Clemens Tönnies und seine rassistischen Ausfälle

Kommentar zum Fall Tönnies : Die Rote Karte ist zwingend

Mit seinen rassistischen Äußerungen beim Tag des Handwerks in Paderborn hat Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, vergangene Woche für Entsetzen gesorgt.

Der Dienstag wird kein schöner Tag für Clemens Tönnies werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 tritt vor den Ehrenrat des Vereins, der den 63-Jährigen von seinem Posten entheben wird. Die Fußball-Karriere des Chefs des zweitgrößten Schweine-Schlacht-Imperiums Europas aus Rheda-Wiedenbrück wird damit beendet sein.

So muss es kommen, wenn das Schalker Gremium – es besteht aus drei Juristen, einem Steuerberater und einem evangelischen Pfarrer – auch nur ansatzweise das Leitbild des Klubs ernst nimmt. Dort heißt es unter anderem: „Schalker sind wir überall; manche von Herkunft, aber alle von Herzen. Schalke war immer ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Nationalitäten und soll es immer sein. (…) Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.“

Wohlüberlegt

Das war’s dann Herr Tönnies, die beschämenden Aussagen beim Tag des Handwerks in Paderborn vergangene Woche müssen wir auch nicht mehr wiederholen. Ja, seine Entschuldigung für die unfassbaren Sätze ist angekommen. Doch was ist von ihr zu halten? Die Aussagen kamen nicht Sekunden nach dem Schlusspfiff eines dramatischen Spiels aus der Emotion heraus – und selbst dann wären die Worte nicht entschuldbar gewesen. Tönnies wählte die Worte wohlüberlegt, wahrscheinlich waren sie sogar auf einem Manuskript niedergeschrieben.

Die Entschuldigung war nicht mehr als der plumpe Versuch, die Wogen zu glätten. Und der ist gescheitert, die Zahl der Tönnies-Versteher ist gering. Einer ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann aus Paderborn, der lapidar sagt: „Jetzt ist auch mal gut. Clemens Tönnies hat sich entschuldigt. Das, was er gesagt hat, war völlig daneben. Aber ich warne davor, diesen Ausrutscher jetzt tagelang medial und politisch hochzuziehen. Deutschland hat wahrlich genug andere und vor allem dringendere Baustellen, über die es zu sprechen und zu debattieren lohnt.“

Ja, der dringenden Baustellen gibt es viele – wie eben den täglichen Rassismus in unserer Gesellschaft. Der Aufsichtsratsvorsitzende eines Fußball-Bundesligisten darf niemals unbehelligt solche Sätze sagen! So verpuffen auch alle gut gemeinten Aktionen der Vereine, des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga beim so sensiblen Thema Rassismus. Nein, dieser „Ausrutscher“ muss medial und politisch solange hochgezogen werden, bis Clemens Tönnies nicht mehr im Amt ist. Hoffentlich also nur bis zur Entscheidung des Ehrenrats.

Nicht minder schlicht in ihren Gedanken sind übrigens all die Besucher des Tags des Handwerks in Linnemanns Heimatstadt Paderborn, die nach einer kurzen Irritation, so Beobachter, statt zu pfeifen in die Hände klatschten und Tönnies somit zustimmten. Dieses Verhalten ist so beschämend wie Tönnies‘ rassistisches Geplapper.

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