Künftiger „Unterschiedsspieler“?: Der „neue“ Mahmut Temür wartet noch auf seinen Durchbruch

Künftiger „Unterschiedsspieler“? : Der „neue“ Mahmut Temür wartet noch auf seinen Durchbruch

Vor dem ersten Spieltag bekam Mahmut Temür von seinem Trainer ein Etikett umgehängt. „Das kann unser Unterschiedsspieler werden“, hat Alemannias Trainer Fuat Kilic über den Neuzugang gesagt.

Die Vita des Deutsch-Türken gab solche Zuversicht durchaus her, Temür schnürte schon erfolgreich in deutlich höheren Ligen seine Fußballschuhe.

Fast am Ende der Hinrunde lässt sich festhalten, dass die Hoffnung sich vorerst nicht erfüllt hat. 411 Spielminuten sind für den Techniker addiert, kein Treffer, eine Vorlage und ein paar nicht genutzte hochkarätige Chancen sind festgehalten vor dem nächsten Auswärtsspiel am Freitag, 19.30 Uhr beim Bonner SC.

Temür ist kein großer Faktor gewesen in dieser Saison, bislang hat ihn eher die Mannschaft mitgezogen statt umgekehrt. „Da ist noch viel Luft nach oben“, sagt sein Trainer. „Er ist noch nicht da, wo wir ihn haben wollen und wo er sich sehen möchte.“ Dass Temürs Lauftempo keine Sprintsiege verheißt, war schon vor seiner Ankunft klar, aber seine Denk- und Spielgeschwindigkeit kann aber ein Spiel beschleunigen. An guten Tagen. Weil es aber davon nur wenige gibt, kommt auch irgendwann ein Trainer in Erklärungsnot gegenüber anderen Spielern. „Als Trainer kannst du über defensive Schwächen nur hinwegsehen, wenn die Qualität in der Offensive überragend ist.“

Temür hat bislang nur ein paar Andeutungen seines Talents gegeben, der Durchbruch steht noch aus. Die Umgewöhnung zum körperbetonten Spiel in Deutschland war nach fünf Jahren Fußball in der Türkei größer als erwartet.

Die gebürtige Dürener hat sich umstellen müssen, in der Regionalliga muss in beide Richtungen gearbeitet werden. „Er hat lange gebraucht, dass er akzeptiert, dass er in seinem Zustand, der Mannschaft noch nicht weiterhelfen konnte“, erinnert sich Kilic an schwierige erste Monate. Inzwischen registriert der 45-Jährige eine ausgeprägte Bereitschaft bei seinem Zögling, an der Wettkampfhärte auch mit Zusatzschichten zu arbeiten.

Neuzugang Temür sieht sich auf einem guten Weg

Seit einem halben Jahr hat Temür kein komplettes Pflichtspiel mehr absolviert. Kilic ist nicht der erste Trainer, der seinen Fitnesszustand kritisiert - aber er soll sein letzter sein. Allzuoft hat der Spielmacher seinem Talent alleine vertraut. „Der alte Mahmut hätte irgendwann aufgegeben“, sagt der gebürtige Dürener. „Der neue Mahmut ist ein Kämpfer.“ Seit Saisonbeginn hat er vier Kilogramm verloren, weitere 3,5 sollen es noch werden. Der Familienvater will, dass die Fans noch den anderen, „den wahren Mahmut Temür“ kennenlernen. Die Zeit läuft ihm ein bisschen davon, vor ein paar Tagen ist er 29 Jahre alt geworden. „Aachen ist meine letzte Chance, noch einmal den Durchbruch zu schaffen“, vermutet er. Alte Orden haben keinen Wert mehr in dieser Leistungsgruppe.

„Er muss diese Hürde jetzt durchziehen, sonst wird er den Sprung nicht mehr schaffen“, sagt Kilic. Für Temür stehen vielleicht die entscheidendsten Wochen seiner Karriere an. Er muss die Kurve bekommen, „dann wird es zum Selbstläufer, dass ich ihn aufstellen muss“, vermutet sein Förderer. So weit ist er noch nicht. Am Freitagabend beim Bonner SC wird er erst einmal auf der Ersatzbank frieren. Der Abstand zum Tabellenführer Viktoria Köln ist inzwischen auf stattliche 13 Punkte angewachsen. Einen Spannungsabfall hat Mahmut Temür in dieser Woche nicht beobachtet. Der Konkurrenzkampf verschärft sich gerade, weil kaum ein Spieler fehlt.

Wenn man Temür fragt, wie er denn aufstellen würde, sagt er: „Ich würde nach dieser starken zweiten Halbzeit in Mönchengladbach überhaupt nichts ändern.“ Sein Trainer denkt ähnlich, eventuell kehrt Marcel Kaiser an seiner alten Wirkungsstätte in die Startelf zurück. Patrick Salata ist angeschlagen, Sebastian Schmitt würde ihn bei Bedarf ersetzen.

Mehr von Aachener Nachrichten