Alemannia Aachen holt 0:2-Rückstand gegen RW Oberhausen auf

Remis im Westschlager : Alemannia holt 0:2-Rückstand gegen Oberhausen auf

Das letzte Heimspiel in diesem Jahr war dann ein ziemliches „einerseits-anderseits"-Spiel der Aachener. Einerseits hatten sie beim 2:2 gegen RW Oberhausen nach klarem Pausenrückstand noch ein Remis geholt. Andererseits bildete das Ergebnis auch diesmal nicht den Spielverlauf schlüssig ab.

Auch der Tabellenzweite aus dem Ruhrgebiet verstaute den einen Punkt durchaus dankbar im Gepäck. „Wir haben uns gut entwickelt", bilanzierte Alemannias Trainer Fuat Kilic fast am Jahresende. „Wir müssen aber noch kaltschnäuziger werden." Sein Team dominiert inzwischen auch gegen Spitzenteams, die Ausbeute ist aber noch zu gering.

Kilic hatte auf den Flügeln neu sortiert, Vincent Boesen und Marcel Kaiser kamen ebenso wie der entsperrte Kapitän Peter Hackenberg neu in die Startelf. RW Oberhausen reiste mit erkennbar ausgeprägtem Selbstvertrauen an. Nach 13 Minuten war die Führung möglich, aber Aachens Torwart Daniel Zeaiter schnellte reaktionsschnell den rechten Fuß heraus und wehrte den Schuss von Odenthal ab.

Alemannia Aachen erkämpft sich 2:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen

Aachen hatte mehr Ballbesitz, aber Lücken im RWO-Bollwerk entstanden selten. Blendi Idrizi fand eine Tür auf dem rechten Flügel, seine Flanke lenkte Kaiser mit einem Seitfallrückzieher aufs Tor, Torwart Robin Udegbe musste erstmals seine Handschuhe auspacken (24.).

Meistens war der Ball zwischen den Strafräumen unterwegs, es war vorerst eine ausgeglichene Angelegenheit. Dann flog eine ziemlich harmlose Flanke von Dario Schumacher in den Strafraum, weit und breit war kein Gegenspieler zu sehen, aber Aachens Alexander Heinze lenkte den Ball aus 14 Metern ins eigene Netz. „Ich wollte klären, das Ding fliegt mir ans Schienbein." Der Innenverteidiger stand da wie ein Reisender am Bahnsteig, der gerade den letzten Zug verpasst hatte.

Für Aachen sind es Wochen der merkwürdigen Gegentreffer. Das 0:1 zeigte Wirkung, die Mannschaft kam ins Grübeln, die Abstände zwischen den Linien wurden größer. Die Gäste bekamen schnell Gelegenheit zu erhöhen. Dominik Reinert zischte auf dem rechten Flügel auf und davon, seine Hereingabe knallte Raphael Steinmetz übers Tor (34.).

Ein paar Flanken später missriet Dario Schumacher die Direktabnahme (40.). Das 0:2 fiel dann doch: Odenthal konnte im Strafraum unbedrängt den Ball annehmen, ihn unbedrängt weiterspielen, damit Philipp Eggersglüß ihn unbedrängt aus elf Metern ins Netz zimmern konnte (42.).

„Es kann sich keiner beschweren, wenn wir zur Pause noch höher führen", fasste RWO-Coach Mike Terranova den ersten Durchgang zusammen. In der Nachbarkabine wurden in der Halbzeitpause Pläne geschmiedet. „Wir sind stark genug, das Ding zu drehen", impfte Kilic seiner Mannschaft ein.

Heraus kam dabei ein imponierender Sturmlauf. Minutenlang wurde RWO in den eigenen Hälfte eingeschnappt. Den Anfang machte Vincent Boesen, aus ziemlich spitzen Winkel köpfte er eine Müller-Flanke knapp am Ziel vorbei (57.).

Aachens Stipe Batarilo organisierte die Aufholjagd. Der 25-Jährige nahm den Taktstock in die Hand, war nicht mehr zu bremsen. Den ersten Treffer erzielte er gleich selbst. Er nahm den Ball am Strafraum mit dem Rücken zum Tor an, schlängelte sich geschickt an ein paar roten Trikots vorbei, um entschlossen auf 1:2 zu stellen (63.). „Nur rein das Ding." Es war sein fünfter Saisontreffer, für die Zahl hat er zuletzt eine komplette Saison gebraucht. „Für uns ist er ein Schlüsselspieler, ich habe großen Respekt vor dem Pensum, das er abspult", lobte ihn sein Trainer später.

Batarilo verpasste per abgelenkten Fernschuss nur knapp das schnelle Remis (63.). Das 2:2 lag schon deutlich in der Luft, als Marco Müller zwei Mal an Oberhausens Torwart Udegbe scheiterte (68.). Die Aachener hatten Witterung aufgenommen, sie ließen sich nicht mehr abschütteln. Der Ausgleich fiel später, aber er fiel. Imbongos Fernschuss hatte der Torwart nur abklatschen können, Vincent Boesen staubte gekonnt ab zum 2:2. Gespielt waren da 87 Minuten, aber Alemannia wollte mehr.

Patrick Salata köpfte aus zwei Metern (!) übers Tor (90.), dann traf Imbongo mit der letzten Tivoli-Aktion in diesem Jahr nur den Pfosten. Der mögliche Siegtreffer fiel nicht mehr, für die Aachener war es das dritte Remis in Folge gegen ein Spitzenteam. „Das sind mindestens drei Punkte zu wenig", urteilte Batarilo. „Wir machen es überragend, wir belohnen uns zu wenig." Der Satz fasst die letzten Monate ganz gut zusammen.

Mehr von Aachener Nachrichten