1. Runde FVM-Pokal: Alemannia Aachen und Raspo Brand im Vergleich

Erste Runde im FVM-Pokal : David gegen Goliath im Aachener Stadtderby

Im Pokal treffen die Großen auf die Kleinen, die Underdogs wachsen über sich hinaus, die Favoriten müssen sich häufig ordentlich strecken. In der ersten Runde treffen im Aachener Stadtderby Raspo Brand und Alemannia Aachen aufeinander. Ein Vergleich der beiden Teams.

Über 100 Jahre Tradition

Vor fast 119 Jahren gründeten 18 Aachener Schüler den Fußballclub Alemannia, nach einer Fusion mit dem Aachener Turnverein sind die Kartoffelkäfer heute offiziell der Aachener Turn- und Sportverein Alemannia 1900 e. V.

Raspo Brand hingegen ist vier Jahre jünger und seit 1904 im Aachener Südosten aktiv. Hervorgegangen ist die DJK aus der „Notwendigkeit kirchlicher Jugendarbeit“ im Jahr 1896. Mit Genehmigung des Erzbischöflichen Generalvikariats in Köln im Februar 1904 wurde die Marianische Jünglingskongregation in Brand eingeführt. Daraus entstand der heutige DJK Rasensport Aachen-Brand e. V.

Mitglieder

Die Alemannia ist Aachens größter Sportverein mit rund 5800 Mitgliedern. Damit haben die Schwarz-Gelben fast viermal so viele Mitglieder wie die Grün-Weißen, die circa 1500 Mitglieder vorzuweisen haben.

Größte Erfolge

Die Alemannia hat im Fußball schon fast alles erlebt. Jahrelang waren die Aachener das Aushängeschild im Westen. Bei der Einführung der Bundesliga 1963 wurden sie dennoch übergangen. In diese stiegen sie erstmals 1967 auf, 1969 wurden sie sensationell Deutscher Vizemeister. Im Jahr darauf folgte allerdings der Abstieg. Neben dem Vizemeistertitel stand die Alemannia auch schon dreimal im DFB-Pokalfinale, alle Partien endeten jedoch mit Niederlagen. Letztmalig erreichte der TSV 2004 das das Endspiel. Der damalige Zweitligist unterlag in Berlin dem Deutschen Meister Werder Bremen 2:3, spielte daraufhin aber in der Folgesaison im UEFA-Cup – und erreichte sogar die dritte Runde. Nach einem weiteren Jahr in der Bundesliga 2006/2007 ging es ab 2011 bergab: Abstiege und Insolvenzen beherrschten die Schlagzeilen. Mittlerweile spielt die Alemannia seit 2013 in der Regionalliga West, ist aber amtierender FVM-Pokalsieger.

Raspo Brand war immer ein fester Bestandteil des Amateurfußballs und Anlaufstelle für die Jugend, die die Ausbildung dort stets zu schätzen wusste. Als Dauergast der Kreisliga B gelang 2015 endlich der ersehnte Sprung in die Kreisliga A, der nach nur einer Saison bereits wieder „Adieda“ zugerufen wurde: Es gelang der Durchmarsch in die Bezirksliga. Dort spielen die Grün-Weißen seitdem eine gute Rolle mit zwei dritten und einem sechsten Platz am Saisonende.

Die Spielplätze

Wer an die Alemannia denkt, denkt an den Tivoli. Das Stadion an der Krefelder Straße prägt seit über hundert Jahren das Aachener Stadtbild. Bis 2009 war es der Alte Tivoli an der Kreuzung Merowingerstraße, seitdem ist es ein Stückchen die Straße runter im Sportpark Soers der Neue Tivoli. Dieser bietet fast 33.000 Zuschauern Platz und kreist damit einsam an der Spitze in der Regionalliga West. Kein Wunder, denn das Stadion ist mehr als zweitligatauglich und sollte die Schwarz-Gelben in eine sichere Zukunft führen. Es kam jedoch alles ganz anders.

Raspo trägt seine Spiele in der Regel auf der Sportanlage Wolferskaul aus. Diese ist mit einem Kunstrasen ausgestattet, um den sich rund 3000 Menschen versammeln können. Diese Infrastruktur lässt es nicht zu, dass die Grün-Weißen ihr Heimspiel auch zu Hause austragen können. Stattdessen wird die Partie auf dem Tivoli ausgetragen, der nur sieben Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Die Alemannia hat somit ein Auswärtsspiel im eigenen Stadion und Raspo ist für einen Abend Hausherr eines Stadions, das mehr als zehnmal so viele Zuschauer wie die eigene Sportanlage fasst.

Die aktuellen Teams

Die Alemannia belegt zurzeit den achten Platz in der Regionalliga West. Zuletzt zeigte die Formkurve der Mannschaft von Trainer Fuat Kilic wieder nach oben. In der abgelaufene Englischen Woche gab es ein Unentschieden beim Spitzenteam aus Verl, einen souveränen 3:0-Erfolg in Dortmund bei der Zweiten Mannschaft des BVB und zum Abschluss einen 2:1-Sieg zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach II.

