Alemannia Aachen siegt im Westschlager gegen Rot-Weiß Essen mit 2:0

2:0 gegen RW Essen : Souveräner Aachener Sieg im Westschlager

Als Schiedsrichter Alexander Ernst den 84. Westschlager zwischen Alemannia Aachen und Rot-Weiß Essen mit dem Schlusspfiff beendete, ließ Robin Garnier seinen Emotionen freien Lauf.

Die Aachener hatten sich für eine souveräne Vorstellung mit drei Punkten belohnt, das 2:0 über den Langzeitrivalen stellte den dritten Sieg in Serie in der Fußball-Regionalliga West dar. Fuat Kilic fiel es am Ende des erfolgreichen Arbeitstages schwer, seine Mannschaft nicht überschwänglich zu loben. „Das war ein fantastisches Spiel von uns. Es ist schon bemerkenswert, dass wir es so souverän gestalten konnten“, bilanzierte Alemannias Cheftrainer mit heiserer Stimme und glücklicher Miene.

Alexander Heinze hatte die Aachener aufs Feld geführt, da Peter Hackenberg verletzt ausfiel, Vertreter David Pütz gesperrt fehlte und Ersatz-Ersatz-Kapitän Manuel Glowacz nur auf der Bank saß. Robin Garnier nahm Glowacz` Platz auf dem rechten Flügel ein, Steven Rakk ersetzte Pütz auf der Sechser-Position. Vor der Saison war Rakk als Außenverteidiger an den Tivoli gelotst wurden, „ich habe aber im Training festgestellt, dass seine Stärken im defensiven Mittelfeld noch mehr zur Geltung kommen“, sagte Kilic.

Das Spiel startete mit einem Déjà-vu. Zumindest für die Wiederholungstäter unter den 9000 Zuschauern (Saisonrekord) fühlte es sich wohl so an. In der Vorsaison war die Alemannia am Tivoli nach 89 Sekunden gegen Essen in Führung gegangen. Diesmal dauerte es zwar etwas mehr als 150 Sekunden, die Kriterien für einen Traumstart waren aber erneut erfüllt. Stipe Batarilo hatte das Auge für Garnier, der mit einer perfekt getimten Flanke Blendi Idrizi fand. Mit einem platzierten Kopfball ließ der völlig freistehende Mittelfeldspieler RWE-Keeper Robin Heller keine Chance – 1:0.

Vorsprung mit Leidenschaft verteidigt

Im Gegensatz zur Vorsaison setzte diesmal keine Grübelphase bei den Hausherren ein. Im Gegenteil. Die Aachener zogen sich zwar ein wenig zurück, verteidigten ihren Vorsprung aber mit Leidenschaft und höchster Konzentration. Der als Leckerbissen angepriesene Westschlager wurde zäh, das Spiel lebte in der Anfangsphase von der Intensität. Abgesehen von einem Kopfball von Essens Angreifer Marcel Platzek (5.) blieben Abschlüsse zu Beginn Mangelware.

Das hatte viel mit der Aachener Hintermannschaft zu tun, die wieder einmal den Beweis antrat, warum sie nach Rödinghausen die wenigsten Gegentreffer der Liga kassiert hat. Alexander Heinze gewann gefühlt 90 Prozent seiner Zweikämpfe, und da war der Aushilfskapitän nicht der Einzige. „Wir standen hinten sehr gut“, lobte auch Torschütze Idrizi die Defensivspezialisten, die vom starken Abräumer Rakk unterstützt wurden. Kilic sprach seinem bisher mit wenig Einsatzzeit bedachten Schützling Rakk ein Sonderlob aus: „Er war acht Monate ein wenig außen vor, hat aber nie aufgesteckt. Steven hat heute ein sehr gutes Spiel gemacht.“

Die erste ernsthafte Torannäherung der Essener ließ bis zur 25. Minute auf sich warten: Benjamin Baier zog aus der Drehung ab, der RWE-Kapitän verfehlte das Alemannia-Tor aber knapp. Genauer zielte Stipe Batarilo (32.): Aachens treffsichersten Akteur holte den Zirkel raus und beförderte den Ball mithilfe des Innenpfostens ins Netz – Saisontreffer Nummer acht. Die Zukunft des feinfüßigen Mittelfeldspielers ist immer noch ungeklärt, in den vergangenen Wochen hat Batarilo aber ordentlich Eigenwerbung betrieben.

Die Brust der Gastgeber wurde nach dem zweiten Treffer noch breiter, die Gäste sehnten dagegen den Halbzeitpfiff herbei. Der fleißige, aber glücklose Dimitry Imbongo vergab gleich doppelt die Chance zur Vorentscheidung (43., 44.). Nicht nur kämpferisch überzeugten die Hausherren an diesem sonnigen Nachmittag, auch spielerisch passte sehr viel zusammen.

Essen nimmt Kampf an

Die Pause tat den Rot-Weißen gut, nach dem Seitenwechsel nahmen sie den Kampf an und wehrten sich. Einen Schussversuch von Timo Becker (50.) vereitelten die Aachener mit vereinten Kräften, ein Kopfball des Esseners ging über das Tor (57.). Die Handschuhe musste Niklas Jakusch dafür nicht auspacken; ernsthaft gefordert wurde Alemannias Keeper in den gesamten 90 Minuten nicht einmal. Kilic sah dagegen viele „gute Umschaltmomente“ seiner Spieler, „die wir aber besser hätten ausspielen müssen“. Das war dann aber auch der einzige Kritikpunkt, den der Trainer seiner Mannschaft ankreiden konnte.

Rakk musste nach 68 Minuten mit einer Innenbanddehnung im Knie ausgewechselt werden, Kai Bösing kam für ihn ins Spiel. Der Rhythmus der Partie änderte sich dadurch nicht, Alemannia blieb das spielbestimmende Team. Garnier (78.) und Idrizi (86.) verpassten es, den Essenern endgültig den K.o.-Schlag zu versetzen. Rächen sollte sich das aber nicht mehr, da die Defensivabteilung ihre Aufgabe bis zum Schlusspfiff mit Bravour verrichtete.

„Die gesamte Mannschaft hat überragend gearbeitet“, urteilte Kilic, dessen Team sich in der Tabelle auf Platz fünf vorgearbeitet hat. Sekunden später drückte Alemannias Trainer aber wieder auf die Euphoriebremse: „Ich will nicht zu viel Lob verteilen. Wenn wir im nächsten Spiel nicht so konzentriert auftreten, dann war dieser Sieg für den A...“.Bereits am Dienstag steht der zweite Teil der Englischen Woche an, die Aachener holen die Partie bei Kellerkind Kaan-Marienborn nach. Sollte am Ende des Arbeitstages der vierte Sieg in Serie in trockenen Tüchern sein, dürfte es Kilic sicherlich nicht allzu schwer fallen, seine Spieler erneut zu loben.

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