Aachen: FG Aachen/Düsseldorf will mit neuer Choreographie angreifen

Aachen: FG Aachen/Düsseldorf will mit neuer Choreographie angreifen

Das Publikum war genauso atemlos wie die Tänzer, die sechs Minuten lang über die Tanzfläche gewirbelt waren. Die Musik packte alle, trieb einen immer weiter zum nächsten Höhepunkt - man fühlte sich wie in einen spannenden Abenteuerfilm versetzt, in dem die Entdeckung des Schatzes in den nächsten Sekunden bevorsteht.

Dazu gehören natürlich auch wunderschöne Frauen in herrlichen Kostümen und gut aussehende Männer als edle Ritter. Wie ein Märchen aus 1001 Nacht kommt die neue Choreographie „Prince of Persia” daher, die die Lateinformation der FG Tanzsportzentrum Aachen/TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß im Rahmen des Balles „Aachen tanzt” erstmals der Öffentlichkeit präsentierte.

Nach dem gefühlvollen „Like a rose”, das begeisterte und 2011 mit DM-Silber und WM-Bronze honoriert wurde, ging FG-Cheftrainer Oliver Seefeldt diesmal einen ganz anderen Weg und setzt mit seiner neuen Choreographie auf unglaubliches Tempo und ganz viel Dynamik. „Wir wollen eine Geschichte erzählen, eine Geschichte von Mann und Frau, von Leidenschaft und Liebe”, erläutert Seefeldt.

Die neue Musik entführt in den Orient, wobei der Titel zwar „Prince of Persia” wie der gleichnamige Film von Michael Nevelle lautet, doch als Musikstücke u. a. auch „Love in the Himalayas” oder „Harem”, im Original gesungen von Sarah Brightman, verwendet wurden. Bis auf „Walk like an egyptian”, ein Hit der Bangels aus dem Jahr 1986, zu dem Jive getanzt wird, ist die Musik ausschließlich instrumental. Gerade das macht die Musik, die sich ständig steigert, so drängend.

Erstmals hat die FG mit dem Aachener Jazzmusiker und Komponisten Heribert Leuchter zusammengearbeitet, „und darüber sind wir zu 100 Prozent glücklich”, dankte Seefeldt dem 58-Jährigen, für den die Zusammenarbeit ebenfalls eine völlig neue Erfahrung war. „Als der Anruf von TSZ-Präsidentin Elke Eschweiler und Oliver Seefeldt kam, war ich erstaunt und befangen, ja sogar etwas erschrocken. Denn ich musste in große Fußstapfen treten, habe aber einen riesigen Vertrauensvorschuss bekommen”, bedankte sich Leuchter, dem mit seinem Premierenwerk gleich ein Hit gelungen ist. Denn die neue Choreograhie-Musik ist alles andere als alltäglich.

Auch optisch setzt das Team einen drauf: Nach den damenhaften weißen Rosen-Kostümen kleiden sich die Tänzerinnen nun sexy mit goldenem Oberteil und lilafarbenem Fransenrock. „In dem Outfit fühlt man sich ungeheuer weiblich. Das Kleid will bewegt werden, da darf man seinen Allerwertesten nicht ruhig halten”, demonstriert Tänzerin Saskia Löhrer eindrucksvoll, wie das Kleid mitschwingt. Gold findet sich auch in den Applikationen auf den Schultern der transparenten Männerhemden wieder.

Und die Choreographie - sie ist so ganz anders als das einschmeichelnde „Like a rose”, das einen zum Träumen verführte. Diesmal wird der Zuschauer mitgerissen, entführt in einem wilden Wirbel, denn die Choreographie wird in einem ungeheuren Tempo dargeboten, dass Tänzer und Zuschauer gleichermaßen bei der schönen Rumba-Passage erst einmal tief durchatmen müssen.

Schon beim Einmarsch wird das orientalisch angehauchte Thema deutlich, immer wieder greifen die Tänzer orientalische Bewegungen in der Choreographie auf. Und auch an Schwierigkeiten wurde einiges draufgepackt: So gibt es u. a. neben zwei Pirouetten mit je zwölf Umdrehungen ein wanderndes Roundabout, bei dem die Frauen die am Boden liegenden Männer hochziehen, dabei selbst in die Hocke gehen. Zwei parallele Reihen wandern über eine gemeinsame Mittelreihe und münden in zwei anderen parallelen Reihen. Schon traditionell endet der Tanz mit der Todesspirale, die einst von Düsseldorf „erfunden” wurde.

„Die neue Choreographie ist viel schneller, sehr energetisch, auf Angriff getanzt”, erläutert FG-Kapitän Torben Bölk. „Und es gibt eine sehr langsame Rumba. Gerade die verschiedenen Tempi sind eine große Herausforderung für das Team. Wir sind gut vorbereitet für die DM.” Das mag man unterstreichen, denn die Tänzer, obwohl sehr nervös vor der Premiere, zeigten bei der Präsentation einen ausnehmend guten ersten Durchgang. „Ja, ich bin sehr zufrieden, trotz des großen Drucks hat alles geklappt. Das Team hat richtig Gas gegeben und alle Schwierigkeiten gestanden”, freute sich Oliver Seefeldt. Nach der Auswertung des Videos wird in dieser Woche noch an den Feinheiten gefeilt, ehe es am Samstag in Düsseldorf bei der DM ernst wird.

Der Titel „Prince of Persia” unterstreicht im übertragenen Sinn die Ambitionen der FG-Formation, denn ein Prinz will selbst zum König werden. Doch große Töne zu spucken, ist wahrlich nicht Seefeldts Ding. Und so formuliert der FG-Cheftrainer wie in den Vorjahren zurückhaltend: „Als letztjähriger DM-Zweiter haben wir die Verpflichtung, diesmal den Ersten anzugreifen.” Der Erste ist Grün-Gold Bremen A, der 2011 zum fünften Mal in Folge Deutscher Meister wurde. Wird der Prinz in Düsseldorf zum „Königsmörder” ?

FG-Team: Alexander Bernard/Nicole Rosendahl, Torben Bölk/Magdalena Misiura, Julian Bruns/Nadine Frings, Rico Grein/Sandra Mascheraux, Raphael Groß/Nicole Güttler, Marc Horvarth/Saskia Löhrer, Erik Soeterboek/Dita Kolembar, Andreas Spiertz/Stefanie Wilk, Ersatz: Thomas Strauchen, Amy Rockx, Miriam Reiners, Jennifer Hälsig

DM der Formationen Samstag in Düsseldorf

Die Deutschen Meisterschaften der Latein- und der Standardformationen finden am Samstag, 10. November, ab 14 Uhr im Castello in Düsseldorf statt. Das Tanzsportzentrum Aachen als Ausrichter der DM bietet Shuttlebusse ab Aachen an.

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