Köln: Dem 1. FC Köln gehen langsam die Endspiele aus

Köln : Dem 1. FC Köln gehen langsam die Endspiele aus

Acht Bundesliga-Spieltage noch. Spätestens dann wird klar sein, wer mehr „für die Tonne“ gearbeitet hat: Stefan Ruthenbeck, Trainer des 1. FC Köln, oder sein Sportdirektor Armin Veh.

In normalen Jahren bietet das anstehende Derby gegen Bayer Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr) mehr als genug Diskussionsstoff, um die Zeitungsseiten und die Sportsendungen prall zu füllen. Doch wenn der FC nach 26 Spieltagen scheinbar aussichtslos auf dem letzten Tabellenplatz steht, nehmen natürlich auch die Profiteure schon einmal Witterung über das Saisonende hinaus auf.

Und so gehört es zu den ureigensten Aufgaben von Veh, bei den Spielern vorzufühlen, wer denn trotz Ausstiegsklausel den Gang in die 2. Liga mitantritt. Oder ob es im Fall der Fälle Dominique Heintz doch zu Schalke 04 zieht, ob Jonas Hector beim BVB landet, ob Leo Bittencourt einen neuen Klub findet. Ob Timo Horn womöglich einen Champions-League-Verein findet und ob Frederik Sörensen demnächst vielleicht in der Premier League kickt.

Genauso gehört es zur Arbeit Ruthenbecks, dieses Szenario trotz acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz nicht Wirklichkeit werden zu lassen — und den Gerüchten auch noch etwas Gutes abzugewinnen. „Dass zeigt doch, dass auch der Letzte der Bundesliga interessante Spieler in seinen Reihen hat. Existenzsorgen muss keiner haben“, sagte der 45-Jährige, der keine Auflösungserscheinungen im Team ausgemacht hat — im Gegenteil. „Die Mannschaft lebt, hat eine gute Mentalität und kommt mit dem Druck zurecht.“

Umstellung in der Dreierkette

Das ist immerhin ein Teil der Qualitäten, die gegen Leverkusen gefragt sein werden. Ein anderer trat bei der Analyse der Niederlage bei Werder Bremen zutage: „Bremen hat es vorgemacht, hat mit taktischen Fouls unseren Spielfluss entscheidend gestört und die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen“, zählte Ruthenbeck auf, was er auch von seinen Akteuren gegen eine spielerisch überlegene Mannschaft zu sehen hofft, die „in letzter Zeit alles gewonnen hat“. Als Taktiker und Stratege ist Ruthenbeck bei der Frage gefordert, wie man die schnellen Angreifer Lucas Alario, Julian Brandt und Leon Bailey in den Griff kriegen will, zumal der Ausfall von Sörensen (Trümmerbruch der Nase) ohnehin einen Umbau der Dreierkette nötig macht. Eine Änderung, die vielleicht auch ohne die Verletzung des Dänen stattgefunden hätte.

„Man kann nicht sagen, dass wir in den vergangenen Partien defensiv gut gestanden haben“, räumte der FC-Coach ein, ohne den Schwarzen Peter allein der Abwehrreihe zuschieben zu wollen. „Das war ein Problem des gesamten Teams.“ Dennoch wird der Sörensen-Ersatz eine Aufgabe, die „wir personell oder taktisch auffangen müssen“, meinte Ruthenbeck. Doch die Alternativen liegen eigentlich auf der Hand: Entweder der stellungssichere, aber nicht sonderlich sprintstarke Dominic Maroh, oder der pfeilschnelle, aber nicht immer mit Überblick gesegnete Lukas Klünter, der es zuletzt aber nicht mal in den Kader geschafft hatte.

So sind die Weichen gestellt vor dem kleinen rheinischen Derby: Eine spielstarke Gästemannschaft, die große Ziele verwirklichen kann und noch Platz eins hinter den Bayern im Blick hat, trifft auf ein Heimteam, das „mehr Aggressivität, mehr Dreck ins Spiel kriegen muss“ und eigentlich nichts mehr zu verlieren hat.

Sollte Ruthenbeck mit seiner beharrlichen Weigerung, den Abstieg zu akzeptieren, am Ende tatsächlich Erfolg haben, dürfte auch Vehs Arbeit zur Frage „Bleiben oder gehen?“ nicht ganz umsonst gewesen sein, sondern ein gelungener Charaktertest.

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn — Maroh (Klünter), Meré, Heintz — Risse, Höger, Koziello, Hector — Osako, Pizarro, Terodde

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