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Aachen: „Da sind wir wohl etwas zu weit gegangen”

Aachen : „Da sind wir wohl etwas zu weit gegangen”

Vorübergehend ist Ludger Beerbaum abgetaucht. Der unter Manipulationsverdacht stehende beste Reiter der Welt hatte noch am vorletzten Wochenende vermutlich den Uralt-Rekord im Dauer-Interview-Geben von Lothar Matthäus erkennbar verbessert.

„Ich bin in die Offensive gegangen und habe den Eindruck, dass ich viele davon überzeugt habe, dass eine notwendige Behandlung durchgeführt und nicht Leistung manipuliert worden ist”, sagt der gefährdete Goldmedaillen-Gewinner von Athen.

Um das Thema „Doping im Pferdesport” kommt auch der Veranstalter des weltbesten Turniers nicht herum. Kurzfristig lud der Aachen Laurensberger Rennverein (ALRV) beim ohnehin geplanten Workshop mit den Sponsoren letzte Woche Turnierarzt Wilfried Hanbücken zum Informationsaustausch ein.

„Wir müssen das Thema sehr konsequent angehen, nur so können wir einen Image-Schaden verhindern”, sagt Turniervermarkter Michael Mronz. Auswirkungen auf das Aachener Turnier seien nicht auszumachen. „Aber die Reiter müssen aus den Fehlern lernen”, sagt Direktor Frank Kemperman.

Eher nachlässig seien die Sportler im Umgang mit den verbotenen Substanzen gewesen. „Nun sagen sie: Wenn schon so ein akribischer Organisator wie Beerbaum einen Fehler macht, müssen wir besser aufpassen.”

Das ist die eine Seite der Medaille. In Aachen sind aber auch deutliche Töne für eine Überarbeitung der so genannten „Null-Lösung” zu hören, die es den Reitersleuten generell untersagt, auch sinnvolle Medikamente ohne leistungsfördernde Substanzen (Liste II) einzusetzen.

„Da sind wir wohl etwas zu weit gegangen”, räumt auch Kemperman ein, der zudem Generalsekretär aller Veranstalter in der Welt ist. So hat die Debatte um die Grenzwerte und die Öffnung der Behandlungs-Korridore durch den Fall Beerbaum an Fahrt aufgenommen. „Der Weltverband FEI hat verstanden, dass er reagieren muss. Die Enthüllungen tun dem Sport nicht gut”, findet nicht nur Kemperman.

Ende des Monats geht das ALRV-Präsidium in Klausur. Das Thema Doping steht nun auch auf der Tagesordnung. Der ALRV wird dann Stellung beziehen.

Wird es noch einmal einen Publikumsliebling Ludger Beerbaum in Aachen geben? „Warum nicht”, fragt Mronz zurück, „das Publikum weiß zu differenzieren.”