Aachen: Spektakulärer Parforce-Ritt löst den Stachel

Aachen: Spektakulärer Parforce-Ritt löst den Stachel

Madeleine Winter-Schulze durfte die Gerte tragen. Ihr Reiter Ludger Beerbaum war noch mit seiner Bussi-Tour beschäftigt. Gerade hatte er in einem spektakulären Parforce-Ritt den Preis der AachenMünchner gewonnen. Und der Jubel beim Publikumsliebling fiel auch zuvor schon noch offensiver aus als bei anderen Siegen.

Der Stachel, mit Gotha als Schlussreiter beim Preis der Nationen am Donnerstag den möglichen Sieg verpatzt zu haben, saß tief. Doch dieser Triumph mit Chaman zog ihn ein Stück wieder raus.

Unverkäuflich

Die Besitzerin des elfjährigen Hengstes hätte womöglich die Gerte nach erneuten innigen Umarmungen ihrem Zöglings etwas weniger zärtlich überreicht, wenn sie gewusst hätte, was Beerbaum kurze Zeit später über Chaman sagen sollte. „Auch für die Summe, die Totilas gekostet hat, würde ich ihn nicht hergeben.” Zehn Millionen Euro also, höher kann man das Vertrauen in die Zukunft und das Vermögen eines Pferdes kaum beziffern.

Und selbst eine halbe Stunde nach dem Sieg schien Ludger Beerbaum immer noch trunken von der Gala-Vorstellung, die der Hengst gerade in der Springprüfung mit einem Umlauf und einer Siegerrunde hingelegt hatte. „Das würde ich nicht schneller hinkriegen. Deshalb bin ich so happy”, beschrieb er einen Ritt, bei dem alles passte. Rolf-Göran Bengtsson hatte bei seinem zweiten Null-Ritt mit der Super-Zeit von 42,73 Sekunden eine harte Nuss zu knacken gegeben. „Da hatte ich schon Bedenken, ob das noch zu schaffen ist”, gestand Beerbaum.

Er schaffte es, auch deshalb, weil er die Super-Wende des Schweden mit Casalla La Silla vor dem fünften Sprung überbot. Fast mit einer Piroutte drehte er zum Steilsprung, und Chaman überwand ihn fast aus dem Stand. „Solch eine Kurve klappt auch nicht jeden Tag so”, freute sich der Deutsche Meister.

Dennoch sattelt er Gotha heute beim Großen Preis. „Ich will beweisen und mich auch selbst überzeugen, dass sie es besser kann als im Nationenpreis.” Auch bei der EM wird er wohl nicht Chaman satteln. Erst vor einem Jahr hat er ihn von der Portugiesin Luciana Diniz übernommen und ihm die Wasserscheu leidlich abgewöhnt. „Wenn es dann doch in Madrid schief gehen würde - ich könnte es aushalten. Aber ich will nicht riskieren, die Mannschaft hängen zu lassen.”

Irischer Doppelsieg

Einen Doppelsieg feierten die irischen Reiter beim Preis der Sparkasse, dem Auftakt der Abendveranstaltung. Shane Breen war mit Magic Fox 62 Hundertstels schneller als Denis Lynch, der bei der Zeitspringprüfung über Gräben und Wälle über eine Sekunde Vorsprung auf den drittplatzierten Briten Guy Williams mit Two Ramiro hatte. Bester Deutscher war der Aachener Frederik Knorren mit Esquire als Siebter.