Alemannia Aachen beim Wuppertaler SV: Der Spielbericht zum 1:2

Effektivität fehlt : Alemannia verliert bei tiefstehenden Wuppertalern

Ein paar Minuten nach dem ersten Saisonspiel fasste Fuat Kilic die Lage zusammen, 1:2 hatte seine Mannschaft zum Auftakt verloren, „aber besser kann man diese zweite Halbzeit nicht spielen“, urteilte Alemannias Trainer.

Ein Jahr ist das her. Alemannia verlor damals beim späteren Meister Viktoria Köln. An diesem Samstag hat Fuat Kilic exakt das gleiche gesagt, er hat die Mannschaft für ihren Elan vor allem im zweiten Durchgang enorm gelobt. „Kein Vorwurf, sie hat alles investiert und mindestens einen Punkt verdient gehabt.“ Blöderweise ist die Partie aber 1:2 ausgegangen, der Gegner war keine Mannschaft mit Titelambitionen. Vielmehr ging es gegen den finanziell gebeutelten Wuppertaler SV, der vom ersten Anpfiff an gegen den Abstieg spielt – laut Eigenauskunft.

Das war dann auch schnell zu besichtigten. Die Mannschaft kratzte und biss, sie wehrte sich, manchmal auch unfairen Mitteln. „Fußball sind Emotionen, und die haben wir gezeigt“, war Trainer Andreas Zimmermann sehr zufrieden. „Das die Aachener mit ihrem Anspruch spielerisch besser auftreten, ist nicht überraschend.“

Und deswegen fühlte sich die Auftaktniederlage für die Aachener diesmal schlechter an als noch vor einem Jahr, als man den Favoriten arg zusetzte.

Im Wuppertaler Zoo Stadion war die Mannschaft fast über die gesamte Spielzeit deutlich überlegen gewesen. Die Partie nährte die Befürchtung, dass die mangelnde Effektivität aus dem Vorjahr immer noch das Team begleitet. An diesem heißen Tag fehlte die Kaltschnäuzigkeit.

Aachen zeigte das strukturiertere bessere Spiel, hatte ausreichend Gelegenheit. Schon früh entdeckten die Gäste die Wuppertaler Problemzonen. Vor allem über die rechte Seite rückten die Aachener immer wieder nach vorne. Das neue Tandem Sebastian Schmitt und Andre Wallenborn war häufig nicht aufzuhalten. Die Aachener bekamen viele Freiräume, häufig durften sie unbedrängt vors Tor flanken, die Vorlagen waren zu unpräzise. Die erste Chance der Saison hatte David Pütz, dessen Scherenschlag aus 14 Metern noch abgeblockt wurde (17.). Der Mittelfeldspieler, der eine torlose Saison in der Regionalliga West hinter sich hat, hatte erkennbar Vorsätze. Ein paar Minuten später feuerte er einen Fernschuss ab, Torwart Edin Pepic lenkte den Ball vor die Füße von Gary Noel, die erste Großchance für den Torjäger aus Mauritius, der aber nur den Schlussmann anschoss (20.).

Die Aachener hatten die Dinge im Griff, aber sie hatten die Rechnung ohne Tjorben Uphoff gemacht. Der WSV-Kapitän hatte schon vor einem Jahr seinen einzigen Saisontreffer gegen die Aachener erzielt. Vielleicht erinnerte er sich daran, als er einen Fernschuss aus 30 Metern abfeuerte. Der Ball schlug jedenfalls hinter dem erkennbar verdutzten Aachener Torwart Ricco Cymer ein (43.). „Von mir aus können die häufiger vorbeischauen“, sagt Uphoff.

SV verschanzte sich im zweiten Durchgang

Der zweite Durchgang begann, Wuppertal verschanzte sich. Verteidigen ist im Hochsommer einfacher als permanent anzugreifen. Im Laufe der nächsten Minuten wechselte Kilic gleich vier Mal, was die Statuten ab dieser Spielzeit hergeben. Aachens Ausgleich lag gleich in der Luft. Matti Fiedler köpfte eine Ecke von Manuel Glowacz per Aufsetzer knapp am Tor vorbei (53.). Aachens Verteidiger entwickelten sich zum besten Angreifer auf dem Spielfeld. Nächste Ecke, nächster Kopfball – Wuppertals Keeper Pepic lenkte den Ball an den Innenpfosten (63.). Fiedler und die Gäste ließen nicht locker, und so verwandelte der rechte Verteidiger aus spitzem Winkel eine Flanke von Neuzugang Wallenborn. 70 Minuten waren gespielt, der Gegner lag zurecht. „Wir hatten alles unter Kontrolle“, war nicht nur der Eindruck von Peter Hackenberg.

Wuppertal war minutenlang eingeschnürt in der eigenen Hälfte. Dass der Gegner am Ende aber ausgiebig feierte, lag an der Aachener Unachtsamkeit bei Standards und an Tjorben Uphoff. Der Wuppertaler Innenverteidiger stocherte einen verlängerten Eckball unbedrängt zum 2:1 ins Tor (80.). Der Rest war Frustbewältigung der Aachener. Kilic holte seine Mannschaft in der Kabine zusammen, verwies lieber auf die guten Phasen des Spiels. Die Enttäuschung saß aber erst einmal tief: „Wir müssen hier 5:0 gewinnen, dann können die reden wie sie wollen“, ärgerte sich Matti Fiedler. „Wir kriegen den Saisonstart einfach nicht gebacken, das ärgert mich kolossal.“

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