Aachen: Die Höhenjäger kehren zum Katschhof zurück

Aachen: Die Höhenjäger kehren zum Katschhof zurück

Die Bilder auf der Leinwand verursachen immer noch Gänsehaut. Vor einem Jahr sprang Björn Otto auf dem Aachener Katschhof mit 6,01 Metern einen neuen Deutschen Rekord im Stabhochsprung. Am Montag sitzt er im Ratssaal und sieht sich seinen Sprung in die neue Dimension noch einmal an und war immer noch mitgerissen.

„Dieser Hexenkessel ist einmalig, und man fühlt sich hier als Athlet zu Bestleistungen berufen“, sagt Otto. „Diesen Augenblick über der Latte bei 6,01 Metern werde ich nie vergessen. Einer der unglaublichsten Momente meiner Karriere.“

Der 35-Jährige kommt nicht nur zum Videostudium nach Aachen, vielmehr kündigt der olympische Silbermedaillengewinner an, seinen Titel am 4. September zwischen Dom und Rathaus zu verteidigen bei der 9. Auflage des NetAachen-Domspringens. „Das ist eines der schönsten Meetings“, urteilt der dreifache Sieger von Aachen. Die Nähe zum Publikum, das historische Flair — all das sind die Zutaten für einen besonderen Abend, „auch wenn man nicht jedes Mal einen Rekord erwarten kann“.

Die Messlatte liegt hoch, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp zweideutig und meint damit die gesamte Veranstaltung. „Werbung muss man dafür nicht mehr machen.“ Diese intensive Atmosphäre hat sich nach acht gelungenen Wettkämpfen längst herumgesprochen. Die 5000 Besucher werden auch diesmal wieder kostenlos die Athleten anfeuern, das macht unter anderem der Namensgeber möglich. „Das ist auch ein Dankeschön an die Region, in der wir unsere Geschäfte machen“, begründet NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider die Standortpflege.

Organisiert wird das Domspringen von Alemannia Aachens Leichtathleten. Ein paar Tage nach der WM in Moskau (10. bis 18. August) wird „Sprung-Chef“ Michael Leers wieder ein hochkarätiges Starterfeld begrüßen.

Die deutsche Elite um Otto, Raphael Holzdeppe und Malte Mohr hat schon zugesagt, internationale Stars werden kurzfristig verpflichtet, so dass Leers davon ausgeht, „dass auch Medaillengewinner der WM“ in Aachen auf Höhenjagd gehen. Eine Wildcard vergibt der Veranstalter bereits am 27. August, wenn sich im Aachener Waldstadion ein regionaler Springer für den Vergleich mit den Stars der Stäbe qualifizieren kann. Ohnehin macht Leers einen kleinen Stabhochsprung-Boom in der Region aus. Am Katschhof wird es dann auch ein Einlageprogramm der hochspringenden Frauen geben.

Köln als Negativ-Beispiel

Vermarktet wird das Springerfestival von Michael Mronz, der unter anderem auch das Aachener Reitturnier entwickelt hat in den letzten Jahren. Solche Formate seien die Zukunft der Sportart. „Die Leichtathleten kommen zu den Menschen und nicht umgekehrt.“ Ein Lob hatte Mronz für Aachens Oberbürgermeister mitgebracht. Diesen schönen Platz hinter seinem Rathaus zur Verfügung zu stellen, sei nicht selbstverständlich, findet er und erinnerte an einen längst eingestellten Wettkampf auf der Kölner Domplatte. „Köln hat gezeigt, wie man eine Veranstaltung nicht in der Stadt hält.“

(pa)