früchte getragen. Weil aber Düsseldorfs Torhüter Jannick Theißen nach zwei Minuten stark reagierte und den Schuss von Bors nach guter Vorlage von Linksverteidiger Andre Wallenborn abwehrte, blieb den Aachenern der frühe Führungstreffer versagt. „Vielleicht müssen wir in der Szene in Führung gehen. Dann wird das ein ganz anderes Spiel“, sagte ein geknickter Robin Garnier nach der Partie. Kilic ergänzte: „Mit einem frühen Treffer hättest du eine so junge Mannschaft wie die U 23 von Düsseldorf auch zum Nachdenken bringen können. Das ist uns leider nicht gelungen.“

Wer glaubte, dass das der Beginn eines furiosen Spiels werden sollte, irrte sich. Bis auf eine weitere Chance des bemühten, aber häufig unglücklich agierenden Bors, der in der 37. Minute von der Strafraumgrenze den Ball knapp über die Latte schlenzte, passierte in beiden Strafräumen nicht viel. Beide Mannschaften neutralisierten sich; das Spiel war von vielen Zweikämpfen, kleineren Fouls und Ungenauigkeiten geprägt. „Zerfahren“ nannte es Heinze. Sein Trainer sprach von einem „Kampfspiel“. Speziell die Fehlpässe regten Garnier auf: „Wir sollten vielleicht nicht versuchen, wie Xavi und Iniesta zehn Gegenspieler auf einmal zu überspielen. Wir waren zu hektisch, haben dann Fehlentscheidungen getroffen und dadurch Ballverluste gehabt.“ Auch Kilic bemängelte: „Es ist nicht unser Plan, den Ball unkontrolliert durch die Gegend zu schießen.“

Offensiv ging bei der Alemannia, die bei Ballbesitz mit einem sehr offensiven Wallenborn häufig in einem 3-6-1-System agierte, häufig der letzte Pass ins Leere oder die Flanke ins Nichts. Defensiv wurden speziell Aachens Außenverteidiger häufig von langen Bällen der flexibel spielenden Düsseldorfer überspielt, die aus den sich ergebenden Räumen aber kein Kapital schlagen konnten.

Vor allem Rechtsverteidiger Matti Fiedler hatte seine Probleme mit Düsseldorfs linker Angriffsseite und hatte Glück, dass ihn der Schiedsrichter gelbvorbelastet nach einem harten Foul in der 42. Minute nicht vom Platz stellte und die Alemannia vollzählig mit einem 0:0 in die Halbzeitpause kam.

Beste Phase zu Beginn

Sein Trainer reagierte und brachte zu Beginn der zweiten Halbzeit Vincent Boesen für den Torschützen in Wuppertal. Und wie im ersten Durchgang hatte die Alemannia ihre beste Phase auch hier gleich zu Beginn. Doch sowohl den Weitschuss von Stipe Batarilo (50. Minute) als auch den Flachschuss von Bors (51.) konnte Torhüter Theißen abwehren. Fast im Gegenzug hätten dann beinahe die Fortunen gejubelt, doch der Schlenzer von Mittelfeldspieler Bastian Kummer kullerte nur an den Pfosten und nicht ins Tor.

Danach flachte die Partie wieder ab. Aachens Trainer Kilic reagierte mit einem Doppelwechsel in der 62. Minute und brachte Marco Müller und Schmitt für Manuel Glowacz und Rüter. Als Heinze dann in der 70. Minute nach einem Eckball des eingewechselten Schmitt per Kopf das 1:0 erzielte, schien es so, als habe der Alemannia-Coach bei den personellen Änderungen den berühmten richtigen Riecher gehabt und den Sieg eingewechselt. Der Führungstreffer gab der Alemannia allerdings keine Sicherheit; sowohl in der 77. als auch in 80. Minute kamen die Düsseldorfer gefährlich in den Strafraum, ohne allerdings abschließen zu können. „Man hatte das Gefühl, dass wir Angst haben, das Spiel aus der Hand zu geben“, sagte Kilic.

Ein Jahrhunderttor

Ein Weckruf waren die beiden Szenen für die Aachener nicht. Ein unnötiger Ballverlust von Boesen führte zu einem „dummen“ Freistoß, wie Heinze sagte. Nach einem langen Ball in den Strafraum standen dann zwei Fortuna-Spieler frei im Strafraum. Oberdorf zog dann fast von der Grundlinie ab, und der Ball ging am chancenlosen Torhüter Ricco Cymer vorbei an den rechten Innenpfosten, von wo die Kugel dann ins Netz zum 1:1-Endstand fiel – ein „Jahrhunderttor“, wie Garnier befand: „So ein Tor schießt er maximal ein Mal in seinem Leben.“ Von dem Schock erholte sich die Alemannia nicht mehr. Nach einem sehr rüden Foul von Moritz Montag an Garnier, der nach dem Spiel noch humpelte, und einer Rudelbildung sah der Düsseldorfer die Rote Karte. Mehr passierte nicht mehr.

Und so blieb Kilic am Ende nichts anderes übrig als zu konstatieren: „Uns hat die Souveränität im Spiel gefehlt. Und wenn dann noch individuelle Fehler dazu kommen, kassiert man eben noch den Ausgleich.“ Nach dem missglückten Start in die Regionalliga-Saison gilt es nun, den Blick auf das „Highlight“ zu richten – das DFB-Pokalspiel zu Hause gegen Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen. „Es ist schade, dass wir nun nicht mit dem gewünschten Rückenwind in diese Partie gehen können“, sagte der Alemannia-Trainer, der dieses Mal auf einen Rundumschlag verzichtete. Sein Team gab an diesem Samstag jedenfalls nicht die erhoffte Antwort auf dem Platz.

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