Führungskrise beim 1. FC Köln: Armin Veh und seine Machtprobe

Führungskrise beim 1. FC Köln : Armin Veh und seine Machtprobe

Werner Spinner verbrachte den Rosenmontag auf der Autobahn, der Präsident des 1. FC Köln war auf dem Rückweg aus dem Skiurlaub. Es war ein planmäßiger Aufbruch, die Äußerungen des Geschäftsführers Armin Veh tags zuvor hatten Spinner zwar überrascht, aber nicht in Hektik versetzt.

Wortmeldungen zur Sache waren nicht zu bekommen aus den Vereinsgremien, man wollte offenbar zunächst miteinander sprechen statt übereinander. Dass das nicht bereits geschehen war, bedeutete ein weiteres Indiz dafür, dass Veh sein Manöver nach dem Kölner 2:1-Sieg in Ingolstadt zwar offenbar geplant, jedoch nicht in eine größere Strategie eingebunden hatte. Das passte zu anderen Wortmeldungen des 58-Jährigen, der seit gut einem Jahr für den Sport in der Profiabteilung des 1. FC Köln verantwortlich ist.

Im Herbst hatte Veh den Vorsitzenden des Mitgliederrats, den Kölner Anwalt Stefan Müller-Römer, als „unerträglich“ bezeichnet. Auch da hatte er sich seine Worte zwar zurechtgelegt, sie jedoch eher aus einer Laune heraus eingesetzt und damit dazu beigetragen, dass die Mitgliederversammlung zehn Tage später für Geschäftsführung und Vorstand überwiegend ein Debakel geworden war.

Die Aussagen in Ingolstadt waren in Richtung des Präsidenten gegangen, der Vehs Geschäftsführung offenbar kritisch sieht. Veh hatte erklärt, er sehe ein „Problem innerhalb des Vereins: Wenn man bei mir einen Vertrauensverlust hat, kann man das nicht reparieren. Ich weiß nicht, was das für Konsequenzen hat. Aber irgendwann gibt es welche“, sagte er. Offenbar hatte Veh seine Macht testen wollen. Das Ergebnis dieses Tests wird ihm in den nächsten Tagen vorliegen. Es wird interessant.

Rücktritt ohne Applaus? FC-Präsident Werner Spinner. Foto: dpa/Henning Kaiser

Veh kam im Dezember 2017 nach Köln, als der Verein am Boden lag. Alexander Wehrle hatte sich nach der Trennung von Geschäftsführer Jörg Schmadtke die Zusage Horst Heldts besorgt. Doch der hatte sein Versprechen nicht halten können, da ihn Hannover 96 nicht hatte gehen lassen. Daraufhin hatte Wehrle Trainer Peter Stöger selbst freistellen müssen, um eine Woche später Armin Veh zu präsentieren.

Im Verein heißt es, Veh sei zunächst für das Traineramt vorgesehen gewesen, habe dann jedoch die Gelegenheit wahrnehmen wollen, seine Trainerkarriere für beendet zu erklären. Auf der Liste möglicher Kandidaten für den Geschäftsführerposten hatte der Meistertrainer von 2007 nicht gestanden. Wehrle kannte Veh aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart, ein Mann mit Vehs Vergangenheit im Profifußball schien eine gute Wahl.

Abgesehen von einer Episode beim VfL Wolfsburg, wo er gleichzeitig Trainer und Geschäftsführer war, ist Köln allerdings die erste Station des gebürtigen Augsburgers in der Verantwortung als Geschäftsführer, die sich von der des Trainers vor allem durch die anderen Zeit-Horizonte unterscheidet. Nicht von Spiel zu Spiel muss Veh nun denken. Es geht um die Strategie, die langfristige Personalplanung. Auch darum, Lernfelder seiner leitenden Mitarbeiter auszumachen.

Doch gerade im Umgang mit Trainer und Mannschaft hatte Veh zuletzt keine glück­liche Hand. Nach einem ordentlichen Saisonstart und dem raschen Sprung an die Tabellenspitze hatten die Kölner mehrere einschneidende sportliche Erlebnisse gehabt: Etwa das 3:5 daheim gegen Paderborn in einer Phase, in der die Spielidee des neuen Trainers voll durchzuschlagen schien. Dann das uninspirierte 0:1 in Hamburg, in dem die Kölner als Mannschaft versagten und vorerst die Tabellenführung abgaben. Veh kritisierte die Mannschaft damals schwer dafür. Keine Hilfe war das für Markus Anfang, der sich ebenfalls noch an einen Verein von der Größe des 1. FC Köln gewöhnen muss.

Das Spitzenspiel in Paderborn verlor der FC trotz 2:0-Führung durch drei Gegentreffer in zwölf Minuten noch 2:3. Anschließend kritisierte Veh den Trainer öffentlich, außerdem sprach er in Anfangs Abwesenheit mit der Mannschaft und stellte deren inneren Zusammenhalt in Frage. Die Folge war ein gespenstischer Auftritt beim 3:1 gegen Sandhausen, nach dem Vizekapitän Marco Höger erklärte, die Mannschaft sei mental angeschlagen.

Es folgte ein wackliges 1:0 in Aue und am Sonntag das 2:1 in Ingolstadt. Veh scherzte hinterher, die Serie habe womöglich etwas mit seiner Ansprache zu tun. Doch gibt es auch Meinungen, die Veh eher die Verunsicherung zuordnen würden als die neun Punkte aus drei Spielen. Indem Veh nun den Vorstand auf die Probe stellte, stürzte er den Verein in ein Dilemma. Präsident Spinners Hausmacht scheint zu schwinden, es ist wahrscheinlich, dass er im Herbst nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren wird. Doch hat die Debatte eine grundsätzliche Komponente: Darf ein Geschäftsführer öffentlich ein übergeordnetes Gremium derart angreifen wie Veh?

Zeichen setzen wollen

Der blieb wenig überraschend bei seinen Aussagen. Offenbar hatte er ein Zeichen setzen wollen, die Nerven für solche Vorstöße hat der charmante Schwabe. Auch sein Kostüm war wohl gewählt: Auf der Tribüne am Zoch erschien er am Montag als Schwarzes Schaf.

Die Bestellung und Abberufung der Geschäftsführer liegt in der Verantwortung des Vorstands, bedarf jedoch der Zustimmung im Gemeinsamen Ausschuss. Darin sitzen neben dem Vorstand die Vertreter des Mitgliederrats, Carsten Wettich und eben Stefan Müller-Römer, die sich beide zwar auch persönlich, aber auch politisch positionieren werden. Hinzu kommen Rewe-Vorstandschef Lionel Souque als Vorsitzender des Aufsichtsrats und Karl-Ludwig Kley für den Beirat, der unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Lufthansa ist. Männer also, die eine genaue Vorstellung davon haben, wie sich eine Führungskraft in einem Unternehmen aufzuführen hat. Sollten sie diese Vorstellungen auf den 1. FC Köln übertragen, müsste Armin Veh sofort gehen.

Doch so einfach ist es nicht. Denn eine Trennung von Veh bedeutete einen weiteren Neustart und die Suche nach einem Nachfolger. Das weitere Vorgehen werden nun die Mitglieder des Gemeinsamen Ausschusses nach Spinners Rückkehr erörtern. Alles ist möglich: Eine Entlassung des Geschäftsführers ebenso wie ein Rücktritt des Präsidenten. Immerhin ist mit einer schnellen Klärung der Angelegenheit zu rechnen.

Womöglich ist bereits am Aschermittwoch alles vorbei.