Für den 1. FC Köln geht es gegen den HSV um einiges

Spitzenspiel der 2. Liga : Für den FC geht es gegen den HSV um einiges

Es war ein Schreckmoment am Sonntagmittag. Verteidiger Matthias Bader hatte Serhou Guirassy im Trainingsspiel zu Boden gerungen; eine eher kuriose Szene, die zunächst nicht den Eindruck erweckt hatte, dass Schlimmeres passiert war.

Doch Guirassy blieb klagend liegen. Ein Betreuer musste kommen, es dauerte, bis der Franzose wieder auf den Beinen war und sich stöhnend in Richtung Kabinentrakt schleppte. Da meldete sich Trainer Markus Anfang. „Komm, Serhou: Noch zehn Minuten!“ Guirassy humpelte noch ein paar Schritte, die rechte Hand in den Rücken gestemmt, das Gesicht schmerzverzerrt. Dann ging er unter dem Applaus von Trainerstab und Mitspielern zurück auf den Platz.Und nur Augenblicke später erzielte er einen schönen Treffer.

Guirassy brachte die Einheit ohne weitere Schwierigkeiten zu Ende, eine Stunde später tauchte er in der Kaderliste der Spieler auf, die am Montagabend (20.30 Uhr, Sky) das Zweitliga-Spitzenspiel im Hamburger Volksparkstadion bestreiten sollen. Guirassy spielte am vergangenen Mittwoch im DFB-Pokal gegen Schalke (6:7 n.E.) eine auffällige Partie; ihm wird auch in Hamburg eine wichtige Rolle zukommen. Drei Spiele in Folge sind die Hamburger zuletzt ohne Gegentreffer geblieben. Da kann etwas offensive Wucht nicht schaden. Den Kölnern reichte zwar ein 0:0 für die Tabellenführung. Doch ohne Treffer blieben sie noch nie in dieser Saison.

Verteidigung umformiert

Die Hamburger müssen ihre Verteidigung umformieren, weil David Bates (22) nach seiner Gelb-Roten Karte gegen Magdeburg gesperrt ist. Für den Schotten dürfte Leo Lacroix spielen, der 1,97 Meter große Schweizer. Die Körpergröße spielt eine Rolle: Gegen die großen Schalker setzte Anfang am Mittwoch auf den beweglicheren Jhon Córdoba, der zwar mit einem abgefälschten Schuss das 1:0 erzielte, ansonsten aber nicht weiter torgefährlich wurde. Simon Terodde, 1,92 Meter lang, wäre der Gegenentwurf im Zentrum. Der 30-Jährige würde auf einen alten Weggefährten treffen: Unter HSV-Trainer Hannes Wolf stieg Terodde mit dem VfB Stuttgart im Jahr 2017 in die erste Bundesliga auf, Terodde wurde mit 25 Treffern Torschützenkönig. „Er hat in einer Phase, in der es um sehr viel ging, gefühlt den ganzen Verein huckepack genommen“, sagte Wolf am Sonntag. Nach dem Aufstieg verlor Terodde seinen Stammplatz beim VfB und wechselte im Winter nach Köln. Im Guten, wie Wolf feststellte: „Wir sind sauber auseinander gegangen.“

Beim HSV hat Wolf nun wieder einen Stürmer in seinen Reihen, der in der Zweiten Liga eine Sonderstellung einnimmt: Pierre-Michel Lasogga (26), der in zehn Zweitliga-Einsätzen fünf Tore erzielt hat. „Beide sind sehr gute Neuner in letzter Linie, die Bälle ablegen, aber auch Tore machen können. Sie haben das Gespür und die Körperlichkeit. Simon ist, selbst wenn man ihn länger nicht sieht, eiskalt. Er hat die Persönlichkeit, abzuwarten, bis sein Moment kommt.“

Auf der linken Offensivseite kann Wolf (37) bei seinem Heim-Debüt wieder auf Hwang Hee-Chan (22) zurückgreifen. Der südkoreanische Nationalspieler hatte mehrere Tage wegen muskulärer Probleme mit dem Training aussetzen müssen. Für die Kölner womöglich ein Anlass, eine defensivere Variante auf der rechten Seite zu wählen und Benno Schmitz in die Viererkette zu nehmen. Marcel Risse, der gegen Schalke offensiv stärker als defensiv war, könnte nach vorn rücken und dort Douglas Santos beschäftigen.

Wolf erwartet eine offene Partie. „Es wird Phasen geben, in denen wir leiden müssen. Aber mit Sicherheit werden wir auch Köln leiden lassen können“, sagte er: „Es geht um einiges. Nicht um alles, nicht um unser Leben.“ Es gibt was zu gewinnen, aber nicht alles zu verlieren.“

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Schmitz, Meré, Czichos, Hector - Höger - Risse, Schaub, Drexler, Guirassy - Terodde.

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