Nach großem Kampf: Kölns Mut wird nicht belohnt

Nach großem Kampf : Kölns Mut wird nicht belohnt

Der 1. FC Köln verliert sein erstes Heimspiel 1:3 gegen den selbsternannten Meisterschaftsfavoriten Borussia Dortmund – trotz Führung und einer starken Leistung.

Dass dieses Fußballspiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund irgendwie in Erinnerung bleiben würde, stand schon vor dem Anpfiff fest, es war ja ein besonderes, vor allem für den FC. Es war der erste Auftritt im eigenen Stadion nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga; Freitagabendspiel, starker Gegner, ausverkauft.

Dazu gab Trainer Achim Beierlorzer sein Heimdebüt, und auch für Hennes IX. war es eine Premiere: Der Geißbock stand erstmals an der Seitenlinie, weil sein Vorgänger als Maskottchen wegen einer Arthrose die Karriere vorzeitig beenden musste. Ein Spiel, viele Geschichten. Und an der schönsten des Abends schrieb die Kölner Mannschaft auf dem Platz, sie hatte allerdings kein Happy End: Lange führte der Aufsteiger gegen den selbsternannten Meisterschaftsfavoriten, spielte phasenweise großartig – und musste sich Dortmund am Ende doch 1:3 geschlagen geben.

Beierlorzer hatte vor dem Spiel angekündigt, „mutig“ gegen den großen Favoriten spielen zu wollen, und so stellte der Trainer auch auf: Er ließ mit Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw für Jorge Meré und dem defensiven Mittelfeldspieler Ellyes Skhiri für Marco Höger auch die Neuzugänge vier und fünf von Beginn an ran; Kingsley Ehizibue, Birger Verstraete und Kingsley Schindler starteten erneut.

Neben Schindler stand mit Dominick
Drexler dazu ein weiterer offensiver Flügelspieler in der Startelf. Und im Vergleich zur 1:2-Niederlage beim VfL Wolfsburg zum Saisonauftakt gab es neben Anthony Modeste auch noch einen zweiten Stürmer: Jhon Cordoba kehrte nach seiner Sperre zurück und ersetzte Mittelfeldspieler Florian Kainz.

Und „mutig“ war auch der Start ins Spiel: Dortmund hatte zwar öfter den Ball, das ist der Anspruch einer Spitzenmannschaft, aber Köln ließ sich nicht in der eigenen Hälfte einschnüren, lief den Gegner früh an, war giftig in den Zweikämpfen. Und frech in der Offensive, was vor allem am wieder mal starken Cordoba lag. Große Chancen gab es auf beiden Seiten zunächst nicht, doch spätestens, als Cordoba und Modeste gleich drei Mal binnen weniger Sekunden aufs Tor schossen und jedes Mal nur ein Dortmunder Bein im Weg war (27. Minute), hatte der FC sein Vorhaben auch auf dem Platz deutlich gemacht.

Und zählbar wurde es nur gut 60 Sekunden später: Ecke Verstraete, Kopfballverlängerung Skhiri – und am langen Pfosten tauchte Drexler ab, um den Ball knapp über der Grasnarbe mit dem Kopf ins Tor zu bugsieren. 1:0 auf dem Platz, und auf den Rängen des Stadions tobten die Fans.

Der BVB tut sich lange schwer

Jede gelungene Aktion des FC wurde frenetisch gefeiert, und Dortmund tat sich schwer damit, ins Spiel zu kommen. Weil Kölns Mannschaft kaum Räume öffnete. Weil sie  – und allen voran Rechtsverteidiger Ehizibue – nahezu jeden Zweikampf gewann. Und weil sie mutig blieb und fast erhöht hätte: Cordoba stibitzte dem nachlässigen Dortmunder Torwart Roman Bürki den Ball vom Fuß, legte ihn sich aber zu weit vor (43.).

Der FC versuchte, seinem Spiel auch nach der Halbzeitpause treu zu bleiben, Dortmund kam nun allerdings stärker zurück – vermutlich, weil Trainer Lucien Favre in der Kabine ein paar passende Worte gefunden hatte. Paco Alcacer scheiterte durchaus freistehend an Kölns Torwart Timo Horn (56.). Eher leichtsinnig als mutig war Bornauws Tänzchen mit zwei BVB-Angreifern vor dem eigenen Strafraum; der belgische Innenverteidiger brachte den Ball aber doch irgendwie aus der Gefahrenzone. Es traf zwar wieder der FC – diesmal aber zählte das Tor nicht: Modeste hatte bei seinem Abstauber im Abseits gestanden (62.). Und der BVB drückte weiter: Kölns Torhüter Horn parierte stark gegen Marco Reus (63.), vier Minuten später klärte Innenverteidiger Bornauw in höchster Not gegen Dortmunds Kapitän.

In der 70. Minute waren auch die beiden schließlich machtlos: Nach einer schnell ausgeführten Ecke traf der unauffällige Jadon Sancho mit einem Flachschuss zum 1:1. Geschockt wirkte der FC nicht, Beierlorzers Selbstbewusstsein hat womöglich bereits auf seine Spieler abgefärbt, und doch war der BVB dem Sieg in der Schlussphase näher. Was mit der individuellen Klasse der Dortmunder zu tun hatte. Und damit, dass die Beine der Kölner müde wurden. Es folgte der fast tragische K.o.: Nach einer Flanke traf Achraf Hakimi per Kopf zum 2:1 für den Favoriten (87.). Und in der Nachspielzeit vernichtete Alcacer dann auch die letzte Hoffnung auf ein Kölner Happy End.

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