Aachen: Domspringen: Lisek stiehlt Kendricks die große Show

Aachen : Domspringen: Lisek stiehlt Kendricks die große Show

Als die 14. Auflage des NetAachen-Domspringens in ihr Finale ging, war das eingetreten, was sich alle von diesem Stabhochsprung-Wettkampf auf dem Katschhof versprochen hatten. Es ging am Mittwochabend hoch hinaus, richtig hoch — und es gab einen packenden Zweikampf um den Sieg: Weltmeister gegen Vize-Weltmeister, Vorjahressieger gegen Herausforderer, Sam Kendricks gegen Piotr Lisek.

Ein großes Finale, das Lisek am Ende für sich entschied. Inklusive der drittbesten Höhe, die je in Aachen erreicht wurde. Der Pole gewann mit 5,90 Metern vor Kendricks (USA) und Shawn Barber (Kanada) erstmals das Domspringen. „Ich habe nicht erwartet, dass es so hoch hinaus gehen würde, weil es mein letzter Saison-Wettkampf war“, sagte Lisek. „Es war großartig hier zu springen — und zu gewinnen.“ Vor allem, weil der Wettkampf auf „sehr hohem Niveau“ gewesen sei.

Dafür hatte Ausrichter Alemannia Aachen mit einem prominenten Teilnehmerfeld gesorgt. Die drei Springer, die am Ende vorne landeten, waren schließlich alle in dieser Saison schon mehr als 5,90 Meter gesprungen. Auch Pawel Wojciechowski hätte zum Favoritenkreis gehört, er verletzte sich aber beim Einspringen an der Achillessehne und konnte beim Kampf um den Sieg nur zuschauen. Das übriggebliebene Trio war wegen der unsicheren Wetterprognose — letztlich fielen nur ein paar Regentropfen — früh in den Wettkampf eingestiegen, ihre ersten Höhen meisterten sie spielerisch — und bei 5,60 Metern stand fest, dass sie den Sieg unter sich ausmachen würden; ihre Kontrahenten hatten schon die Segel streichen müssen.

Barber war der Erste, dessen Traum vom Sieg platzte. Der Weltmeister von 2015 riss die Latte bei seinem ersten Versuch über 5,70 Meter, und weil seine Kontrahenten die Höhe sofort meisterten, ließ er zwei Mal 5,75 Meter auflegen; er schaffte sie nicht. Danach setzte Lisek Kendricks unter Druck — und wie: Der Pole übersprang 5,80, 5,85 und 5,90 Meter jeweils im ersten Versuch. Die 5,95 Meter schaffte er zwei Mal nicht, und das eröffnete Kendricks, der nach seinem Fehlversuch über 5,80 Meter alle anderen Höhen ausgelassen hatte, zwei Chancen zum Konter: Er konnte sie nicht nutzen. „Mein Ziel war es, mindestens über 5,80 Meter zu springen, das hat leider nicht geklappt“, sagte er. Lisek stand als Sieger fest. Da machte es auch nichts, dass auch er die 5,95 Meter nicht mehr schaffte. „Das war wieder einmal ein überragender Wettkampf“, sagte Organisator Michael Leers.

Die Deutschen konnten im Konzert der Großen nicht mitspielen, auch nicht der amtierende Meister Bo Kanda Lita Baehre, im Gegenteil: Der 19-Jährige schaffte die 5,30 Meter drei Mal nicht, er schied als erster Springer aus — und war bedient: „Ärgerlich“, sagte er. „Ich hoffe, dass ich die Chance bekomme, es in den nächsten Jahren in Aachen besser zu machen.“ Für Achtungserfolge sorgten die jungen Springer Lamin Krubally und Daniel Clemens, die jeweils 5,40 Meter sprangen.

Scherbarth ist glücklich

Den größten Jubel der deutschen Springer heimste aber Tobias Scherbarth ein. Der 33-Jährige beendete in Aachen seine Karriere, dort, wo er 2016 gewonnen hatte. Als er am Mittwoch im dritten Versuch an den 5,50 Metern gescheitert war und den Wettkampf als guter Vierter beendete, wurde es emotional.

Das Publikum klatschte eine halbe Ewigkeit Applaus, langjährige Weggefährten wie Björn Otto und Lars Börgeling waren gekommen, um ihn zu verabschieden, und Scherbarth stand beseelt auf dem Anlaufsteg: „Es war eine geile Zeit als Stabhochspringer — und das Domspringen hatte daran seinen Anteil“, sagte er. „Ich bin dankbar, dass ich hier noch einmal springen durfte“, sagte Scherbarth: „Der Jubel hat richtig gut getan.“ So ging es auch Lisek, der ebenfalls gefeiert wurde. Nächstes Jahr wird er wohl der Gejagte sein.

Ergebnisse: 1. Lisek (Polen) 5,90 Meter, 2. Kendricks (USA) 5,70, 3. Barber (Kanada) 5,60, 4. Scherbarth (Leverkusen) 5,40, 5. Clemens (Zweibrücken) und Krubally (Landau) beide 5,40, 7. Blech 5,30 8. Dilla 5,30, 9. Lita Baehre — (alle Leverkusen)