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Köln: Geißbock Hennes wird am Samstag wohl nicht auflaufen

Köln : Geißbock Hennes wird am Samstag wohl nicht auflaufen

Exakt 48 Stunden vor dem Anpfiff hatte die Arbeitskolonne des Fertigrasen-Zuchtbetriebs Peiffer aus Willich die letzten Grassoden vor der Westtribüne des Rhein-Energy-Stadions verlegt, die neue „Wies‘n“ für den Auftritt des FC Bayern München beim 1. FC Köln am Samstag (15.30 Uhr) war bereitet.

„Einsetzbar von der Kreisliga bis zur Champions League“, preist die Firma ihr Produkt an — und attestiert bescheiden neben Scherfestigkeit und guter Regenerationsfähigkeit auch eine hervorragende Optik.

Eigenschaften, die dem Kölner Kader beim Kräftemessen mit dem Übergegner sicher auch selbst gut zu Gesicht stehen, aber ist es denn unbedingt nötig, so einer spielstarken, schnellen und kombinationsfreudigen Mannschaft auch noch den grünen Teppich auszurollen? Andere hätten da doch sicher . . . „Aber wir sind keine andere Mannschaft“, weist Kölns Coach Peter Stöger solche Gedankenspiele weit von sich und beweist Wiener Kaffeehaus-Dialektik in Vollendung: anders sein als andere, weil man halt kein anderer ist.

Ein rhetorischer Kniff des 49-Jährigen, der sich ansonsten unter dem Eindruck des Champions-League-Auftrittes der Bayern gegen Juve in eher fachmännischer denn unterwürfiger Bewunderung für den kommenden Gegner ergeht. Er spricht von „unfassbarer fußballerischer Qualität“ und preist die „unglaublich imponierende Moral“, dieses Spiel noch drehen zu wollen, obwohl die Pokalvitrinen an der Säbener Straße doch schon bis zum Bersten gefüllt sind. „Das verlangt höchsten Respekt ab.“

Aber wie tritt man bloß gegen einen solchen 66-Punkte-Gegner an? Der Kölner Boulevard hatte schon tagelang spekuliert, ob der FC nun mit Vierer-, Fünfer- oder Sechserkette — inklusive Geißbock Hennes — aufläuft. Vielleicht könnte man ja auch Sportdirketor und Ex-Torhüter Jörg Schmadtke neben Timo Horn ins Gehäuse stellen, oder gleich den Lastwagen der Rollrasen-Firma vor dem Tor geparkt lassen.

Es sind ganz andere Hinweise, die den Österreicher optimistisch stimmen. Etwa, dass „in Kreisen meiner Spieler viel diskutiert und gesprochen wird über die Qualität des Gegners und wo man ihm trotzdem Probleme bereiten kann“, plaudert Stöger ein wenig aus dem FC-Kabinen-Nähkästchen. „Alle brennen auf den Samstag hin“, konstatiert der Kölner Coach und findet es noch nicht einmal erwähnenswert, dass sich keiner seiner beiden „Fünfer-Kandidaten“ — Kevin Vogt und Anthony Modeste haben jeweils vier Mal die Gelbe Karte gesehen — in der Partie in Hannover gemäß der aktuell grassierenden Mode für das Bayern-Spiel absichtlich abgemeldet hat.

„Viele Dinge gibt‘s nicht“, zählt Stöger die Möglichkeiten, den Bayern-Express zu stoppen, an zwei Fingern auf: „Eine Mannschaft, die auf Ballbesitz baut und sehr hoch steht, könnte man mit schnellem Umschaltspiel in Konter verwickeln“, doziert der 49-Jährige aus dem Fußballlehrer-Handbuch. „Und man kann versuchen, die Einzelqualitäten der Spieler im Griff zu haben“, fährt Stöger fort und resümiert: „Das ist dann aber auch schon genug Arbeit.“

Wie es gehen kann, das habe Juventus Turin ja schön vorexerziert und „eine Stunde lang sehr gut hoch verteidigt, und wenn man keinen Zugriff auf den Ballführenden bekommen hat, sehr kompakt gestanden“. Dies könnte natürlich auch eine Blaupause für den Kölner Matchplan sein, auch wenn ein Marcel Risse nun mal kein Sami Khedira ist und ein Filip Mladenovic bei weitem kein Alex Sandro. „Und am Ende hat es ja auch nicht gereicht“, hält der Fußballfan Stöger fest.

Aber wenn der Trainer Stöger schon so ausführlich wenig über eigene Pläne und Ideen ausplaudern will, dann dürfen sich die Bayern mit Sicherheit doch auf die ein oder andere Überraschung einstellen, und der neue Rasen ist nur Teil des großen Verwirrspiels. Schließlich ist man als 1. FC Köln ja immer noch anders als die anderen, weil man halt kein anderer ist.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Sörensen, Mavraj, Heintz - Risse, Lehmann, Hector, Mladenovic - Bittencourt, Gerhardt - Modeste