Berlin: Formel 1: Die PS-Hatz um den Globus beginnt wieder

Berlin : Formel 1: Die PS-Hatz um den Globus beginnt wieder

Der Kampf um den fünften WM-Titel führt für Sebastian Vettel und Lewis Hamilton über 35 Wochen. Zum Spielverderber für die beiden Dauerrivalen der Formel 1 könnte in der neuen Saison der erst 20 Jahre alte Max Verstappen werden. Eins aber scheint schon jetzt klar: Mercedes, Ferrari, Red Bull — an diesen drei Teams wird sich vermutlich auch 2018 nichts ändern.

Wer sind die Favoriten?

09.03.2018, Spanien, Barcelona: Formel 1, Testfahrten auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Lewis Hamilton aus Großbritannien vom Team Mercedes fährt über die Strecke. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

Lewis Hamilton ist der Topfavorit. Seit der Einführung der Turbo-Antriebe zur Saison 2014 beherrscht Mercedes das Feld. Sebastian Vettel kam im Ferrari 2017 näher ran. Der neue Silberpfeil soll aber noch mal klar besser sein. Neben Ferrari macht sich auch Red Bull mit dem Niederländer Max Verstappen große Hoffnungen. Diese drei Rennställe dürften die Siege wieder zumeist unter sich ausmachen. Die Rückstände der anderen sieben Teams waren 2017 zu groß, als dass sie über die Wintermonate so entscheidend hätten verkürzt werden können.

Die Piloten haben die Qual der Wahl: Statt fünf stellt der Reifenhersteller ihnen sieben Slickmischungen zur Verfügung. Der Hypersoft (pinkes Band) und der Superhard (oranges Band) sind neu dazugekommen. Foto: dpa

Welche Rolle spielen die Teamkollegen der Favoriten?

Hamiltons Stallrivale Valtteri Bottas will sich steigern. Muss er auch. Es geht um sein Cockpit, der Vertrag des Finnen endet nach dieser Saison. Bei Mercedes gilt die Devise: Beide haben freie Fahrt, solange sie dem Team nicht schaden. Vettel muss Kimi Räikkönen nicht wirklich fürchten. Ferrari setzt aus Tradition auf klare Hierarchien. Räikkönen bekam noch mal ein Jahr, ist noch immer der bis dato letzte Ferrari-Champion (2007). Verstappens erster Konkurrent ist Daniel Ricciardo. Der Gute-Laune-Australier beginnt mit einem Heimspiel. Knallharte Teamduelle bei Red Bull wären nichts neues: Auch Vettel leistete sie sich mit seinem damaligen Stallrivalen Mark Webber.

Warum sind nur noch zwei deutsche Fahrer dabei?

Für Pascal Wehrlein war kein Platz mehr, der ehemalige DTM-Champion fährt nach zwei Jahren wieder im Deutschen Tourenwagen Masters. Bleiben noch Sebastian Vettel im Ferrari und Nico Hülkenberg im Renault. Der Ferrari-Pilot startet mit großem Vertrauen in seine Ferrari-Mannschaft in die WM-Mission 2018. „Ich weiß, wie gut die Jungs in Maranello arbeiten und auch wie engagiert sie sind“, sagt der 30 Jahre alte Vierfach-Weltmeister aus Heppenheim. An diesem Sonntag bestreitet Vettel in Melbourne seinen 200. Grand Prix in der Formel 1, er kann zudem seinen 100. Podiumsplatz einfahren. Und Vettel will nichts weniger als den Auftaktsieg von vor einem Jahr beim Großen Preis von Australien wiederholen.

Der Renault-Fahrer will seine seltsame Rekordserie in der neuen Formel-1-Saison möglichst schnell beenden. In 137 Grand Prix war der Rennfahrer aus Emmerich am Rhein schon am Start, nie schaffte er es auf das Podium. An der Spitze der Rekord-Warteliste hatte der 30-Jährige zuletzt Landsmann Adrian Sutil abgelöst. „Ich habe lange warten und wirklich hart arbeiten müssen, um diesen Titel von Sutil zu bekommen und den Rekord zu haben“, scherzte Hülkenberg, der 2010 im Williams debütierte und danach für Force India und Sauber fuhr.

