Alemannia Aachen: Imbongo als Mitbewohner vom Trainer

Alemannia Aachen : „Imbongo oder nix“

Als Junior Torunarigha im Sommer ausgesprochen kurzfristig Alemannia Aachen verließ, kam ein bisschen Panik am Tivoli auf. Eine Saison ohne erfahrenen Mittelstürmer zu starten, wirkte zu riskant. Alemannias oberster Zielfahnder telefonierte mit Freunden und Beratern und bekam einen Tipp: Dieser Dimitry Imbongo könnte der Ausschreibung von Fuat Kilic ziemlich nahekommen.

Der Torunarigha-Nachfolger sollte keine Kopie des kraftvollen Angreifers sein, vielmehr wurde ein schneller, flexibler Stürmer gesucht, der auch Schneisen auf den Außenbahnen schlagen kann. Als die ersten Bilder des Kandidaten zusammengeschnitten war, legte sich Aachens Trainer schnell fest: „Der ist es.“ Imbongo oder nix. Der Auserwählte wurde zum Casting geladen. Aachen war nicht der einzige Interessent für den 28-Jährigen. Ausschlaggebend für seine Zusage war dann eine Frage des möglichen neuen Trainers: „Was bist Du bereit für diese Mannschaft und auch für Dich zu investieren?“ Das war ein neuer Gedanke. Am Ende des Gesprächs stand seine Unterschrift am Tivoli - weitgehend von externen Sponsoren finanziert.

Auf der Schlüsselposition am Tivoli ist so ein ziemlicher Weltenbummler angekommen: Seine Eltern stammen aus Frankreich und dem Kongo, er selbst wurde in Zaire geboren, wuchs aber in Nanterre in Frankreich auf. Für den Fußball zog er nach Deutschland, schloss sich 1860 München II an, erzielte da zwischen 2009 und 2011 in 44 Regionalligaspielen zwölf Tore. Er wechselte zum Drittligisten Darmstadt 98, traf nicht und siedelte in die Major Soccer League zu New England Revolution, später zu den Colorada Rapids. Die Laufwege im Fußball sind manchmal verschlungen, Imbongo kehrte auf den alten Kontinent zurück, kickte für den Kapfenberger SV in der zweiten österreichischen Liga, danach für LASK Linz, zuletzt für Wacker Innsbruck. Mit der Mannschaft stieg er in die Bundesliga auf, aber einen neuen Vertrag erhielt er nicht. „Ich brauchte frische Luft“, grinst er.

Inzwischen ist er vier Monate in Aachen und hat sich prächtig eingelebt. „Innsbruck ist wirklich schön, aber ich konnte diese Berge nicht mehr sehen“, sagt er. Bei der Wohnungssuche ist ihm ein ziemlicher Fehler unterlaufen. Erst nach seiner nächsten Unterschrift hat er erfahren, dass der Trainer über ihm wohnt. Ein Eigentor? „Nein“, grinst Imbongo, „ich habe meine Fehler schon als junger Spieler gemacht.“ Die Karriere ist ein bisschen schlangenförmig verlaufen. „Ich bin aber immer noch jung und will höher spielen - bevorzugt mit diesem Klub.“

Inzwischen hat er schon erfahren müssen, dass sein Mitbewohner durchaus ein erklärter Disziplinverfechter ist, der auch mal kurzfristig eine Sonderschicht für seinen Stürmer ansetzt, wenn der es im Training schleifen lässt. „Er hat die Vorbereitung weitgehend verpasst, liegt erst bei 70 bis 80 Prozent“, sagt Kilic. „Er kann noch viel mehr.“

Am Freitagabend wird Imbongo wieder auf Torejagd gehen. Die Partie bei Borussia Mönchengladbach II könnte zum Maskenball werden. Marco Müller hat sich beim Testspiel gegen den BVB die Nase gebrochen, Peter Hackenberg frühzeitig gegen Straelen das Jochbein gleich doppelt. Der Kapitän muss zum zweiten Mal in dieser Saison einen Schutz tragen. Es fehlt niemand bei den Serientätern, die zuletzt elf Mal in Folge unbesiegt waren. „Es ist schon schwierig, jemand, der gut trainiert, zuhause lassen zu müssen“, sagt Kilic.

Der Coach wird Imbongo aufstellen, der seit seiner Premiere beim Spiel in Düsseldorf II noch kein Spiel mit seiner neuen Mannschaft verloren hat. Kilic will die Erfolgsserie nicht an einem Spieler festmachen. „Er darf nicht abheben, aber wenn er wie zuletzt so enorm für die Mannschaft arbeitet, ist er ein Schlüsselspieler für uns.“

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