Deutsche Dressurreiter erfolgreich: Werths Risiko wird belohnt

Deutsche Dressurreiter erfolgreich : Werths Risiko wird belohnt

Die deutschen Dressurreiter sichern sich den Sieg im Grand Prix Spécial und zum achten Mal in Folge den Nationenpreis. Die Doppel-Weltmeisterin brilliert bei der Schlusslinie.

Innen, im Viereck des Deutsche Bank Stadions, zelebrierte Dorothee Schneider auf Showtime ihren Grand Prix Spécial. Draußen, auf dem Vorbereitungsplatz, ging Isabell Werth auf Bella Rose noch einmal die Lektionen durch. Die Fuchsstute hatte an diesem Nachmittag nicht die größte Lust auf die Piaffe, wehrte sich.

Doch Isabell Werth blieb dran, bis sie wie am Schnürchen klappte. So auch später im Viereck, wenn auch die zweite Darbietung etwas „untertourig“ geriet und nur mit 7,7 bewertet wurde. Doch dann die Schlusslinie – perfekt, eine 10,0 für die Piaffe, eine 9,6 für die Passage. Und mit 84,448 Prozentpunkten der Sieg im Grand Prix Spécial. 489,477 Punkte – das sind 31,962 Punkte mehr als Verfolger Dänemark, der weitere 6,76 Punkte vor den USA lag. Überlegen sicherten sich die deutschen Dressurreiter damit auch zum achten Mal in Folge den Nationenpreis beim CHIO Aachen.

Bella ist draußen „kitzelig“

Trotz der Top-Leistung waren nicht alle Zuschauer auf der Seite der Doppel-Welt- und -Europameisterin. Via Judging-App hatten sie (mit-)geurteilt und Werth mit 79,478 Prozent hinter Zuschauer-Siegerin Schneider (80,708) und der Britin Charlotte Dujardin (79,574) auf Erlentanz nur auf Platz drei gelegt. „So ist es eben manchmal, mal sehen einen die Richter vorne, mal die Zuschauer“, sagte Werth, die auch später bei der Siegerehrung im nun strömenden Regen ihre gute Laune nicht verlor und mit der Bewertung gut leben konnte. „Ich bin sehr zufrieden. Ich habe auf kontrolliertes Risiko gesetzt. Nur die zweite Piaffe war etwas wenig, aber Bella war draußen kitzelig. Und der Wechsel nach der Traversale kam zu schnell – das war ich schuld.“ Nach kontrolliertem Risiko sah die Schlussgerade allerdings nicht aus. „Nein, ich wusste, dass es eng würde, daher musste ich da alles riskieren“, sagte Werth, die für ihr Risiko belohnt wurde.

Schneider hatte einen großartigen Ritt vorgelegt, den die Richter mit 83,617 – und 21 Mal der Höchstnote 10 – honorierten, auch wenn Showtime nach der ersten Passage und vor der Verstärkung angaloppiert war. „Das war ein emotionaler Auftritt für mich“, bekannte die Reiterin, die 2017 bei der EM und 2018 bei der WM jeweils mit Sammy Davis jr. zum deutschen Goldteam gehört hatte. „2016 habe ich in Rio auf Showtime mit der deutschen Mannschaft gewonnen. Dann war er lange verletzt, dass er nun zurück ist, ist sehr emotional für mich, da ich seit zehn Jahren mit dem Pferd zusammen bin“, sagte Schneider.

Jessica von Bredow-Werndl war mit einer guten Runde und 80,277 Punkten auf Rang drei geritten. Ein paar Punkte hatte Dalera in den Piaffen verloren, die zunehmend etwas matt gerieten; mit 79,021 Prozent wurde sie knapp vom Podest verdrängt.

Damsey macht artig mit

Und auch Helen Langehanenberg, deren Damsey im Grand Prix nicht den besten Tag erwischt hatte und eher unwillig seiner Aufgabe nachgekommen war, machte wieder artig mit – 75,043 Prozent und Platz elf. „In diesem Jahr muss ich froh sein, dass wir so ein starkes Team haben“, sagte Langehanenberg, die das Streichresultat war. In der Kür um den „Großen Dressurpreis von Aachen“ muss Langehanenberg am heutigen Sonntag als viertbeste Deutsche zusehen. Und auch das EM-Ticket wird sie im „Fernduell“ mit Sönke Rothenberger verloren haben, der nach dem Grand Prix am Freitagabend auch den Spécial der CDI****-Tour überlegen gewonnen hatte.

Die Kür ab 10 Uhr ist heute der Abschluss der Dressuren beim CHIO. Als Titelverteidigerin geht Isabell Werth ins Viereck. 2018 hatte sie auf Emilio gewonnen, diesmal setzt sie auf ihr WM-Pferd Bella Rose. Gelingt ihr der insgesamt 13. Sieg im „Großen Dressurpreis von Aachen“, hat sie gleich zweifachen Grund zu feiern: Die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten wird heute 50 Jahre jung. (rau)

(rau)
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