Kingsley Ehizibue ist ein Neuzugang beim 1. FC Köln

Interview mit Kingsley Ehizibue : Die Schnelligkeit ist seine große Stärke

Im Privatleben des Kingsley Ehizibue darf es auch mal ein bisschen langsamer zugehen. Auf dem Platz sieht das anders aus; der neue Rechtsverteidiger des FC lebt von seiner Schnelligkeit. Im Interview mit Lukas Weinberger spricht er über Ziele, Stärken, Schwächen – und seinen Namen.

Hallo Herr Ehizibue. Sie haben einen sehr schwierigen Nachnamen.

Kingsley Ehizibue: Ja, das hab‘ ich schon öfter gehört.

Verbringen Sie viel Zeit damit, Menschen zu erklären, wie Ihr Name ausgesprochen wird?

Ehizibue: (lacht) Ach, ich kenne das nicht anders. Diese Fragen kommen immer wieder. Das war in den Niederlanden so, in Deutschland ist es jetzt genauso. Ich habe mich daran gewöhnt.

Dann ist die Frage ja erlaubt: Wie wird Ihr Name ausgesprochen?

Ehizibue: Na, Ehizibue [æ:si:bu:æ]! Der Anfang wird wie ein Ä gesprochen, das Ende auch – und der Mittelteil wie ein S. Klingt gut, oder? Ich mag meinen Namen.

In Deutschland gibt’s die Redewendung „sich einen Namen machen“. Ist doch ein schönes Ziel für Sie, oder?

Ehizibue: Irgendwie schon, aber es ist nicht mein größtes Ziel. Ich bin nach Deutschland zum 1. FC Köln gekommen, weil ich eine erfolgreiche Zeit haben will, mit dem Klub, mit der Mannschaft.

Sie haben bislang für PEC Zwolle gespielt, haben mehr als 100 Spiele in der Eredivisie gemacht – aber in Deutschland hat Sie fast niemand gekannt. Warum eigentlich?

Ehizibue: Weil ich fast mein ganzes Leben in Zwolle gewohnt und für PEC gespielt habe. Jetzt werden mich auch die deutschen Fußballfans kennenlernen.

Wie sind Sie zum FC gekommen?

Ehizibue: Die ersten Gespräche sind schon ein paar Monate her. Ende April habe ich das erste Mal ein Spiel gesehen, ein Heimspiel gegen Darmstadt. Köln hat leider 1:2 verloren – aber ich hatte ein sehr gutes Gefühl. Die Verantwortlichen, die Fans, das Stadion, die Stadt – das hat einfach gepasst.

Klingt nach dem sogenannten logischen nächsten Schritt in der Karriere eines Fußballers.

Ehizibue: So ist es ja auch. Ich mochte die Bundesliga schon immer. Sie ist perfekt, um sich als Spieler weiterzuentwickeln – weil es einfach sehr viele gute Mannschaften gibt. Es ist der nächste Schritt für mich – und es ist ein großer. Trotzdem freue ich mich darauf.

Haben Sie sich bereits in Köln eingelebt?

Ehizibue: Naja, von der Stadt gesehen habe ich noch nicht so viel gesehen. Ich war mal am Dom, das ist ja neben dem FC das Wichtigste in der Stadt. Ansonsten war ja ständig Training in der Vorbereitung (lacht). Im Ernst: Es ist schon eine Umstellung aus einem niederländischen Städtchen wie Zwolle in eine Metropole zu ziehen. Köln ist aber eine tolle Stadt, die Menschen sind alle sehr freundlich. Ich fühle mich wohl.

13.000 Zuschauer passen in Zwolles Stadion, in Köln werden Ihnen fast 50.000 Menschen zusehen – haben Sie ein bisschen Angst?

Ehizibue: Nein, ich habe keine Angst, ich kann’s eigentlich kaum erwarten. Ich mag es, vor vielen Zuschauern zu spielen. Mit Zwolle habe ich ja schon in großen Arenen gespielt, in Amsterdam, Eindhoven oder Rotterdam – aber das war natürlich nicht „mein“ Stadion. Das Rhein-Energie-Stadion ist jetzt „mein“ Stadion, mit fast 50.000 Plätzen – das ist echt cool.

Neben Ihnen gibt es mit Sebastian Bornauw, Ellyes Skhiri, Birger Verstraete und Kingsley Schindler vier weitere Zugänge mit Startelfpotenzial. Wie läuft die Integration?

Ehizibue: Als wir angekommen sind, hatten wir alle das Gefühl, dass wir schon lange da sind, dass wir uns schon zehn Jahre kennen und miteinander Fußball spielen. Ich glaube, dass ich da für alle spreche. Wir sind toll aufgenommen worden.

