Aachen: Dustin Brown und Aachen: Vom Qualifikanten zur Nummer eins

Aachen: Dustin Brown und Aachen: Vom Qualifikanten zur Nummer eins

Das Wohnmobil, das Dustin Brown jahrelang als Transportvehikel von Turnier zu Turnier und als fahrbares Hotelzimmer diente, steht eingemottet zu Hause rum: „Wenn du heute hier spielen musst und am nächsten Tag in Taschkent in Usbekistan, dann macht ein Wohnmobil keinen Sinn mehr”, zuckt Brown mit den Schultern.

Doch nicht nur die Ansprüche an das Transportmittel sind bei dem Schlaks mit den Rastalocken gestiegen, auch die sportlichen Ziele haben sich im Laufe der Jahre gewaltig gesteigert: Dreimal ist der 25-Jährige mit schöner Regelmäßigkeit in Aachen in der Qualifikation gescheitert, bei der letzten Auflage des Aachener Challengers war Brown direkt für das Hauptfeld qualifiziert und schaffte den Durchmarsch bis in das Finale, wo er knapp dem Amerikaner Rajeev Ram unterlag.

„Das war ein ganz schön enges Match”, erinnert sich Brown an die Finalniederlage ohne Groll. „Aber Ram ist auch ein Freund von mir.” Versüßt wurde die Niederlage immerhin durch die Publikums-Wahl zum beliebtesten Spielers des Turniers: „Ich habe mich schon sehr gefreut und auch nur gute Erinnerungen an dieses Turnier hier.” Auch Ram ist bei der 20. Auflage der Lambertz Open noch im Rennen, so dass es durchaus zu einer Neuauflage des Vorjahres-Finals kommen könnte.

In diesem Jahr dürften auch die Publikums-Erwartungen an den Überraschungs-Finalisten von 2009 ganz andere sein, denn der 25-Jährige, der im Lauf der Saison von Weltranglisten-Position 140 auf 103 durchmarschiert ist und zwischenzeitlich sogar unter den Top 100 rangierte, ist in Aachen an Nummer eins gesetzt. „Komme ich hier in Aachen ins Finale und kann mich da durchsetzen, habe ich auf jeden Fall die Qualifikation für die Australian Open in der Tasche. Aber es gibt auch noch zwei Turniere in Bratislava und Helsinki, wo ich mich für Australien qualifizieren kann.”

Bis auf ATP-Position 62

An der Seite des Niederländers Rogier Wassen rangiert der gebürtige Niedersachse mit jamaikanischem Vater auf Nummer zwei der Setzliste in Aachen. Hier ging der Höhenflug in den letzten Monaten sogar bis auf ATP-Position 62. „Geändert habe ich mich trotzdem nicht”, meint Brown, der im letzten Jahr das Publikum mit seiner Lockerheit und Coolness für sich gewann.

„Ich bin keiner von denen, die abends um neun Uhr im Bett liegen müssen. Ich kann mit meinen Freunden immer noch ein Bier trinken gehen.” Auch wenn es in Aachen nicht auf Anhieb mit dem Erfolg klappen sollte („Auf diesem schnellen Teppichboden paniert man nicht jeden mal ebenso weg”), peilt der 25-Jährige an, in der kommenden Saison bis auf Ranglistenplatz 60 oder 70 zu klettern, „damit ich für das Hauptfeld der ATP-Turniere qualifiziert bin”.

Dann könnte vielleicht auch Patrik Kühnen, Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams, auf Dustin Brown aufmerksam werden, der als zehntbester Deutscher im Einzel und zwischen fünf und sechs im Doppel liegt. „Ich habe bei der ATP angerufen und denen gesagt, dass ich unter Deutschland geführt werden will”, erklärt der Mann mit der doppelten Staatsbürgerschaft. Gespräche mit dem Deutschen Tennis Bund oder Kühnen hat es im Vorfeld allerdings nicht gegeben: „Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf Jamaika.”

Das Aachener ATP-Challenger in Zahlen

Einzel, 2. Runde: Janowicz (Polen) - Bemelmans (Belgien) 6:7 (4:7), 5:7; Kindlmann (Blaichach) - Kavcic (Slowakei) 7:6 (7:5), 3:6, 4:6; Reister (Hamburg) - Sijsling (Niederlande) 3:6, 1:6; Martin (Slowakei) - Rosol (Tschechien) 4:6, 6:3, 6:4

Doppel, 1. Runde: Gremelmayr/Marx (Heidelberg/Biedenkopf) - Allegro/Slanar (Schweiz/Österreich) 6:4, 7:6 (9:7) Viertelfinale: Kretschmer/Stadler (Solingen/Heidelberg) - Brown/Wassen (Celle/Niederlande) 7:6 (7:3), 7:6 (7:2)