FC verliert gegen Hertha BSC: Ein Sonntagabend zum Vergessen

FC verliert gegen Hertha BSC : Ein Sonntagabend zum Vergessen

Diesen Sonntagabend hatten sie sich alle ganz anders vorgestellt – die Fans, die Mannschaft, der Trainer: Der 1. FC Köln verliert 0:4 gegen Hertha BSC und steckt nach sechs Spieltagen tief im Keller der Tabelle fest.

Es wäre nachvollziehbar gewesen, wenn Timo Horn in den Katakomben des Rhein-Energie-Stadions laut geworden wäre, wenn er geschimpft und gescholten hätte. Der Torhüter des 1. FC Köln hatte schließlich im vorausgegangenen Fußballspiel gegen Hertha BSC vier Treffer kassiert, 0:4 war der FC am Sonntagabend zum Abschluss des 6. Spieltags in der Fußball-Bundesliga untergegangen.

Horn sprach dennoch ruhig und bedacht – er sagte dabei aber einen Satz, der lauter hallte als jede Polterei: „Wenn wir so spielen wie gegen Berlin, wird es sehr schwer für uns.“ Und es braucht ja nicht viel, um seine Worte mit Fakten zu unterfüttern: Der FC ist Tabellen-17., hat fünf von sechs Spielen verloren; er hat erst vier Tore geschossen, aber schon 15 Treffer kassiert. Diesen Sonntagabend hatten sie sich alle ganz anders vorgestellt – die Fans, die Mannschaft, der Trainer. „Diese Niederlage ist sehr bitter“, sagte Achim Beierlorzer. „Das Drehbuch für dieses Spiel hat sich jemand ausgedacht, der definitiv kein Fan des FC war“, mutmaßte der Kölner Trainer.

Die vergebenen Großchancen

Beim FC hatten sie die Partie gegen die Berliner wegen des schweren Auftaktprogramms zum verspäteten Saisonstart erklärt; es sollte der zweite Sieg des Aufsteigers her, Beierlorzer wollte seine Mannschaft „mutig“ und „mit absolutem Siegeswillen“ sehen. Und so hatte er ja auch aufgestellt: Neben den unvermeidlichen Umstellungen in der Viererkette – Benno Schmitz verteidigte für den gesperrten Kingsley Ehizibue, Jorge Meré für den erkrankten Rafael Czichos – setzte Beierlorzer mit Anthony Modeste wieder auf einen zweiten Stürmer. Der Trainer hatte einen Plan, den er nach nur fünf Minuten aber schon ändern musste: Dominick Drexler vertrat sich, musste raus; Kingsley Schindler kam.

Der FC fand dennoch recht gut in die Partie, präsent in den Zweikämpfen, gefällig im Offensivspiel – und wurde auch gefährlich: Florian Kainz scheiterte mit einem scharfen Freistoß an Berlins Torwart Rune Jarstein (7.), Jhon Cordoba mit zwei Kopfbällen aus guter Position (14., 17.). Beierlorzer sagte: „Da müssen wir uns einfach belohnen.“ Dass die Kölner das nicht taten, freute vor allem Ante Covic: „Da hatten wir glückliche Momente“, sagte der Trainer der Hertha.

Und so nahm das Unheil für den FC seinen Lauf, in Führung gingen nämlich die Berliner: Kölns Abwehr klärte den Ball nicht mit letzter Konsequenz, Javairo Dilrosun schlenzte den Ball aus 18 Metern einfach ins lange Eck (23.) – „weil die Abwehr viel zu passiv war“, analysierte Beierlorzer. Es war im Grunde der erste Torschuss der Berliner, eine ziemlich unverdiente Führung.

Für den FC bedeutete das eine unrühmliche Marke: In jedem der bislang sechs Saisonspielen hat Beierlorzers Mannschaft irgendwann zurückgelegen. Und irgendwie war das dem Team auch anzumerken, Hertha blieb gefährlich: Vladimir Darida traf das Außennetz, (27.); Dilroson setzte seinen zweiten Kunstschuss nur an die Latte (35.). Das zweite Gegentor blieb dem FC erspart, knüppeldick kam es dennoch.

Und Meré muss vorzeitig duschen

Schiedsrichter Sören Storks zeigte Meré in der 41. Minute die Rote Karte (41.). Kölns Spieler schimpften, die Zuschauer buhten – was nachvollziehbar war, weil die Entscheidung zwar nicht ungerechtfertigt, aber durchaus schwierig war: Storks hatte gesehen, dass Meré Darida mit offener Sohle am Schienbein getroffen hatte und das Foul mit Gelb bewertet; er änderte seine Meinung erst, nachdem er sich auf Bitten des Videoschiedsrichters die Bilder am Spielfeldrand noch mal angesehen hatte. Beierlorzer sagte: „Ob das eine klare Fehlentscheidung war, so dass der Videoassistent eingreifen muss? Ich weiß es nicht.“

Köln kam wütend aus der Pause, Berlin spielte zu Beginn der zweiten Halbzeit erneut erstaunlich passiv. Und traf danach trotzdem munter weiter: Nicht mal eine Minute nach seiner Einwechslung verwertete Torjäger-Routinier Vedad Ibisevic eine flache Hereingabe zum 2:0 für die Gäste (58.), und nur fünf Minuten später war Herthas Stürmer wieder zur Stelle, 3:0.

„So können wir nicht verteidigen“, sagte Beierlorzer. „Das reicht nicht.“ Es war nicht so, als hätte sich der FC danach aufgegeben, aber gelingen wollte dennoch nichts: nicht dem glücklosen Cordoba, nicht dem schwachen Modeste, der nach gut einer Stunde ausgewechselt wurde, und auch nicht Simon Terodde, der für den Franzosen gekommen war und in der 78. Minute immerhin die Latte traf. „Uns fehlt auch das Glück“, sagte Modeste. Besser machte es mal wieder die Hertha: Innenverteidiger Dedryck Boyata köpfte nach einer Ecke das 4:0 (78.).

Horn sagte: „Wenn du so klar gegen eine Mannschaft verlierst, die ebenfalls nicht gut gestartet ist, ist das schon ein Rückschlag.“ Und prompt wurden die ersten Vergleiche zur Saison 2017/2018 gezogen, als der FC in der Hinrunde in einen unfassbaren Negativstrudel geriet und am Ende abstieg. „Ich war damals nicht da, also kann ich dazu nichts beitragen“, sagte Beierlorzer. „Klar ist aber: „Wir werden alles tun, um gegen den negativen Lauf zu arbeiten und die Dinge besser zu machen.“

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