Trainer Markus Anfang beim 1. FC Köln entlassen

Tabellenführer 1. FC Köln : Stoppschild auf der Zielgeraden für Trainer Anfang

Im Nachhinein wirkt die Werbung im Klubmagazin „Geißbock­echo“ des 1. FC Köln so, als hätte da jemand längst gewusst, was am Wochenende kommen würde. Und sich einen Spaß daraus gemacht. „Wo alles anfing, soll es auch ein gutes Ende nehmen – Prost Köln!“, lautete der Slogan zur Anzeige im Stadionheft, das vor dem Heimspiel in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Darmstadt 98 ausgeteilt wurde.

Auf dem zugehörigen Bild war Markus Anfang zu sehen, Kölns Trainer, eine Flasche Kölsch in der Hand. Ein gutes Ende gab es nicht und auch keinen Grund zum Anstoßen, nicht für den FC und schon gar nicht für Anfang, im Gegenteil: Köln verlor die Partie gegen Darmstadt am Freitagabend mit 1:2, am Samstag war Anfang seinen Job offiziell los. Entlassen, trotz der souveränen Tabellenführung und des bevorstehenden Aufstiegs.

„Mein Kölner Herz trägt Trauer“

Der Ex-Trainer sagte: „Mein Kölner Herz trägt Trauer.“ Anfang ist gebürtiger Kölner. Er hat zwar nie für den FC gespielt, aber auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass der Klub sein Herzensverein ist. Im Sommer hatten ihn die Kölner Verantwortlichen aus seinem Vertrag bei Holstein Kiel gekauft, er hatte die Norddeutschen zuvor in die 2. Liga geführt und dort gleich in der Spitzengruppe etabliert – und beim FC hofften sie, mit Anfang einen Trainer für die Zukunft gefunden zu haben.

Es kam anders. Die Beurlaubung des Trainers erfolgte genau 300 Tage nach seinem Amtsantritt, Anfang darf nicht mal mehr den Aufstieg mit den Kölnern über die Ziellinie bringen. Er übergibt den Klub als Spitzenreiter mit fünf Punkten Vorsprung auf den Zweiten SC Paderborn. Er sagte: „Ich muss die Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie natürlich schmerzt.“ Er bedanke sich bei allen, „die mich unterstützt haben“, was eine interessante Einschränkung war. Und wünschte dem Klub „alles Gute für die Zukunft“. Als Abfindung soll der entlassene Trainer, dessen Vertrag eigentlich bis 2021 galt, ein Jahresgehalt erhalten.

Ein Verbleib des 44-Jährigen über den Sommer hinaus war zuletzt immer unwahrscheinlicher geworden; eine Trennung noch in der Saison empfinden viele jedoch als einen harten Schritt. Zwar ist von Feierlaune in der Domstadt nichts, aber auch gar nichts zu spüren, Kritik an der Taktik hielt sich ebenso hartnäckig wie Gerüchte über Unstimmigkeiten mit Teilen der Mannschaft. Doch in Sachen Aufstieg fehlt trotz vier Spielen ohne Sieg nur noch die Vollzugsmeldung.

„Die Mannschaft wird es in den letzten drei Saisonspielen auf jeden Fall über die Ziellinie schaffen“, sagte auch Anfang. Sportchef Armin Veh sah den Aufstieg aber offenbar als gefährdet an – und entschied sich zur radikalen Reaktion. „In dieser Phase der Saison war es notwendig, etwas zu verändern, um unser Ziel nicht in Gefahr zu bringen“, erklärte er. Auch Tom Cichon und Florian Junge, Anfangs Co-Trainer, müssen gehen. Die fehlenden Punkte für den Aufstieg soll nun der bisherige U 21-Trainer André Pawlak mit Manfred Schmid, der einst als Co Trainer von Peter Stöger für den FC arbeitete und jüngst als Chefscout zurückkehrte, holen.

In der kommenden (Bundesliga-)Saison soll dann aber wohl ein anderer Trainer an der Seitenlinie stehen. Und es passt zum FC und der aufgeheizten Stimmung, dass bereits zahlreiche Kandidaten in der Domstadt gehandelt werden. Auch der frühere Kölner Stürmer Bruno Labbadia ist darunter, er hört zum Saisonende beim VfL Wolfsburg auf. Es ist per se Aufgabe der Geschäftsführung und somit des Sportchefs Veh, einen neuen Trainer vorzuschlagen, aber am Ende muss beim FC auch der Gemeinsame Ausschuss Grünes Licht geben. In diesem Gremium soll es keine Mehrheit für Labbadia geben.

Viele Spekulationen

Gemutmaßt wird auch über ein Interesse der Kölner an Achim Beierlorzer, der derzeit Ligakonkurrent Jahn Regensburg durchaus erfolgreich trainiert, und am zuletzt bei Hannover 96 entlassenen André Breitenreiter. Laut „Bild“-Zeitung soll der scheidende Berliner Trainer Pal Dardai dem FC bereits abgesagt haben. Spekuliert wird auch über ein Engagement von David Wagner.

Der Deutsch-Amerikaner arbeitete zunächst im Juniorenbereich, dann für die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund, zuletzt in England bei Huddersfield Town. Wagner führte den Klub 2017 in die Premier League und schaffte den Klassenerhalt. Im Januar trat er zurück.

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