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Köln: Ein Remis, das weiter Auftrieb geben soll

Köln : Ein Remis, das weiter Auftrieb geben soll

Stefan Ruthenbeck weiß ganz gut, was ein Abwehrspieler zu tun hat, er war ja selbst einer, als er noch Fußball gespielt hat. Profi ist er nicht geworden, aber er hat in der Oberliga gespielt, immerhin. Mittlerweile ist Ruthenbeck Trainer des 1. FC Köln, aber nach dem Heimspiel gegen den FC Augsburg schlüpfte er noch mal in seine alte Rolle: Ruthenbeck wurde zum Verteidiger.

Mehrere Journalisten hatten ihn gefragt, warum es gegen Augsburg denn „nur zu einem 1:1“ gereicht hätte. Der Trainer drückte den Rücken durch, der Blick klar, die Stimme fest: „Nur 1:1?“, fragte er zurück. „Damit müsst ihr mir nicht kommen!“ Und das war noch nicht alles, die Verteidigung ging weiter. Der eine Punkt sei ein Gewinn, die Leistung der Mannschaft ein Erfolg, sagte Ruthenbeck: „Das war das beste Spiel, seitdem ich hier Cheftrainer bin.“

Widerspruch zwecklos.

Das Problem: die Hinrunde

Ruthenbeck lebt vor, dass er alles dafür tun will, um den FC vor dem Abstieg zu bewahren. Und in seiner Analyse steckte ja auch viel Wahrheit. Köln ist seit vier Spielen ungeschlagen, hat zehn von zwölf möglichen Punkten geholt. Gegen Augsburg zeigte der FC die wohl beste Leistung der Saison, die Mannschaft wird Woche für Woche besser. Und natürlich darf ein Remis gegen die stabilen Augsburger als Erfolg gewertet werden.

Das Problem der Kölner ist ja nur, dass sie nach der Hinrunde abgeschlagener Tabellenletzter waren. Dass sie eigentlich immer gewinnen müssen, um eine Chance zu haben, in der Liga zu bleiben. „Wir wissen, dass wir Punkte brauchen“, sagte auch Ruthenbeck. Und blieb dennoch bei seiner Verteidigungshaltung: „Wir haben auf einige Konkurrenten wieder einen Punkt gutgemacht.“

Der FC hat nun 13 Punkte auf dem Konto, der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt weiter vier, der auf den ersten Nichtabstiegsplatz nun nur noch sieben Zähler. Es ist weiterhin noch alles drin, aber der Blick auf die Tabelle hätte schon am Samstagnachmittag für die Kölner ein schönerer sein können. Weil sie durchaus drei Punkte gegen Augsburg hätten einfahren können. Der FC war lange Zeit die bessere Mannschaft, führte lange durch ein herrliches Freistoßtor von Milos Jojic (40.), und in der Schlussminute hatte der eingewechselte Sehrou Guirassy den Siegtreffer auf dem Fuß. „Wir wollten die drei Punkte bis zum Schluss erzwingen“, sagte Ruthenbeck.

Das ist insofern bemerkenswert, weil Caiuby zu einem Zeitpunkt zum dann durchaus verdienten Ausgleich getroffen hatte, als Augsburg seine beste und Köln seine schwächste Phase in dieser Partie hatte (77.). Es gibt Mannschaften, die — wenn sie in einer so prekären Lage wie derzeit der FC stecken — zu hadern begonnen hätten, nervös geworden wären und den einen Punkt noch hergegeben hätten. Nicht so der FC an diesem Tag, er bäumte sich stattdessen mit großer Leidenschaft noch einmal auf. So wie das eben sein muss, wenn es nur noch Endspiele gibt, das haben die Kölner vor der Rückrunde ja selbst so ausgerufen.

Es stellt sich da natürlich die Frage, wie lange eine Mannschaft einem solchen Druck physisch und psychisch standhalten kann. Und auch Ruthenbeck kennt die Antwort nicht. „Ich habe keine Ahnung, ob wir irgendwann mal einbrechen: Ich hab’s ja noch nie gemacht“, sagte er. „Wir haben es ausgerufen, weil wir denken, dass es die einzige Möglichkeit ist, genügend Siege einzufahren, um den Klassenerhalt doch noch zu schaffen.“ Aber ob das am Ende funktionieren wird, „dass weiß hier keiner.“

Seine Spieler sind jedenfalls überzeugt davon, auch sie wehrten sich dagegen, dass dieses 1:1 gegen Augsburg als Rückschlag bewertet werden könnte. „Wir haben nicht verloren, das ist erst mal wichtig“, sagte Torwart Timo Horn. Verteidiger Dominique Heintz sprach von einer Leistung, auf der die Mannschaft aufbauen könnte. Und Torschütze Jojic sagte nur: „Wir müssen einfach weitermachen.“ Am nächsten Freitag, 20.30 Uhr, kommt Borussia Dortmund mit dem ehemaligen Kölner Erfolgstrainer Peter Stöger ins Rhein-Energie-Stadion. „Das“, sagte Ruthenbeck, „wird ein ganz besonderes Spiel.“ So oder so. Und nicht nur für die Verteidiger.