1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. FC Köln

1. FC Köln: Der Kapitän wird vom Pechvogel zum Matchwinner

1. FC Köln : Der Kapitän wird vom Pechvogel zum Matchwinner

In den vergangenen Wochen war Jonas Hector beim 1. FC Köln schon vorangegangen, doch letztlich war er der Pechvogel. Beim Coup gegen RB Leipzig wird der Kapitän aber zum Matchwinner.

Wie schon vor zwei Wochen am Rande des Abgrunds lieferte Jonas Hector beim 1. FC Köln am Dienstag das Symbolbild. Nach dem 2:1-Coup gegen RB Leipzig, den Hector mit dem ersten Doppelpack seiner Bundesliga-Karriere erst möglich gemacht hatte, nahm sich der gefeierte Held erst einmal einen Stuhl, setzte sich auf Höhe der Strafraumlinie an den Spielfeldrand und schaute mit ausgestreckten Beinen entspannt in die leere Arena. Es fehlte eigentlich nur die Flasche Bier neben dem Klappstuhl. „Geschafft“, schrieb der Verein, dessen Fotograf die Szene einfing.

Die Aufnahme wurde von den FC-Fans gefeiert. Viele nutzten sie sofort als Profilbild, ein Anhänger forderte den Verein auf, sie als Poster im Fanshop zu verkaufen. Das Foto weckte deshalb so große Emotionen, weil der Kapitän eine ganz schwere Saison hinter sich hat. Und weil er nach dem vorherigen Heimspiel gegen Mainz (2:3) minutenlang frustriert an der Bande gesessen, ehe ihn Gegenspieler Danny da Costa getröstet hatte.

Seit dem Coup von Dienstag hoffen die Kölner wieder. Dank Hector. Eigentlich sei es ihm egal, wer die Tore schieße, beteuerte der 30-Jährige, dem Lobeshymnen grundsätzlich eher unangenehm erscheinen: „Aber das tut mir auch persönlich gut, weil ich zuletzt einiges verballert habe.“

Beim 0:3 in Leverkusen, dem ersten Spiel unter dem neuen Trainer Friedhelm Funkel, war Hector schon der mit Abstand beste Kölner gewesen, hatte aber die drei besten Gelegenheit vergeben. Das hatte gepasst zu seiner Saison, in der ihn zwei langwierige Verletzungen so ausbremsten, dass er nach dem 23. Spieltag erst auf neun Einsätze kam, davon nur zwei über 90 Minuten. Der Ausfall des stillen Leaders, der im Sommer heimlich und von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war, war für viele einer der Hauptgründe für den Kölner Absturz.

Doch mit Hector wurde es zunächst nicht besser. Weil er zwar gut spielte, aber nicht traf. In der Halbzeit im Duell mit Leipzig hatte Trainer-Routinier Funkel (67) dann die entscheidende Idee. Er funktionierte Hector vom Achter zur falschen Neun um. Sprich: Er schickte ihn in die Sturmspitze, obwohl Hector dort noch nie in seiner Karriere gespielt hatte.

„Jonas ist vorangegangen und an seine Grenzen gegangen“, erläuterte Funkel: „Er ist seit Wochen der torgefährlichste Spieler des FC. Aber in der ersten Halbzeit musste er lange Wege in die Spitze gehen. Also haben wir getauscht, damit die Wege nicht mehr so weit waren.“ Die Folge: 56 Sekunden nach der Pause köpfte Hector das 1:0, rund 80 Sekunden nach dem Ausgleich durch Amadou Haidara (59.) schoss er das Siegtor. „Er hat das überragend gemacht“, lobte Torhüter Timo Horn den Matchwinner.

Und wäre es keine englische Woche gewesen, in der am Freitag schon die nächste Aufgabe beim FC Augsburg ansteht, hätte Hector eine besondere Belohnung bekommen. „Wenn wir nicht in drei Tagen ein Spiel hätten, würde ich ihn nach Hause einladen und ihm ein paar Pommes machen“, sagte der belgische Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw: „Aber da wir in drei Tagen spielen, lasse ich ihn schlafen.“ Hector wird schließlich gebraucht für den Klassenerhalt.

(dpa)