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Aachen: Eine Eins in höherer Mathematik

Aachen : Eine Eins in höherer Mathematik

Ein hohes Maß an Körperbeherrschung ist gefordert, aber ebenso schnelles Kopfrechnen. Oder eher schon höhere Mathematik.

„Na, unterwegs habe ich mal nachgerechnet und gedacht, das müsste langen, und da habe ich eine etwas leichtere Übung gemacht.” Unterwegs meint in dem Fall zwischen zwei dreifachen Salti und einer dreifachen Schraube. Beides, Körperbeherrschung und höhere Mathematik, beherrscht Henrik Stehlik, und so sprang der Olympia-Dritte von Athen bei den „German Open” der Trampolinturner in Aachen wie blitzschnell errechnet auf einen Podestplatz.

Zwar war es „nur” der dritte für den Weltmeister von 2003 hinter Synchron-Europameister Peter Jensen (Dänemark) und Markus Kubika (Frankfurt), doch Stehlik war zufrieden. „Es ist mein erster Wettkampf in diesem Jahr. Und ich konnte wegen eines Praktikums in Berlin nicht so viel trainieren.” Denn: „Mein Studium nehme ich genauso wichtig wie meinen Sport”, erläutert der 25-Jährige.

Und so steht die deutsche Nummer 1 der Trampolinturner im achten Semester kurz vor dem Studienabschluss in Politischen Wissenschaften, Geschichte und Germanistik an der Uni Hannover. Henrik Stehlik, eloquent und sehr sympathisch, lacht: „Na, neun Semester werden es schon, der Sport kostet viel Zeit.”

Erstes Saisonziel ist die Europameisterschaft in zwei Monaten in Metz. Bis dahin stehen die Qualifikationen, der Rhein-Hessen-Pokal, der Weltcup in Gent und die DM auf dem Plan. „Da ich mich bis zur EM steigern will, bin ich mit Rang 3 in Aachen sehr zufrieden”, ist Stehlik ganz entspannt.

„Nur” Schwierigkeitsgrad 15,0 turnte er in der Vorrunde, wurde Zweiter hinter Jensen. „Im Finale sollten es 15,6 werden. Doch unterwegs lief es so gut, da habe ich gedacht, 15,2 ohne Risiko tun es auch.” Stehliks Rechenkünste sind so beachtlich wie seine Körperbeherrschung. „Mein Schwierigkeitsgrad ist nicht der höchste, ich mache die fehlenden Punkte mit der Haltungsnote wett.” Und die ist bei dem 25-Jährigen stets die höchste.

Gut gerechnet hatte der Mann aus Salzgitter auch in Athen, wo er nach dem Vorkampf führte. „Ich kann 16,0 turnen, aber die Kür mit 15,6 liegt mir am besten. Ich habe gerechnet und gedacht, so habe ich eine Medaille sicher.” Hatte er mit Bronze. „Welche Farbe sie hatte, war mir letztlich egal. Außerdem, wenn man bei der Eröffnungsfeier steht und das olympische Feuer entzündet wird, dann ist man eigentlich Sieger.”

Dieses unglaubliche Gefühl will Stehlik 2008 in Peking noch einmal erleben. „Bis dahin turne ich weiter”, blickt der 25-Jährige voraus, wohl wissend, dass da angesichts der breiter werdenden Spitze in seiner Sportart neben Körperbeherrschung und Rechenkünsten auch ein schwierigeres Programm nötig ist. „Bis dahin muss ich einen Schwierigkeitsgrad über 16,0 springen.”

Doch erst einmal steht die EM an, und da wünscht sich Stehlik eine Medaille mit dem Team. „Und eine im Einzel. Und eine im Synchronspringen”, grinst Stehlik und fügt mit einem Zwinkern hinzu: „Und welche Farben sie haben, ist mir dann egal.”