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Köln: Stögers Rückkehr soll zweitrangig sein

Köln : Stögers Rückkehr soll zweitrangig sein

Stefan Ruthenbeck gibt sich betont locker, als er an diesem Donnerstagmittag zur Spieltags-Pressekonferenz des 1. FC Köln kommt: „Viel los hier, spannend“, sagt der FC-Coach überrascht — und gibt sich sogleich alle Mühe, das Freitagsspiel in der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Dortmund (20.30 Uhr/Eurosport) nicht unter die Überschrift „Return of Stöger“ zu stellen.

Der aktuelle Kölner Trainer versucht, den Fokus auf etwas anderes zu richten als auf das Prestigeduell mit seinem Vorgänger, der in seiner neuen schwarz-gelben Dienstkleidung immer noch ein wenig so wirkt, als habe er sich für eine Kölner Karnevalssitzung verkleidet. Und so preist Ruthenbeck zunächst die fußballerischen Qualitäten des Gegners, dem seine eigenen Spieler „alles entgegenwerfen werden“. Dieser BVB, sagt der 45-Jährige, „war in den vergangenen Jahren die zweitstärkste deutsche Mannschaft, das ist für mich das ganz große Ereignis“. Für ihn lässt das nur einen Schluss zu: „Es geht gegen Sokratis und Toprak, nicht gegen Stöger.“

Dabei ließe sich dieses Aufeinandertreffen problemlos mit genügend Folklore anreichern, um als die zentrale Geschichte dieses Spiels herzuhalten: Erfolgsheld Stöger, der den 1. FC Köln in seiner Amtszeit von der 2. Liga bis in den Europapokal führte — aber am Ende seiner kölschen Tage einen demoralisierten Haufen mit einer ellenlangen Verletztenliste hinterließ.

Volksheld Stöger, der natürlich genau gegen Borussia Dortmund eine grandiose Bilanz aufzuweisen hat, auch wenn das 0:5 zuletzt im September die Erinnerung an die zwei Siege und vier Unentschieden zuvor getrübt hat. Aus seiner Emotionalität macht Stöger jedenfalls kein Geheimnis: „Natürlich ist das alles andere als ein normales Spiel für mich“, sagt der Österreicher. Und ein bisschen unbehaglich ist ihm auch: „Ich weiß selbst nicht genau, wie ich mich fühlen und mit der Situation umgehen werde.“

Thema „Klassenerhalt“ zurück in der Wirklichkeit

Doch gerade Ruthenbeck hat mit seiner Arbeit in Köln dafür gesorgt, dass das schöne Folklorethema in den Hintergrund gerückt ist, denn der FC ist zwar immer noch das Tabellenschlusslicht der Bundesliga, aber nach sieben Punkten allein in diesem Jahr und zehn Punkten unter seiner Ägide insgesamt geht es für den FC ja wieder um etwas. Das Thema „möglicher Klassenerhalt“ ist heraus aus der Abteilung Mythen und Märchen und zurück in der Wirklichkeit.

So wirkt es auch ein wenig schwach als Beweis für die BVB-Stärke, wenn Ruthenbeck darauf verweist, dass „Dortmund in den letzten acht Spielen nur einmal verloren hat“. Denn darin steckt auch die Wahrheit, dass die Schwarz-Gelben die letzten drei Ligaspiele nicht gewonnen hat — und ein vierter Punktverlust in Folge und das Verpassen des Champiions-League-Platzes durchaus das Ende von Stöger beim BVB beschleunigen könnte. Trotzdem: „Ich weigere mich zu sagen, dass Dortmund in der Krise steckt, das Team ist schwer zu besiegen“.

Doch da es für den FC beim „nächsten Endspiel“ wieder um etwas geht, referiert Ruthenbeck lieber über den „mörderischen Druck“, der auf seinen Spielern lastet, und der durch die bisherigen Erfolge nicht geringer, sondern nur anders geworden ist. „Wir hätten die schlechteste Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten werden können. Das will niemand gerne in seiner Vita stehen haben“, blickt der FC-Coach auf seine Anfänge zurück. Nun, da das Gespenst gebannt ist, die Nachfolge von Tasmania Berlin antreten zu müssen, habe sich die Ausgangslage geändert. Es gelte jetzt, den sich bietenden Strohhalm beherzt zu ergreifen.

Noch 14 Spiele

Dass die Spieler genau das umsetzen, dekliniert Ruthenbeck dann an der Partie gegen Augsburg durch, bei der vielen das Unentschieden wie eine Niederlage vorkam. „Wir sind haben gegen eine physisch starke Mannschaft ab der 85. Minute noch einmal was draufgelegt, die Mannschaft ist fast 119 Kilometer gelaufen“, führt der 45-Jährige Tugenden an, die im Fußball-Quartett durchaus stechen könnten. Denn (noch) 14 Endspiele bedeuten natürlich nicht 14 Siege, und so muss man auch kleinere Erfolge zu größeren machen. „Wir hatten Erfolgserlebnisse und haben viele Gespräche in der Gruppe und auch einzeln geführt. Das hat sich ausgezahlt.“

So gehört in die Kategorie Neuerungen auch, dass im Fall von Yuya Osako eine Ausnahme gemacht wird für die Partie gegen den BVB. Denn der Japaner plagt sich zwar mit einer Erkältung herum, „aber die Nichtteilnahme am Abschlusstraining bedeutet nicht, dass er auch nicht im Kader stehen wird“, erklärt Ruthenbeck, der „einige Kniffe vorbereitet“ hat, um das Dortmunder Spiel durcheinander zu bringen. Wenn jeder Punkt zählt und sogar das Trainerduell zweitrangig wird, bleibt noch weniger Platz für Magie, Ruthenbeck sagt: „Die Spieler wissen, dass wir nicht in einem Harry-Potter-Film sind.“

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn - Sörensen, Meré, Heintz, Hector - Höger, Özcan - Clemens, Jojic - Zoller , Terodde (Osako)