In seinem zweiten Jahr beim Renault-Werksteam hofft der Routinier nun endlich auf mehr als vierte Plätze. „Man sieht die Investitionen in jeder Kurve. Das ist gut und so soll es auch sein. Wir haben da einen großen Fortschritt gemacht“, lobte Hülkenberg das verstärkte Engagement des französischen Autobauers.

Für Mick Schumacher (18) ist die Zeit noch nicht gekommen. Zum Vergleich: 2010 absolvierten sieben deutsche Piloten mindestens ein Rennen. Das letzte Jahr mit nur zwei deutschen Stammfahrern war 1996 mit Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen.

Gibt es wieder ein Rennen in Deutschland?

Ja, am 22. Juli wird die Formel 1 auf dem Hockenheimring fahren. 2015 und 2017 war Deutschland nicht im Rennkalender vertreten. Sieger auf dem Hockenheimring war zuletzt Lewis Hamilton. Sebastian Vettel konnte unweit seiner Geburtsstadt Heppenheim noch nie gewinnen. Hockenheims Zukunft ist ungewiss. Der Vertrag der Strecke endet.

Was hat sich noch im Rennkalender getan?

Der Circuit Paul Ricard im französischen Le Castellet ist zurück. 1990 fand dort das bislang letzte Mal ein Formel-1-Rennen statt. Zudem ändern sich die Startzeiten der Rennen. Statt zur vollen Stunde beginnen die WM-Läufe in diesem Jahr immer um 10 nach. Die meisten Europa-Rennen starten sogar mehr als eine Stunde später um 15.10 Uhr statt wie sonst um 14 Uhr.

Warum gibt es keine Grid Girls mehr?

Die neuen Formel-1-Chefs fanden die meist knapp bekleideten Frauen, die zur Startaufstellung defilierten und die Schilder mit den Namen der Fahrer hielten, nicht mehr zeitgemäß. Versuche mit Grid Boys hatte es auch schon gegeben. Nun ist die Zeit der Grid Kids gekommen. Per Los oder aufgrund von Verdiensten sollen die Kinder von den jeweiligen Motorsport-Clubs ausgesucht werden und zusammen mit deren Familien „Teil von einem der exklusivsten und aufregendsten Momente eines Rennwochenendes“ sein. Voraussetzung: Die Kinder müssen im Kart- oder Formelsport bereits aktiv sein.

Wo wird die Formel 1 in diesem Jahr übertragen?

In Deutschland wird die Formel 1 im TV nur noch von RTL übertragen. Der Bezahlsender Sky sendet keine Live-Bilder mehr. Neuerdings bringt die Formel 1 dafür ihren eigenen Bezahl-Kanal im Internet auf den Markt, mehrsprachig. Gezeigt werden auch Aufnahmen aus den Cockpits aller Autos. Das Angebot soll auch in Deutschland verfügbar sein, die Kosten liegen etwa zwischen 6,50 Euro und knapp zehn Euro im Monat.

Mit zwei neuen Experten startet RTL am Wochenende in die Formel-1-Saison. Nach vielen Jahren mit parallelen Live-Übertragungen beim Pay-TV-Sender Sky ist der Kölner Fernsehsender in den kommenden drei Jahren in Deutschland allein auf Sendung. Im Gegensatz zu RTL konnte sich Sky nicht auf einen neuen Vertrag mit den Eigentümern der Rennserie einigen. Die durchschnittliche Zuschauerzahl des frei zu empfangenden Senders von zuletzt 4,39 Millionen dürfte dadurch steigen. Als Experten hat RTL den Ex-Weltmeister Nico Rosberg und Timo Glock engagiert. Nach dem Ausstieg von Niki Lauda sollen die beiden ehemaligen Formel-1-Fahrer gemeinsam mit Moderator Florian König die Rennen analysieren. Rosberg wird nach RTL-Angaben bei sechs Stationen vor Ort sein, Glock bei zehn Rennen.

Besonders genau dürften die TV-Zuschauer bei Rosberg-Kommentaren über seinen ehemaligen Team-Rivalen Lewis Hamilton zuhören. „Ich werde das sagen, was ich sehe und denke, zu jedem. Und natürlich wird sich vieles um Lewis drehen, weil er mit Sicherheit wieder vorne um die Meisterschaft kämpft“, kündigte Rosberg an. „Und da wird‘s viele Sachen geben, die man dann kommentieren muss, aber immer sehr neutral“, fügte der Champion von 2016 hinzu.

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