Köln: Der 1. FC Köln ist die Rote Laterne los

Köln : Der 1. FC Köln ist die Rote Laterne los

„Die Leiche hat an den Sarg geklopft.“ Flügelflitzer Leonardo Bittencourt brachte ein halbes Jahr voller bitterer Nackenschläge mühelos in einem Satz unter — und warf gleich auch noch einen Blick in die Zukunft. „Das Unmögliche ist jetzt nicht mehr ganz so unmöglich.“

Der 1. FC Köln hatte gerade das Derby gegen Bayer Leverkusen mit 2:0 gewonnen, was aber angesichts der Tabellenlage wohl nur die Randnachricht ist. Viel wichtiger: Erstmals seit dem dritten Spieltag steht Köln nicht mehr auf dem letzten Tabellenplatz. Der FC hat die Rote Laterne an den Hamburger SV abgegeben. Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck sieht im fünften Saisonsieg zumindest „die leichte Berechtigung, ein wenig an unseren Wunschtraum zu glauben.“

„Dreck fressen“ und „Aggressivität auf den Platz bringen“, hatte Trainer Stefan Ruthenbeck von seiner Mannschaft gefordert — und von der ersten Sekunde an machten seine Spieler klar, dass sie diese allerletzte der letzten Chancen nutzen wollten, nachdem die Konkurrenz im Überlebenskampf erneut nicht gepunktet hatte. Der FC lief den Gegner hoch an, zeigte aggressives Pressing, zwang die Bayer-Elf zu Fehlern in der eigenen Hälfte — obwohl mit Simon Terodde der Hoffnungsträger im Sturm angeschlagen fehlte.

„Das war ein fast körperloses Spiel meiner Mannschaft“, monierte ein enttäuschter Leverkusener Coach Heiko Herrlich das Verhalten in den ersten 20 Minuten. Und die Kölner wurden früh belohnt für ihren intensiven Einsatz: Bittencourt brachte den Ball vom linken Flügel aus hinter die Abwehr in den Strafraum, Yuya Osako nahm die Kugel auf, zog ab — und ließ Torwart Bernd Leno schlecht aussehen. Denn der Bayer-Keeper musste dem nicht sonderlich platzierten Ball hinterherhechten, der Richtung Torlinie hoppelte, konnte die Kölner Führung aber nicht verhindern (9.).

Auch nach der Führung blieb der Tabellenletzte weiter am Drücker, kam im Umschaltspiel über die starken Osako und Vincent Koziello immer wieder zu Chancen, blieb aber im letzten Pass oder im Abschluss zu ungenau, um eine beruhigendere Führung herauszuspielen.

Rot für Alario

Die vorentscheidende Szene spielte sich dann nach einer halben Stunde ab, und auch Schiedsrichter Harm Osmers musste sich die Szene per Videobeweis noch einmal vor Augen führen, da sie sich außerhalb des eigentlichen Geschehens ereignete. Dominic Maroh war am eigenen Strafraum zusammengebrochen. Der Blick auf die Bilder belegte, dass der Abwehrspieler einen Ellbogencheck von Bayer-Stürmer Lucas Alario gegen den Hals bekommen hatte.

Osmers zückte die Rote Karte gegen den Argentinier (32.), Köln war in Überzahl. „Das vierte Mal in dieser Saison, dass wir nicht mit elf Mann zu Ende spielen konnten“, monierte Herrlich. Sechs Minuten zuvor hatte Alario noch die Riesenchance auf den Ausgleich, köpfte aber freistehend und aus kurzer Distanz kläglich in die Arme von FC-Keeper Timo Horn. Der Kölner Überlegenheit tat der Platzverweis zwar gut, dem Spiel insgesamt allerdings nicht, denn die Leverkusener wollten sich nur noch in die Halbzeit retten. Der FC kontrollierte das Geschehen, ohne allerdings Gefahr auszustrahlen.

In der zweiten Halbzeit — in der auf Kölner Seite Marco Höger mit einer leichten Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste — waren die Gäste dann plötzlich besser im Spiel. Vor allem über Kai Havertz inszenierten die Leverkusener immer wieder vielversprechende Spielzüge, allerdings ohne restlos zwingend zu wirken. „Zwingend“ war dagegen schon die Einladung von Charles Aranguiz, die die Partie dann endgültig zugunsten der Ruthenbeck-Elf entschied: Der Mittelfeldspieler köpfte zurück in Richtung Torwart Leno, doch Simon Zoller hatte den Braten gerochen, spritzte in den freien Raum, kam vor dem herausstürmenden Leno an den Ball und hob ihn in vollem Lauf über den Bayer-Keeper, um ihn dann aus kürzester Entfernung zum 2:0 ins leere Bayer-Tor zu dreschen (69.).

„Es ist schon ärgerlich, dass wir so einen Fehler des Gegners brauchen, um in Überzahl zum Torerfolg zu kommen“, befand Horn. Am Ende war aber egal, wie dieser Sieg zustande gekommen war. Die Kölner feierten. „Totgesagte leben länger“, sagte Bittencourt mit verschmitztem Lächeln.

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