Europapokal: „Die Kerze auf der Torte“ für die Ladies

Europapokal : „Die Kerze auf der Torte“ für die Ladies

Stawag-Chef Dr. Christian Becker hat früher in Paderborn selbst Volleyball auf hohem Niveau gespielt und weiß also genau, wovon er redet, wenn er sagt: „Es gibt für einen Sportler nichts Schlimmeres, als sportlich für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert zu sein und dann aus finanziellen Gründen nicht antreten zu dürfen.“

Nun, die Ladies in Black Aachen teilen dieses Schicksal nicht, denn der Energieversorger als Haupt- und Trikotsponsor des Volleyball-Bundesligisten finanziert auch das europäische Abenteuer, wenn sich die Ladies Ende November und Anfang Dezember im Rückspiel erstmals der internationalen Herausforderung stellen. Denn die Teilnahme an den Europapokal-Wettbewerben ist im Volleyball – anders als im Fußball – keine sprudelnde Geldquelle sondern ein Zuschussgeschäft.

„Sofort nach Saisonende, als wir als Bronzemedaillen-Gewinner zur Teilnahme qualifiziert waren, tauchte die Frage auf, ob wir denn auch melden“, erinnert sich PTSV-Vorsitzender Dr. Frank Schidlowski an den letzten Meisterschafts-Auftritt in Maaseik. „Das Interesse ist groß, das Potenzial ist es ebenfalls. Aber wir reden hier über hohe fünfstellige oder gar sechsstellige Beträge, die man zuschießen muss“, erklärt Schidlowski die Tatsache, dass doch einige Zeit des Nachdenkens bis zum „Ja-Wort“ nötig war.

Spielerinnen und Trainerstab jedenfalls fiebern schon dem ersten Kräftemessen auf internationalem Parkett entgegen – auch wenn der Auftaktgegner noch nicht feststeht. Denn die Ladies treffen zunächst auswärts auf den Sieger der Begegnung des portugiesischen Klubs AVC Famalicaound und des spanischen Vertreters VC La Laguna, der auf Teneriffa beheimatet ist.

„Ich spüre jedes Jahr, dass wir wieder den nächsten Schritt gemacht haben“, blickt Trainerin Saskia van Hintum optimistisch nach vorn. „Aber die Teilnahme am Europapokal ist schon die Kerze auf der Torte. Mit dem neuen Team haben wir die Chance, uns wieder besser aufzustellen.“

Dafür, dass diese Hoffnung auch Wirklichkeit wird, soll unter anderem Denise Imoudu als neue Zuspielerin sorgen. „Bei der Nationalmannschaft habe ich Saskia van Hintum kennengelernt und gemerkt, welche Energie sie mit in die Halle bringt. Auch deshalb fiel meine Entscheidung für Aachen aus“, erklärt die 21-Jährige, die bereits mit 15 Jahren in der Bundesliga debütierte und mit dem Schweriner SC auch schon internationale Erfahrungen gesammelt hat.

„Aber, da war ich noch zu jung und es war mehr Überforderung als Vorfreude auf das, was kommt.“ In die Kategorie „viel Potenzial“ dürfte auch Diagonalspielerin Taylor Agost (22) fallen. Immerhin haben zehn europäische Vereine versucht, sich die Dienste der Top-Collegespielerin zu sichern – und gelandet ist sie in Aachen. „Mir war wichtig, eine familiäre und freundschaftliche Umgebung zu finden für meine erste Station außerhalb der Vereinigten Staaten. Und meine ersten Erfahrungen zeigen mir, dass ich mich richtig entschieden habe.“

Erleichtert worden sein dürfte die Entscheidung „pro Europa“ auch durch die Tatsache, dass die Halle an der Neuköllner Straße für den Neueinsteiger europäischen Ansprüchen zunächst einmal genügt. Denn anders als in der Bundesliga ist der Hexenkessel nach europäischen Maßstäben nicht zu niedrig, sondern bietet nur zu wenig Freifläche neben dem Spielfeld.

Und dass der Stawag-Chef seine Eingangsworte auch so meint, zeigt sein halbes Versprechen für die Zukunft: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch zukünftig mit Begeisterung dabei sind, wenn die sportliche Qualifikation geschafft ist.“

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