Aachen: Alemannia Aachen gegen Rödinghausen: Unsere Netzschau zum verschenkten Sieg

Aachen : Alemannia Aachen gegen Rödinghausen: Unsere Netzschau zum verschenkten Sieg

Es gibt Unentschieden, die fühlen sich wie Siege an. Wie zum Beispiel der Last-Minute-Punkt am vierten Spieltag gegen Wiedenbrück. Es gibt aber auch Unentschieden, die sich ein bisschen wie Niederlagen anfühlen. Unsere Netzschau zum verschenkten Sieg der Alemannia gegen den SV Rödinghausen.

Im Heimspiel vor zwei Wochen gegen den SC Wiedenbrück ließ Robin Garnier die Alemannen kurz vor Abpfiff jubeln. Mit seinem Treffer markierte er das 2:2 und sicherte den Schwarz-Gelben den ersten Saisonpunkt am vierten Spieltag.

In Düsseldorf schlugen die Aachener auch wieder kurz vor Schluss zu. Dieses Mal in Person von Vincent Boesen. Mit seinem zweiten Saisontreffer erzielte der 19-Jährige wenige Minuten vor dem Ende der Partie das 1:0 und die Kaiserstädter feierten endlich den ersten Saisonsieg.

Den Schwung wollten Trainer Fuat Kilic und sein Team mitnehmen und gegen den SV Rödinghausen den ersten Heimsieg der Saison feiern. Und wieder sollte die Entscheidung über den Ausgang der Partie erst kurz vor Schluss fallen. Leider zu Ungunsten der Hausherren.

Dabei fing der Spieltag perfekt an. Das Wetter war optimal für ein Fußballspiel. Das sah auch Martin vom Hofe so und hatte einen klaren Auftrag an alle:

Doch nicht nur der Alemannia-Geschäftsführer versuchte Zuschauer zu mobilisieren:

Alle, die den Aufrufen folgten, kamen nur auf eine Art und Weise in die Soers. Und zwar ...

Mehr als 4500 Zuschauer kamen zum Tivoli und feuerten ihre Mannschaft an. Gegenwehr aus dem Gästeblock gab es dabei nicht. Aus Rödinghausen hatten sich neben dem Team und dem Betreuerstab gerade einmal 15 Fans auf den Weg in die Kaiserstadt gemacht. Zum Vergleich: Das vorangegangene Aufeinandertreffen fand im April in Rödinghausen statt. An einem Mittwoch. Und die Kilic-Truppe wurde von rund 150 Leuten unterstützt.

Mit im Stadion war auch Stipe Batarilo, den die Alemannia kurz zuvor unter Vertrag genommen hatte.

Nach der Trennung von Ilias Azaouaghi wurde ein Platz im Kader frei und der ehemalige Spieler vom SC Wiedenbrück konnte mit seinen Trainingsleistungen und dem Einsatz im Testspiel unter der Woche überzeugen. Sogar so sehr, dass er direkt in den Kader für das Spiel gegen Rödinghausen rutschte.

Auf Seiten der Gäste gab es ein bekanntes Gesicht für alle Aachener: Joy-Slayd Mickels stürmte von Beginn an für die Ostwestfalen, nachdem er im Sommer von der Alemannia nach Rödinghausen wechselte. Finanziell konnten den Wechsel sicher viele Alemannen nachvollziehen. Allerdings verabschiedete sich Mickels anschließend mit einer Live-Übertragung auf Instagram von der Mannschaftstour mit eher weniger netten Worten. Entsprechend „liebevoll“ fiel die Begrüßung auf den Rängen aus. Bis zu seiner Auswechslung wurde Mickels bei jeder Aktion ausgepfiffen. Würde dieser Text fürs Phrasenschwein geschrieben werden, würden nun die Worte „Wie es in den Wald hineinschallt ...“ folgen.

Zurück zum Spiel: Die Fans waren heiß auf den ersten Heimdreier.

Und die Mannschaft von Fuat Kilic nahm von Beginn an das Zepter des Handelns in die Hand. Rödinghausen konzentrierte sich stattdessen auf die eigene Abwehrarbeit und überließ den Hausherren weitestgehend Ball und Spiel. Ein Tor wollte aber nicht fallen, auch weil sich Rödinghausens Keeper Heimann kurz vor dem Halbzeitpfiff einmal richtig lang machte und den Ball gerade noch so aus dem unteren Eck fischen konnte.

Die Aktion beflügelte die Aachener aber und mit dem Wiederanpfiff ging es wieder nur in eine Richtung: den Kasten von Rödinghausen. In der 58. Minute war es dann endlich so weit. Ecke für die Alemannia vor den eigenen Fans, Blendi Idrizi zirkelt sie auf den kurzen Pfosten, Alexander Heinze schraubt sich nach oben, Kopfball, Tor! Alemannias Hubschrauber aus der Innenverteidigung brachte die Hausherren völlig verdient in Führung gegen den bislang noch ungeschlagegen SV Rödinghausen.

Aachen wollte jetzt nachlegen, ein weiterer Treffer vom neuen Stürmer Dimitry Imbongo wurde allerdings aberkannt. Und so kam es, wie es in solchen Spielen kommen muss. In der 86. Minute konnten die Schwarz-Gelben den Ball nicht sauber aus der Gefahrenzone klären, Björn Schlotke bedankte sich mit dem Ausgleich. Es war erst die zweite oder dritte Angriffsbemühung der Rödinghausener im ganzen Spiel. Bis dahin hatte die Alemannia alles unter Kontrolle.

Dann wurde es kurzzeitig an der Seitenlinie hitzig. Alemannias Co-Trainer Simon Pesch musste sich im Anschluss an eine kleine Rangelei die letzten Spielminuten von der Tribüne aus anschauen.

Die Schwarz-Gelben auf Platz liefen währenddessen noch einmal an, es liefen die letzten Sekunden, gerade formiete sich die Aachener Offensive, da pfiff der Schiedsrichter mitten im Angriff ab und beendete die Partie.

Statt des ersten Heimsieges gab es ein erneutes Unentschieden.

Auf dem Platz und auf den Rängen waren sich aber alle einig, dass es an diesem Tag eher zwei verschenkte Punkte waren und weniger ein gewonnener Zähler.

In der kommenden Woche geht es für die Alemannia sonntags zum Wuppertaler SV. Dort soll weiter daran gearbeitet werden, dass sich Aufwand udn Ertrag nach 90 gespielten Minuten endlich die Waage halten. Worauf die Tivoli-Truppe bei ihrem nächsten Auswärtsspiel auf jeden Fall wieder zählen kann: die Unterstützung der Fans.

(bph)
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