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Jülich: Chuang entzaubert „sensationellen Boll”

Jülich : Chuang entzaubert „sensationellen Boll”

Timo Boll ist Sportsmann. Selbst in der Niederlage beeindruckte der 23-Jährige durch Fairplay.

„Wir haben nicht verloren, sondern Ochsenhausen hat gewonnen. Weil es die bessere Mannschaft war”, kommentierte der deutsche Vorzeige-Athlet das finale 2:3 mit seinem TTV Gönnern gegen die Tischtennis-Freunde Ochsenhausen im deutschen Pokal in der Jülicher Nordhalle. Die Oberschwaben haben den „Pott” somit dreimal in Folge jeweils gegen Gönnern gewonnen.

Es war das sechste Spiel, das Boll seit Freitag in dieser Endrunde bestritt, das die Waage zugunsten des Gegners ausschlagen ließ. Gegen Ochsenhausens Spitzenspieler Chuang Chi-Yuan patzte der Hesse dann. Anschließend machte Adrian Crisan gegen Jörg Roßkopf alles klar. „Das war Chuangs bisher bestes Spiel für uns”, jubelte TTF-Präsident Rainer Ihle.

Fünf Matches hatte Boll bis dahin gewonnen. In - wie DTTB-Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig befand - „sensationeller Manier”. Obwohl der Weltranglistenfünfte erst am Freitag um 17 Uhr von Peking kommend in Frankfurt gelandet war, stand er dreieinhalb Stunden später für Gönnern am Tisch.

Das unterscheidet Timo Boll offensichtlich von Altstars wie Jan-Ove Waldner und Jörgen Persson. Die Schweden standen ihrem Verein Plüderhausen im Pokal nicht zur Verfügung. Persson tourte für Schaukämpfe durch Norwegen, Waldner eröffnete in Peking sein Lokal „Wiking”, das er gemeinsam mit einem schwedischen Eishockeyspieler betreibt.

Daran, dass die Pokalendrunde wieder einmal ein Top-Event wurde, hatte Gastgeber SIG Combibloc Jülich/Hoengen keinerlei sportlichen Anteil. Sang- und klanglos war das Trio von Trainer Knut Gollnow mit 0:3 gegen Plüderhausens Rumpfteam untergegangen.

Ganze drei Satzgewinne sprangen heraus. Es war wie schon seit Jahren: Wenn die nationale Elite um die Titel spielt, rutscht der Vertreter von der Rur mit schöner Regelmäßigkeit in die Statistenrolle. So wurde die Jülich/Hoengener Weihnachtsfeier am Sonntagabend zu einer sehr besinnlichen Angelegenheit.

Weil das Format Pokalendrunde in den letzten Jahren stetig an Zuspruch gewonnen hat, „droht” auch eine Änderung. Nächstes Jahr ist Dillenburg an der Reihe, 2006 noch einmal Jülich. Dann ist die Veranstaltung wieder auf dem Markt.

Potenzielle Konkurrenten sitzen schon in den Startlöchern. So eine Koalition aus dem „Ländle”. Ochsenhausen, Frickenhausen und Plüderhausen tragen sich mit dem Gedanken, die Veranstaltung 2007 in der Stuttgarter Schleyer-Halle auszutragen. Die Entscheidung darüber wird nicht vor 2006 fallen.