Welche Ziele haben Sie mit der Mannschaft in dieser Saison?

Ehizibue: Das größte und wichtigste Ziel ist es, in der Bundesliga zu bleiben. Und zu zeigen, dass wir richtig guten Fußball spielen können. Wir wollen schöne Momente bereiten, für uns als Mannschaft, für den Verein, für die Fans – und dann schauen wir, wo die Reise hingeht.

Ist die Mannschaft gut genug?

Ehizibue: Auf jeden Fall. Wir haben ein starkes Team, die Energie ist super, die Atmosphäre großartig. Ab Samstag wollen wir es auf den Platz bringen.

Das will ja auch der neue Trainer Achim Beierlorzer sehen.

Ehizibue: So muss es sein. Wir haben ein gutes Trainerteam, die Coaches helfen uns, uns weiterzuentwickeln. Ich mag die Idee des mutigen Fußballs, den wir spielen wollen. Das passt zu unserer Mannschaft.

Und wie wollen Sie persönlich helfen, dass die Ziele erreicht werden?

Ehizibue: Ich bin ein schneller Spieler und körperlich stark. Als Rechtsverteidiger steht für mich die Defensive im Vordergrund, aber ich will mich auch offensiv einbringen.

Warum sind Sie eigentlich so verdammt schnell?

Ehizibue: (lacht) Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Wahrscheinlich ist es ein Geschenk Gottes. Ich danke ihm jeden Tag dafür. Ich bin ja auch ziemlich groß, und es ist nicht immer so, dass große Spieler auch schnell sind. Natürlich arbeite ich auch hart für diese Schnelligkeit, ich gebe in jedem Training alles, im Spiel sowieso. Wer nur 50 Prozent gibt, ist nicht gut genug.

Ihre Flanken sind auch ganz schön gefährlich.

Ehizibue: Finden Sie? Ich denke, dass ich noch an meinen Flanken arbeiten kann. Manchmal sind sie wirklich gut, aber nicht immer. Auch wenn ich in der Vorbereitung das eine oder andere Tor vorbereitet habe, kann ich mich da noch verbessern. Ich will effektiver werden. Mein Anspruch ist es, dass zehn von zehn Flanken gut sind.

Was müssen Sie noch verbessern?

Ehizibue: Das Spiel in Deutschland ist viel schneller als in den Niederlanden, daran werde ich mich gewöhnen und meine Entscheidungen schneller treffen müssen. Im Moment ist es so, dass ich schon immer einen Schritt weiter denke, wenn ich an den Ball komme. Ich will aber dahin kommen, dass ich schon zwei, drei Schritte weiter bin. Dafür schaue ich mir auch mal was bei meinen Mitspielern ab.

Der FC hatte zuletzt Probleme auf der Rechtsverteidigerposition. Sind Sie die Lösung?

Ehizibue: Das hoffe ich doch. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben. Ich finde aber, dass wir ein paar Spieler im Kader haben, die diese Position gut spielen können.

Aber Sie haben den Anspruch von Anfang an zu spielen.

Ehizibue: Klar. Ich will am Anfang des Spiels auf dem Platz stehen, in der Mitte und am Ende. Ich will Stammspieler sein.

In der Vorbereitung sah es so aus, als würde Ihr Zusammenspiel mit Schindler im rechten Mittelfeld ganz gut funktionieren.

Ehizibue: Ja, das Gefühl habe ich auch. Kingsley ist ein großartiger Spieler, er ist auch schnell, in der Offensive gefährlich, aber auch gut in der Verteidigung. Wir können voneinander lernen, uns gegenseitig helfen. Die Chemie passt gut.

Liegt das am gleichen Vornamen?

Ehizibue: (lacht) Vielleicht ist es das. Es ist lustig, dass wir den gleichen Vornamen haben.

Und mit Coman vom FC Bayern München gibt es ja noch einen dritten Kingsley in der Bundesliga.

Ehizibue: Stimmt. Wir werden sehen, welche Kingsleys gewinnen werden.

Der FC hat ja zwei.

Ehizibue: Ja, dann gewinnen wir (lacht).

Es könnte sein, dass das ganze Kölner Stadion dann „Ehizibue“ ruft. Die Frage ist nur, ob die Fans Ihren Namen dann richtig aussprechen.

Ehizibue: Ach, es ist egal, ob sie meinen Namen richtig aussprechen. Alles, was sie rufen und irgendwie ein bisschen nach Ehizibue klingt, wäre großartig. Sie dürfen mich aber auch einfach „Easy“ nennen, das machen meine Mitspieler auch. „Easy“, das ist doch wirklich einfach.

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