Alemannia Aachen und Bonner SC spielen unentschieden

Unentschieden in Bonn : Aachener Verschwendungssucht

Vom walisischen Fußballtrainer John Toshack stammt die schöne Erkenntnis: „Am Sonntag nach einer Niederlage nehme ich mir vor, zur nächsten Partie zehn Spieler auszuwechseln. Am Dienstag sind es sieben oder acht, am Donnerstag noch vier Spieler. Am Spieltag stelle ich fest, dass ich doch wieder dieselben elf Scheißkerle einsetzen muss wie in der Vorwoche.“

Fuat Kilic stellte am Freitagabend im Spiel beim Bonner SC exakt dieselben elf Kerle auf, die in der Vorwoche verloren hatten. Im Gegensatz zu Toshack wiederholte Aachens Trainer die Aufstellung aus Überzeugung. Er hatte komplett freie Auswahl, nicht einer seiner Profis ist derzeit sportbefreit. „Es gibt keinen Grund etwas zu verändern“, urteilte Kilic.

Als die elf Kerle am Ende den Sportpark verließen, stand es 1:1. Die Partie war über weite Strecke eine Kopie des Spiels der Vorwoche. Alemannia vergab Chancen fast im Dutzend. „Es ist in dieser Saison durchgehend so: Wenn wir verlieren oder Punkte liegen lassen, liegt es immer an uns selbst. Wir haben hier viel investiert, alles rausgehauen aber im Moment ist es wie am Saisonanfang, wir sind nicht effektiv genug", urteilte Mittelfeldspieler David Pütz.

Die Aachener legten ziemlich entschlossen los, zwei Eckbälle nach fünf Minuten waren eine erste Ausbeute, zudem musste sich Bonns Torwart Alexander Monath gewaltig strecken, um einen Fernschuss von Matti Fiedler zu entschärfen (4.). Die Hausherren meldeten sich zum ersten Mal nach acht Minuten zu Wort, die Gelegenheit war gleich erstklassig. Robin Garnier musste nach einem Schuss von Mario Weber auf der Linie klären. Die Aachener reagierten mit einem prächtigen Zwei-Mann-Konter. Stipe Batarilo und Kai Bösing spielten mit kleiner Besetzung die komplette Abwehr aus, lupfend erzielte Batarilo seinen vierten Saisontreffer (15.). Die Führung verleitete zur Sorglosigkeit, die Gastgeber konnten sich das Bällchen unbedrängt zupassen, ehe Dennis Engelmann aus 24 Metern zum Ausgleich ausholte (18.). „Wir weichen zurück, das ist nicht die Art, wie wir verteidigen wollen", ärgerte sich Kilic später.

Bis dahin war das 1:1 durchaus ein passendes Ergebnis für die Partie, als aber Schiedsrichter Jörn Schäfer eine halbe Stunde später zum Aufwärmen pfiff, schmeichelte das Ergebnis den Bonnern ungemein. Die Aachener gingen auch diesmal unfassbar verschwenderisch mit besten Chancen um. Garnier hatten mehrfach die Führung auf den Fuß (24./27.), dann spielte sich Matti Fiedler auf der rechten Seite erneut durch, auch er scheiterte an Torwart Monath, der Nachschuss von David Pütz taumelte gegen die Latte (33.).

Bonns Schlussmann war ein starker Rückhalt, er fischte auch noch einen Volleyschuss von Batarilo aus dem Eck (36.). „Die Gier war da, die Körpersprache war gut, aber momentan sind wir in einer Phase, in der die Dinger nicht reingehen wollen, während der Gegner nur ein, zwei Versuche für einen Treffer braucht", wundert sich Kai Bösing später.

Präziser wurden die Aachener Versuche auch nach dem Seitenwechsel zunächst nicht. Unbedrängt knallte Dimitry Imbongo die Kugel in den kalten Abendhimmel (53.). Eine Fiedler-Flanke flog die Latte entlang. Die Bonner verschanzten sich weiter, fanden minutenlang nicht mehr aus ihrer Hälfte heraus. Den einen Punkt wollten sie mit aller Macht verteidigen.

So blieb es weitgehend eine einseitige Angelegenheit. Imbongo verpasste mit einem Schuss aus der Drehung das Ziel, draußen am Spielfeldrand raufte sich sein Trainer die Haare. Schon längst waren die Erinnerungen der Vorwoche wieder hochgestiegen, als das Team auch vergessen hatte, die Ernte einzufahren. Diesmal verteidigte sein Team wesentlich energischer, ließ kaum einen Abschluss zu.

Kilic wechselte Marcel Kaiser ein, der bis zum Sommer für den Bonner SC auf Torejagd ging. Auch dessen Versuche prallten im Bonner Abwehrgestrüpp ab. Fiedler scheiterte noch einmal mit einem Weitschuss am Bonner Schlussmann (84.), dann stand das groteske Ergebnis endgültig fest. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, weil sie extrem gut gearbeitet hat. Aber Aufwand und Ertrag stehen gerade in keinem guten Verhältnis." Und daraus ergibt sich dann der Trainingsschwerpunkt für die nächste Woche: Torschuss, Torschuss, Torschuss.

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