2:1-Sieg gegen Freibug: Drei Punkte gegen das Kopfkino

2:1-Sieg gegen Freibug : Drei Punkte gegen das Kopfkino

Vom Glück geküsst war der 1. FC Köln in den vergangenen 23 Jahren bei Pflichtspielen in Freiburg eigentlich nie. Aber statt sich dem Schicksal zu fügen, zeigte der FC eine große Moral und stemmte sich gegen die Niederlage.

Vom Glück geküsst war der 1. FC Köln in den vergangenen 23 Jahren bei Pflichtspielen in Freiburg eigentlich nie. Am Samstag schien im Glutofen des Schwarzwald-Stadions wieder fast alles gegen die mit zwei Niederlagen in die Saison gestarteten Gäste zu laufen, denn das Unglück nahm scheinbar seinen Lauf: Ein Kölner Tor war kurz vor der Pause dank Videobeweis aberkannt worden, im Gegenzug bestrafte sich der FC durch ein Eigentor aus unbedrängter Position von Rafael Czichos dann selbst. Die Kölner Spieler waren konsterniert, die Freiburger und erst recht ihre Zuschauer euphorisch. Am wohl letzten Hitzetag des Jahres sprach erneut fast alles für den Sport-Club, der seit besagten 23 Jahren daheim keine Niederlage gegen die Kölner mehr kassiert hatte.

Wortführer Jonas Hector

Aber statt sich dem Schicksal zu fügen, zeigte der FC im zweiten Durchgang eine große Moral und stemmte sich gegen die Niederlage. Kapitän Jonas Hector, außerhalb des Platzes nun wahrlich nicht als Lautsprecher und Optimist bekannt, schwang sich in der Pause in der Kabine zum Wortführer auf. „Jonas hat schon in der Pause vorgegeben, dass wir gewinnen wollen“, sagte Teamkollege Dominick Drexler. Der Nationalspieler rüttelte die Mitspieler wach, Trainer Achim Beierlorzer stellte um und attackierte den gegnerischen Aufbau mit drei Spielern. Und dann bestand seine Mannschaft den Charaktertest. Natürlich auch dank Ellyes Skhiri.

Als sich wohl die meisten Zuschauer und Protagonisten auf beiden Seiten bei gefühlten 40 Grad in der Sonne mit einem Unentschieden abgefunden hatten, dass sich der FC durch eine Leistungssteigerung und das formidable Kopfball-Tor von Anthony Modeste (52.) bereits verdient hatte, nahm der Neuzugang sein Herz in die Hand und wurde durch eine enorme Energieleistung zum gefeierten Matchwinner. Bereits den Ausgleich hatte der Tunesier mit einer maßgeschneiderten Flanke vorbereitet.Skhiri kam in der 92. Minute kurz hinter der Mittellinie an den Ball. Dann rannte der Tunesier in Forrest-Gump-Manier los, profitierte erst von einem schweren Stellungsfehler von SC-Verteidiger Nico Schlotterbeck, ließ dann noch weitere Freiburger stehen und hämmerte aus spitzem Winkel den Ball in die Maschen. Ein Tor, das sich für die Kölner und ihren Anhang wie eine Explosion des Glücks anfühlte. Es geht doch: Der FC kann also noch in der Bundesliga ein Spiel gewinnen.

„Der hat lange Beine, der kann das – das wusste ich“, scherzte Modeste in Richtung Skhiri. Für Drexler war es der „Wahnsinn“, was sein neuer Teamkollege da fabriziert hatte, „solch einen Typen brauchst du in der Mannschaft.“ Und der eingewechselte Simon Terodde befand: „Dass er sich dann nach so einem Spiel bei solchen Temperaturen noch mal den Ball schnappt. Ich dachte schon: Wann spielt er denn endlich den Ball ab? So war ich froh, dass er den einfach hereingeschossen hat.“

Es war auch gut, dass Skhiri mehr seiner Intuition vertraute und den Verstand ausschaltete. „Ich wollte eigentlich zu Tony spielen“, gab der 24-Jährige zu. Aber dann habe sich die Türe geöffnet. „Ich bin weitergelaufen und habe einfach geschossen. Das Spiel war sehr schwer, es war sehr heiß. Aber ich habe noch die Energie für diesen Lauf gefunden und freue mich, dass die Mannschaft davon profitieren konnte.“ Das ganz Schwierige hatte Skhiri damit ziemlich einfach erklärt.

Bereits jetzt spricht einiges dafür, dass Sportchef Armin Veh mit dem Neuzugang aus Montpellier ein guter Griff gelungen sein könnte. „Dass er am Ende die Kraft zu so einem Lauf hat, war für mich nicht verwunderlich. Das ist wichtig und war kein Zufall“, sagte Veh. Skhiri sei laufstark, das habe er schon in Frankreich gezeigt.

Und dieser Lauf sorgte für ein kollektives Aufatmen im Kölner Lager vor der Länderspielpause. „Wenn du keine Punkte vor der Länderspielpause gehabt hättest, wäre das Kopfkino losgegangen. Deswegen war es so wichtig, dass wir heute gewonnen haben“, sagte Modeste aus eigener Erfahrung, denn 2017/18 war der Franzose dabei, als der FC die Saison mit fünf Pleiten begonnen hatte, sich vom Katastrophen-Start nie wirklich erholte und am Ende trostlos abstieg. Heuer macht das Team einen anderen Eindruck. Und deshalb durfte Trainer Beierlorzer durchaus zu Recht konstatieren: „Wir sind auf dem richtigen Weg, haben dafür jetzt die ersten drei Punkte verdient. Das war sehr wichtig.“

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