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1. FC Köln: „Wir schauen nicht rechts und nicht links“

1. FC Köln : „Wir schauen nicht rechts und nicht links“

Der 1. FC Köln ist durch den Sieg von Hertha BSC über den SC Freiburg auf einen Abstiegsplatz abgerutscht. Am Sonntag trifft das Funkel-Team selbst auf die Schwarzwälder.

Natürlich sagt Friedhelm Funkel, Interimstrainer des 1. FC Köln, dass er „weder nach rechts noch nach links schaut. Ich blicke nur auf uns selbst“. Und weil er dies im Ton großer Überzeugung sagt vor der Partie am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den SC Freiburg, schließt sich Sportdirektor Horst Heldt an und sekundiert: „Wenn er nicht schaut, dann schaue ich auch nicht.“

Dennoch ist ein Spiel wie der 3:0-Sieg von Hertha BSC über den SC Freiburg am Donnerstagabend ein Pflichttermin für den FC-Coach, bei dem er in normalen Zeiten vielleicht selbst als Zuschauer dabei wäre, auf jeden Fall aber die Scouting-Abteilung des FC. Schließlich sind beide Vereine kommende Kölner Gegner, die Freiburger der nächste, die Hertha der übernächste. Gesehen hätte er eine wenig schöne Partie, das Team aus dem Schwarzwald packte allzu oft die Baumsäge aus, auch die Berliner wollten nicht zurückstehen, und der Schiedsrichter steuerte sieben Gelbe Karten zum Geschehen bei. Manchmal beschlich einen bei den vielen Spielern, die im leeren Stadion laut schreiend zu Boden gingen, der leise Verdacht, dass Neymar jr. seine neue DVD präsentiert.

Aber schließlich heißt es ja Abstiegs„kampf“, und der ist für die Kölner – nun auf Tabellenplatz 17 – noch ein paar Grad heißer geworden durch die vier Punkte, die die Hertha nach zweiwöchiger Quarantänepause holte, während der Kader des FC durch das Pokalwochenende zum Zuschauen verdammt war. „Es ist immer gut, wenn man Zeit auf dem Trainingsplatz verbringen kann“, gewinnt Funkel sogar diesem Umstand Positives ab. Immerhin kann der 67-Jährige vermelden, dass quasi sein kompletter Kader einsatzbereit ist, Jan Thielmann und Ismail Jakobs sind zurück im Mannschaftstraining, und auch „Problemkind“ Sebastian Andersson mit seinem lädierten Knie wird bis zum Anstoß drei Einheiten absolviert haben.

Der Kader ist so fit, dass Funkel allen Ernstes Marco Höger als einizigen Wackelkandidaten vermeldet, ein Spieler, der in dieser Saison im September und Oktober insgesamt 49 Minuten auf dem Platz gestanden hat. „Ich habe alle Alternativen bereit, aber es gibt eigentlich keinen Grund, unsere Startformation aus dem Augsburg-Spiel zu verändern“, sagt Funkel, „doch vielleicht kommt mir ja noch eine Idee.“

Spielerisch dürfte der Auftritt der Mannschaft von Trainer Christian Streich in Berlin wenige Ansatzpunkte zur Inspiration für Kölns Trainer gegeben haben, „zumal der Christian“, wie Funkel den „Superkollegen“ nennt, „taktisch auf Niederlagen reagiert und umstellt“. Es fällt nicht leicht, Funkel Sätze zu entlocken, die geeignet sind, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, es sei denn, man begnügt sich als Erklärung für die beiden Kölner Siege gegen Leipzig und Augsburg damit, dass „die Mannschaft Tore geschossen, vieles richtig und wenig falsch gemacht hat“.

Diese Herangehensweise könnte allerdings tatsächlich auch am Sonntag zum Kölner Erfolgsrezept werden, denn sie würde 1:1 das Berliner Erfolgsrezept kopieren: Leidenschaftlich haben die Hertha-Spieler in der Defensive mögliche Passwege zugelaufen, haben verhindert, dass Freiburg seine zweifellos vorhandenen Stärken über die Außenbahnen ausspielen konnte und so keine Tiefe in die Angriffe bekam. Auch Top-Joker Nils Petersen, der gegen den FC allzu gerne späte Tore schießt, wurde nach seiner Einwechslung fast komplett ausgeschaltet. Und in der Gegenrichtung zeigten die schnell vorgetragenen Angriffe Wirkung, legten die Anfälligkeit der Viererkette im Mittelfeld bloß. Fehlt zum Erfolgsrezept eigentlich nur noch, den Ball im Freiburger Tor unterzubringen.

Und während sich Funkel um das Offensichtliche kümmert, um die für den Klassenerhalt wohl notwendigen zwei Siege aus den Partien gegen Freiburg, Hertha und Schalke einzufahren, werkelt Horst Heldt im Hintergrund bereits daran, die richtige Ausrichtung für die kommende Spielzeit zu finden, „Natürlich wollen wir die neue Saison mit dem dann feststehenden Cheftrainer planen. Es gibt aber nichts Neues zu vermelden“, sagt Heldt, der Gespräche mit Ex-Coach Peter Stöger nicht eindeutig abstreitet. „Ich habe mich schon mit Friedhelm ausgetauscht, weil mir seine Meinung sehr wichtig ist, denn wir wollen uns nicht ewig Zeit lassen mit der Trainersuche.“ Heißt übersetzt eigentlich auch nur: möglichst schnell den Klassenerhalt sichern.

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn - Ehizibue, Bornauw, Czichos, J. Horn - Skhiri, Hector - M. Wolf (Drexler), Duda, Kainz - Andersson