Kölns Heimauftakt gegen den BVB: Ein Spiel, das zum „Volksfest“ werden soll

Kölns Heimauftakt gegen den BVB : Ein Spiel, das zum „Volksfest“ werden soll

Der 1. FC Köln trifft am Freitag auf den Meisterschaftskandidaten Borussia Dortmund – und will den Favoriten ärgern. Torjäger Anthony Modeste hat noch gute Erinnerungen an den BVB.

„Wenn man mich als Spieler gefragt hätte, welches Spiel ich unbedingt spielen wollte, hätte ich gesagt: genau dieses.“ Trainer Achim Beierlorzer verbreitet schon im Vorfeld die Begeisterung, die er auch von den Fußballern des 1. FC Köln erwartet. Freitagabendspiel, erste Heimbegegnung der neuen Bundesliga-Saison, Flutlicht, ausverkauftes Stadion – und der Gegner ist Spitzenreiter Borussia Dortmund (20.30 Uhr). Eigentlich optimale Voraussetzungen, zumal der 51-Jährige gegen den mächtigen, vielleicht übermächtigen Gegner auf eine Art Doppelpass-Spiel baut. „Meine Mannschaft muss die richtigen Mittel finden, wie wir auftreten wollen“, lautet die erste Hälfte der Losung. „Und wir müssen einen Fußball spielen, der die Zuschauer mitnimmt, alles reinwerfen und versuchen, die Wucht der Fans ins Stadion zu bringen“, die zweite.

Rennen, rackern, mutig sein

So weit die Theorie, doch wie setzt man die in einen Matchplan auf dem Platz um? „Die Dortmunder sind sehr ballsicher, haben viel Tiefgang und eine hohe Geschwindigkeit“, zählt Kölns Trainer die Vorzüge des Gegners auf, um dann die geeigneten Mittel dagegen zu benennen: „Wir brauchen viel Laufarbeit, eine gute Raumaufteilung und vor allem Mut.“ Ein Spieler, der im Kölner Kader für wuchtiges Auftreten und Schnelligkeit steht, ist Jhon Cordoba, der seine Rotsperre abgesessen hat. „Er hat natürlich Startelf-Potenzial – aber wir haben einen breiten Kader: Ich werde mir Zeit lassen, die richtigen Spieler auszuwählen“, ließ sich Beierlorzer nicht entlocken, welchen elf Spielern er das Vertrauen zum Anpfiff schenken wird. Auch Louis Schaub steht dem Trainer nach einer Kapselverletzung wieder zur Verfügung.

Es ergebe wenig Sinn, „die Dortmunder Offensive erst 30 Meter vor unserem Strafraum aufzunehmen“, sagt Beierlorzer – und kann als Beweis für diese These das Auftaktspiel des BVB gegen den FC Augsburg nennen, als die Dortmunder Spitzen sich scheinbar mühelos bis in die rote Zone des Gegners durchkombiniert haben. Am Ende siegte der Vizemeister des Vorjahres und Titelaspirant für die aktuelle Saison mühelos mit 5:1.

David gegen Goliath

Die Augsburger hätten nach dem frühen Führungstor viel zu passiv agiert und sich quasi in ihr Schicksal ergeben, befand Beierlorzer. Dementsprechend dürften seine Kölner den Gegner früher angehen – und versuchen, den gegnerischen Spielaufbau zu stören, im Idealfall zu unterbinden. „Dortmund muss spüren, wie unangenehm es ist, gegen uns zu spielen“, hofft der Trainer darauf, den gegnerischen Spielern Frustrationserlebnisse zu bescheren und ihnen die Lust am Spiel zu nehmen. Dafür braucht der FC aber eine Leistungssteigerung; bei der 1:2-Auftaktniederlage beim VfL Wolfsburg enttäuschte der Aufsteiger vor allem in der zweiten Halbzeit.

Dass man das Aufeinandertreffen von David und Goliath durchaus auch als Vorteil für das auf dem Papier unterlegene Team nutzen kann, machte Beierlorzer am Beispiel von Zweitligist Jahn Regensburg, seine vorherige Station, klar. „Ich habe die Regensburger in der vergangenen Saison ja trainiert, und als wir in Köln spielen mussten, sagte jeder, da brauchen wir gar nicht hinzufahren, Köln ist drückend überlegen, das ist aussichtslos – aber in der 2. Liga hat jede Mannschaft aus dem Spiel gegen den FC ein Volksfest gemacht und darin ihre Chance gesucht.“ Gegen Dortmund seien die Vorzeichen nun umgekehrt, „und wir machen ein Volksfest daraus“. Das bislang letzte „Volksfest“ gegen den BVB gelang dem FC am 19. Dezember 2015; damals schoss Stürmer Anthony Modeste in der 90. Minute das Siegtor zum 2:1. Dass sein Team als Underdog in das Kräftemessen mit dem selbsternannten Meisterschaftskandidaten geht, nimmt der FC-Trainer durchaus dankend an: „Jeder begibt sich gern in die Rolle des Außenseiters, wenn er sich der eigenen Stärke bewusst ist. Das muss das Ziel sein.“

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Ehizibue, Meré, Czichos (Bornauw), Hector - Schindler, Högger (Skhiri), Verstraete, Drexler - Modeste, Cordoba

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