Aachen: Die großen Ziele des Deutschen Meisters Mario Stevens beim CHIO

Aachen : Die großen Ziele des Deutschen Meisters Mario Stevens beim CHIO

Er hatte vorgelegt, nun hieß es warten. „Ich war viertletzter Starter, hatte nur einen Zeitfehler, damit habe ich das führende Trio unter Druck gesetzt.“ Mario Stevens lacht. Bei der Deutschen Meisterschaft Mitte Juni in Balve hatte er sich in vier schweren Runden keinen Hindernis-, nur insgesamt drei Zeitfehler erlaubt, und damit war er der Jäger.

Markus Beerbaum, Carsten-Otto Nagel und Marcus Ehning die Gejagten. Als Beerbaum patzte, hatte Stevens Bronze sicher, dann Silber — und dann stand nur noch Ehning zwischen ihm und dem Titel. Der Borkener, bis dahin fehlerlos, hob nach zwei Abwürfen die Hand, gab auf. Und Stevens war Deutscher Meister.„Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass ich den Titel gewinnen würde“, sagt Stevens. Das ist kein Understatement des 36-jährigen Springreiters, zum einen war es erst sein zweites Turnier im Sattel des elfjährigen Talisman de Mazure. Zum anderen erst zweieinhalb Wochen vor den Meisterschaften im Sauerland nach einer Notoperation wieder in den Sattel gestiegen.

Auf der Intensivstation

„Mir ist ein Magengeschwür geplatzt. Es kam überraschend, ich hatte vorher nie Probleme. Nach einer Notoperation bin ich auf der Intensivstation gelandet“, erzählt Stevens. Zwei Wochen vor der DM ritt er beim Burgturnier in Nörten-Hardenberg erstmals Talisman. „Er gehörte zuvor Prinzessin Haya, ging zuvor unter und John Whitaker“, sagt Stevens über seine französische Neuerwerbung. „Da ich ihn noch nicht so gut kannte, wusste ich nicht, wie es mit der Zeit auskam.“

Die hat Stevens inzwischen im Griff. „Talisman ist gereift, wir haben uns inzwischen kennengelernt. Die beiden Abwürfe am Mittwoch im Preis von Europa nimmt Stevens auf seine Kappe. „Er ist noch nicht auf diesem Platz gegangen: Ich hätte es ruhiger angehen müssen, habe ihn etwas überritten.“ Für die Qualifikation zum Großen Preis fehlen noch Punkte, die Stevens am Freitag im NRW-Preis holen möchte.

In der Soers startet er „zum sechsten, siebten Mal, mit 19 Jahren war ich erstmals hier“, erinnert sich der zweifache Vater. Seither hat er Aachen öfters verpasst. „Entweder hatte ich nicht die richtigen Pferde oder sie wieder verkauft.“ Ausbildung und Handel standen für den Reiter mit dem hellblonden Schopf lange im Mittelpunkt. Talisman und der selbst gezogene neunjährige Landano, der am Donnerstag im Stawag-Preis zwei Abwürfe hatte, sollen in seinem Stall im niedersächsischen Molbergen bleiben.

Stevens Karriere startete wie die so vieler Hobbyreiter. „Mein Vater ist geritten und handelte ein wenig mit Pferden. Mit neun Jahren habe ich begonnen, fand Reiten aber ohne Turnier eher langweilig“, brauchte Stevens mehrere Anläufe, ehe der Virus ihn erwischte. Zwar beendete er seine kaufmännische Lehre im elterlichen Geschäft, wurde dann aber Profi. „Meine Eltern hätten nicht geglaubt, dass ich so weit komme“, sagt Stevens und lacht. „Ich bin Realist, man muss gute Pferde haben und zur richtigen Zeit eine Nullrunde unter den Augen des Bundestrainers drehen. Ich dachte, ich bilde eher junge Pferde aus statt selbst im großen Sport zu reiten.“

Bereits als Junger Reiter gewann Stevens DM-Gold, war 2003 Team-Europameister, nahm an fünf Nachwuchs-EM teil. Mit Mac Kinley, der unter anderem 2004 unter dem Schweden Rolf Göran Bengtson Olympia-Silber in Athen gewann, wurde er 2008 DM-Vierter. Im April starb der Fuchs im Alter von 24 Jahren. „Mac Kinley ist das beste Pferd, das ich je geritten habe. Er hat mich in meiner Karriere nach vorne gebracht“, ist Stevens dankbar. Nationenpreise hat er schon einige geritten, in einem Championatsteam stand er noch nicht. „Ich mache Talisman keinen Druck, schaue, was auf uns zukommt. Aber das könnte konstant gut werden.“

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