Das Durchschnittsalter der Schwarz-Gelben beträgt 23,83 Jahre. Trotz des jungen Alters hat die Mannschaft bereits einige erfahrene Spieler mit vielen Jahre auf Regionalliga-Niveau und der Ausbildung bei Bundesligisten in den Jugendjahren im Team . Ein Vorteil für die Tivoli-Kicker dürfte zudem das Training unter Profi-Bedingungen sein, alle Spieler der Alemannia sind Berufsfußballer und können sich voll und ganz auf das runde Leder konzentrieren.

Die Brander spielen aktuell in der Bezirksliga, Staffel 4, und liegen dort auf Rang elf. Mit zwölf Punkten aus zehn Spielen befindet sich die DJK im tristen Mittelfeld, der Abstand auf die Abstiegszone beträgt acht Punkte, auf den Tabellenführer Wegberg-Beeck II ist allerdings auch schon auf elf angewachsen.

Mit 24,12 Jahren ist der Underdog in der ersten FVM-Pokalrunde etwas älter als die Mannschaft der Alemannia.

Die Trainer

Fuat Kilic ist seit Jahresanfang 2016 Trainer am Tivoli und auf dem besten Weg den Dienstrekord zu brechen: Wenn er am 1. Januar 2020 noch im Amt sein sollte, hatte kein Trainer vor ihm länger das Sagen an der Seitenlinie der Schwarz-Gelben. Der ehemalige Trainer von Saarbrücken, mit denen er nur knapp den Aufstieg in die 3. Liga verpasste, überraschte am Tivoli jede Saison aufs Neue mit seiner Kaderzusammenstellung, die im Sommer meist bei Null begann. Dennoch spielten seine Teams meist eine solide Rolle in der Liga, eher mit Ausschwankungen nach oben als nach unten. In der vergangenen Saison gab es dann nach Jahren der Tristesse auch wieder etwas zu feiern, denn Kilic gelang mit seiner Mannschaft der Sieg des FVM-Pokals und damit der Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals. Gegen eine Wiederholung hätte aus Sicht der Schwarz-Gelben sicher niemand etwas einzuwenden.

Daniel Formberg ist bereits zum zweiten Mal der verantwortliche Mann an der Seitenlinie der Rasensportler. Bereits in der Saison 2014/15 trainierte der heute 39-Jährige die Grün-Weißen und schaffte mit ihnen den Aufstieg in die Kreisliga A. Nach Stationen beim FC Roetgen und Hertha Walheim ist er seit dieser Saison wieder im Aachener Südosten tätig. Auch wenn es in dieser Saison schwer wird, er würde sich sicher gerne einen weiteren Aufstieg in die Vita schreiben.

Die Torjäger

Das Toreschießen ist in den vergangenen Jahren nicht immer die Paradedisziplin der Alemannia gewesen. An den Chancen mangelte es selten, es fehlte aber häufig die Konsequenz im Abschluss. Mit Dimitry Imbongo hatten mehr als zehn Tore den Tivoli im Sommer verlassen, Ersatz wurde in Form von David Bors verpflichtet. Der belegte in der abgelaufenen Spielzeit den zweiten Platz der Torschützenliste der Regionalliga West. Der Ex-Bonner riss sich allerdings früh in der Saison das Kreuzband, ausgerechnet kurz nachdem er seinen ersten Pflichtspieltreffer für sein neues Team erzielt hatte. Seitdem ist Vincent Boesen der Sturmführer bei den Kartoffelkäfern. Der 22-Jährige steht aktuell bei fünf Ligatreffern. Ein Treffer wurde ihm durch die Annullierung der Spiele von Wattenscheid wieder aberkannt, nachdem die SG ihre Mannschaft vom Spielbetrieb aufgrund einer Insolvenz abmelden musste.

Der aktuell erfolgreichste Schütze bei Raspo Brand ist Timo Staritz. Der 21-Jährige spielt seit 2018 für die Grün-Weißen, davor war er beim SV Eilendorf und der DJK FV Haaren aktiv. In dieser Saison erzielte „Titts“, wie er von seinen Mannschaftskollegen genannt wird, in bisher acht Spielen vier Treffer. Damit hat er seine Marke aus der abgelaufenen Saison schon fast eingestellt, da kam er auf sechs Tore in 17 Einsätzen.

Wer kommt weiter?

Am Donnerstagabend um 19:30 Uhr erfolgt der Anpfiff des Aachener Stadtderbys auf dem Tivoli im Rahmen der ersten FVM-Pokalrunde. Wird der Halloween-Abend mit einer bösen Überraschung für die Alemannia enden? Oder setzen sich die Schwarz-Gelben souverän durch? Stimmen Sie ab!

Die zweite Runde ist bereits ausgelost. Der Sieger der Partie empfängt am 23. November den Regionalligisten SV Bergisch Gladbach. Den empfängt die Alemannia übrigens bereits am 9. November im Rahmen des Ligaalttags.

Mehr von Aachener Nachrichten